Null Probleme mit den Nachbarn – Marc Fitoussis «La ritournelle»

Marc Fitoussis neuer Film ist ein oft amüsanter Streifen, der aber etwas allzu verharmlosend wirkt. Dafür überrascht er mit immer wieder neuen Wendungen – und Isabelle Huppert überzeugt als Landwirtin, ebenso Jean-Pierre Darroussin als ihr Gatte.

Brigitte (Isabelle Huppert) und Xavier (Jean-Pierre Darroussin) sind glücklich verheiratet und arbeiten als Agronomen. Wenn da nur nicht diese lästigen Ekzeme wären… Schliesslich entscheidet sich Brigitte, nach Paris zu einem Dermatologen zu gehen. Dies sagt sie jedenfalls ihrem Gatten – in Wirklichkeit will sie dort den jungen und attraktiven Stan treffen, den sie kürzlich kennengelernt hat. Doch irgendwie klappt’s nicht zwischen Stan und Brigitte – stattdessen freundet sie sich mit einem nicht mehr ganz jungen Dänen (Michael Nyqvist) an, der im gleichen Hotel wie sie residiert…

Brigitte und Xavier geniessen das Landleben. (Bild: zVg)

Brigitte und Xavier geniessen das Landleben. (Bild: zVg)

Regisseur Marc Fitoussi («Copacabana»)  ist nicht für seine tiefschürfenden Werke bekannt und auch bei «La ritournelle» sollten cinephile Kreise nicht allzu viel erwarten. Was nicht heisst, dass «La ritournelle» an sich ein schlechter Film ist. Vor allem anfangs, bei den Szenen auf dem Land, weiss der Film zu überzeugen. Sobald Brigitte sich allerdings in Paris befindet, verzettelt sich der Film immer mehr. Dies mag zwar gewollt sein, aber wenn sie sich mit einem illegalen indischen Gemüseverkäufer anfreundet und diesem dann schliesslich sogar einen Job zuhause anbietet. Dann aber scheint dies doch eine leicht absurde Verharmlosung der illegalen Migration zu sein – schliesslich ist zu vermuten, dass der Inder auch eine sehr günstige Arbeitskraft ist. Hier wird also in einem gewissen Sinne die Ausbeutung von Illegalen als humanitäre Tat dargestellt. Parallel dazu lösen sich die Irrungen und Wirrungen in Brigittes Leben alle auf; «null Probleme mit den Nachbarn» à la Erdogan scheint hier Fitoussis Motto zu sein. Aber in Wirklichkeit ist das Leben ja nie so – das zeigt nicht nur die politische Lage gerade im Nahen Osten, sondern auch das nicht immer einfache Zusammenleben von Paaren und Nebenbuhlern, das Fitoussi hier doch etwas allzu sehr verniedlicht. Und die Ekzeme? Die gehen auch mit Fitoussis Film nicht weg. Aber wer weiss, in der Fiktion vielleicht schon. Mehr sei hier aber nicht verraten; der Film lebt ja nicht zuletzt von den überraschenden Wendungen.

«La ritournelle». Frankreich 2014.  Regie: Marc Fitoussi. Mit Isabelle Hiuppert, Jean-Pierre Darroussin, Michael Nyqvist, Pip Marmai u.a. Deutschschweizer Kinostart: 9. Juli 2015.

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