The Emancipation of Fúsi – Dagur Káris «Virgin Mountain»

Er ist tatsächlich ein Berg von einem Mann – und ausserdem wohl Jungfrau. Auch mit über 40 Jahren lebt Fúsi, der noch nie im Ausland war, immer noch zu Hause bei Mama. Doch dann lernt er jemanden kennen…

https://youtu.be/qxddmHM2o4c

Der stark übergewichtige Fúsi (Gunnar Jónsson) ist ein handwerklich überdurchschnittlich begabter Mann Mitte vierzig. Er lebt zwar noch zu Hause bei Mama, im heimatlichen Island. Beruflich steht er aber schon seit einiger Zeit auf eigenen Füssen, und mit seinem handwerklichen Geschick kann er auch ab und zu seinen Kollegen privat behilflich sein. Trotzdem wird er von diesen gemobbt. Er lebt für sein Hobby: das Nachstellen von Schlachten aus dem Zweiten Weltkrieg en miniature. Der kleinen Nachbarin Hera, die neu im Quartier ist, zeigt er die Schlacht von El Alamein, diese würde aber doch lieber mit Barbiepuppen spielen. Als Fúsi Sjöfn (Ilmur Kristjansdóttir) kennenlernt, die bei der städtischen Müllaussortierung arbeitet, emanzipiert sich dieser wohl zum ersten Mal von seiner dominanten Mutter…

Wenn ein Metal-Fan sich verliebt, kann es schon mal vorkommen, dass er beim Wunschkonzert Dolly Parton verlangt... (Bild: zVg)

Wenn ein Metal-Fan sich verliebt, kann es schon mal vorkommen, dass er beim Wunschkonzert Dolly Parton verlangt… (Bild: zVg)

Dagur Kári wusste bereits mit früheren Filmen wie «Nói albinói» und «The Good Heart» zu überzeugen. Aussenseiterfiguren liegen ihm, dem in Frankreich geborenen Isländer, am Herzen. Fúsi ist ein herzensguter Mann, aber er ist zu weich für seine Umwelt und lässt sich von seinen Kollegen und seiner Mutter herumkommandieren. Obwohl er selber beim Flughafen arbeitet, war er noch nie im Ausland – ebenso war er wohl auch noch nie mit einer Frau zusammen. Er interessiert sich aber so sehr für Sjöfn, dass er für sie kocht und den Haushalt schmeisst und sogar ihren Job übernimmt – während sie an einer Depression leidet. Ob die zwei zusammenfinden? Wer hat am Schluss die besseren Chancen für die Zukunft? Fúsi hat jedenfalls gemerkt, dass er anderen Menschen helfen kann – und seine ausländischen Kollegen bei der Müll-Triage haben ihm gezeigt, dass nicht alle Kollegen Schweine sind. Dagur Káris Film ist ein einfühlsames Portrait von Menschen, die ihren Weg in der Gesellschaft noch nicht gefunden haben oder die aufgrund von Depressionen den Weg zurück ins Leben finden müssen. Wobei hier natürlich Fúsi ganz im Zentrum steht – so sehr, dass der isländische Originaltitel des Films denn auch identisch ist mit seinem Namen (der übersetzt werden kann als ʻder Willigeʻ!). Absolut sehenswert!

«Fúsi». Island/Dänemark 2015. Regie: Dagur Kári. Mit Gunnar Jónsson, Margret Helga Johannsdóttir, Sigurjón Kjartansson, Franziska Una Dagsdóttir, Ilmur Kristjansdóttir u.a.  Deutschschweizer Kinostart am 18. Februar 2016.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.