gesichtet #130: Das unbekannte Eulen- oder Fyrgässli

Ein schmaler Durchgang bahnt sich durch die Altstadthäuser, darüber erstrecken sich ein paar Schwibbögen. Nur wer aufmerksam durch die Martinsgasse schlendert, kann die dunkle Gasse überhaupt erspähen: Gleich neben dem Ehrenfelserhof und schräg gegenüber vom Weissen Haus lässt durch eine Gittertür ein Blick auf diese Passage erhaschen.

Fyrgässli_Blick von innen

Eine düstere Sackgasse mit Schwibbögen, die nicht so einfach zu finden ist. Sie soll den Namen Fyrgässli tragen (Foto: smi).

Wie beim Andreas- und Gansgässlein handelt es sich auch bei diesem Durchgang um einen Erschliessungsweg für die Hinterhäuser. Der Öffentlichkeit ist die Gasse nicht zugänglich, zudem ist sie auch nicht amtlich benannt. Sie soll aber den inoffiziellen Namen Fyrgässli tragen. Diese Information ist Lukas Stoecklins Ansichtskartensammlung zu verdanken.

Fyrgässli_Eule

Den Anwohnern ist der Weg besser bekannt als Eulengasse. Der Grund dafür ist diese Keramikfigur am Ende des Durchgangs (Foto: smi).

Bei der Nostalgie-Seite «Verschwundenes Basel» tauchte ein altes Foto davon auf. Die Macher der Seite Basler Bauten haben sich anschliessend auf die Suche nach mehr Angaben über das Fyrgässli gemacht. Leider sei aber kaum etwas darüber bekannt: Die Bezeichnung für den Erschliessungsweg müsse wohl ein Kosename sein und anhand von alten Plänen liesse sich nicht feststellen, ob es auch tatsächlich einmal zur Freien Strasse führte.

Fyrgässli_Martinsgasse

Diese Tür bei der Martinsgasse verperrt den Zugang zum alten Erschliessungsweg (Foto: smi).

Einer Anwohnerin, die seit über 35 Jahren dort wohnt, ist dieser Name jedoch nicht geläufig. Ihr sei der Durchgang hingegen als Eulengasse bekannt. So wurde es wohl von den Nachbarn getauft. Der Name geht auf einen ein komischen Kauz zurück, der hinten in der Gasse hockt: Über der Gasse wacht nämlich eine Eulenskulptur. Woher sie stammt und wie lange sie schon dort steht, ist dem Verfasser dieser Zeilen jedoch nicht bekannt.

Fyrgässli_eingerüstet

Momentan ist das Fyrgässli eingerüstet (Foto: smi).

Durch eine Tür kann man einen Blick in den ebenfalls verborgenen Innenhof des Bärenfelser Hof werfen. Weiter vorne steht eine kleine Treppe, doch dann hört der Weg bei einem modernen Gebäude vor einer grauen Tür abrupt auf. Theoretisch könnte man von dort aus zur Freien Strasse gelangen – zum Kleiderladen PKZ. Dazu gibt’s aber keine Fortsetzung der Gasse. Man müsste wohl zunächst die Büros der «Medizinischen Gesellschaft Basel» durchqueren. Eine Abkürzung, wie etwa diejenige, die vom Staatsarchiv über das Rathaus zum Marktplatz führt, ist das Fyrgässli also nicht.

Fyrgässli, Blick Richtung Freie Strasse

Theoretisch könnte man von hier aus zum PKZ an der Freien Strasse gelangen – wenn die Türen nicht verschlossen wären (Foto: smi).

 

 

Kennen Sie noch weitere unbekannte oder unbenannte Wege und Gassen in Basel? Gerne können Sie uns die Infos zukommen lassen.

Bereits besprochen wurden hier die Erschliessungswege Gansgässlein und Andreasgässlein in der Basler Altstadt. Ein inoffizieller Weg des 20. Jahrhunderts ist Theobald Baerwarts Gässli, zudem gibt es das benannte, doch nicht angeschriebene Ueli-Gässlein, die nachts ebenfalls gesperrte Sarnerstrasse sowie das nur noch teilweise bestehende Gstäderwegli in Riehen

 

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