Träume vom Grossen Norden – Fernando Pérez’ «Últimos días en La Habana»

Mit seinem neuen Film legt der Kubaner Fernando Pérez einen doppelbödigen Abgesang auf eine Beziehung und auf ein System vor. Am Schluss hat gar die Schweiz noch einen kleinen Gastauftritt…

Miguel (Patricio Wood) lebt mit seinem an AIDS erkrankten Freund Diego (Jorge Martínez) in einem alten Haus mitten in Havanna, zusammen mit zahlreichen anderen. Miguel träumt von den USA, oder «la Yuma», wie die Menschen in Kuba gerne sagen. Er pflegt Miguel mit viel Hingabe, aber doch zähneknirschend: er ist mit seinem Leben nicht zufrieden. Sein Job als Tellerwäscher bringt ihn nur knapp über die Runden, und mit Diegos Galgenhumor kann er nur wenig anfangen. Als er – auf ausdrücklichen Wunsch seines sterbenden Freundes – den Stricher Pedro (Cristian Jesús Pérez) in die Wohnung bringt, kommt aber eine neue Dynamik ins Spiel…

Chronik eines angekündigten Todes: Diegos wahrscheinlich letzter Geburtstag. (Bild: zVg)

Fernando Pérez konnte in der Schweiz mit «La vida es silbar» einen grossen Erfolg verbuchen, mit neueren Filmen wie «Suite Habana» (2003), «Madrigal» (2007), seinem José-Martí-Biopic «José Martí: El ojo del canario» (2010)  oder «La pared de las palabras» (2014) fand er aber weniger Zuspruch. Seine letzten zwei Filme waren in der Schweiz gar nicht im Kino zu sehen. Mit «Últimos días en La Habana» allerdings könnte ihm zumindest ein Achtungserfolg gelingen: die spanisch-kubanische Koproduktion liegt mit dem schwulen Paar und anderen Aussenseiterfiguren im Trend und das Interesse an Kuba dürfte ebenfalls ungebrochen sein.

Geplant hat Pérez diesen Film schon lange; und zwar vor über sechs Jahren. Das Thema des Films ist auch nach Fidel Castros Tod immer noch gleich aktuell. Der Film überrascht am Schluss mit einer witzigen Überraschung sowie einem möglicherweise ebenso doppelbödigen Bezug zur Schweiz. Miguels Traum von «La Yuma», der früher nicht zum Tragen gekommen ist, weil er nicht schwimmen kann, wird zwar möglicherweise erfüllt. Aber mit Slavoj Zizek gesprochen: ein Traum, der erfüllt wird, hat einen anderen Namen – es handelt sich um einen Albtraum. Wie dem auch sei: «Últimos días en La Habana» ist ein sehr solider neuer Film des kubanischen Regisseurs. Wenn auc die zwei Hauptfiguren anfangs etwas allzu dröge (bzw. nervend) daherkommen, so wird der Film in der zweiten Hälfte durch zahlreiche andere Figuren aufgelockert.

«Últimos días en La Habana». Kuba/Spanien 2017. Regie: Fernando Pérez. Mit Jorge Martínez, Patricio Wood, Gabriela Ramos, Cristian Jesús Pérez, Coralia Veloz, Carmen Solar, Yailene Sierra u.a. Deutschschweizer Kinostart am 2. November 2017.

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