Im Banne des Kratt – Rainer Sarnets «November»

Rainer Sarnets Verfilmung des estnischen Kultromans «Rehepapp ehk November» überzeugt mit viel gruseligem Charme in Schwarzweiss, mit einer Reise in ein schrecklich-schönes 19. Jahrhundert, in dem estnische Bauern von ihren deutschen Herren ausgesaugt werden – und ihre Seele an den Teufel verkaufen…

19. Jahrhundert, irgendwo in der estnischen Provinz. Die Menschen ächzen unter der Ausbeutung durch einen senilen deutschen Baron (Dieter Laser) und seine Tochter (Jette Loona Hermanis). Ihr Gegenmittel: sie machen einen Pakt mit dem Teufel und kreieren so diabolische Haushaltshilfen, genannt Kratts… doch das Leben geht seinen normalen Lauf. Der junge Hans (Jörgen Liik) verliebt sich in die Baronin, während die schöne Liina (Rea Last) sich wiederum sehr für Hans (Jörgen Liik) interessiert…

Starke Bilder in Schwarzweiss, dazu ein hypnotisierender Score, ein Blick in eine schrecklich-schöne Welt des Leidens, in der die Bauern die Hostien ausspucken, um sich so für die Jagd zu wappnen und der Teufel an jeder Ecke lauert: viel Plot hat der Film nicht, was aber seinem fesselnden Duktus keinen Abbruch tut.

Diese Welt des Elends erinnert dabei streckenweise an Hans W. Geissendörfers eigenwillige Dracula-Verfilmung «Jonathan». Hier wie dort stehen auch nicht die Ausbeuter (also Dracula bzw. der Baron), sondern die einfachen Menschen im Vordergrund; besonders interessant ist auch die Darstellung der Sexualität in beiden Filmen: wo das Elend herrscht, ist auch die sexuelle Perversion nicht weit.

November, Monat des Schreckens… (Bild: zVg)

Obwohl der Film naturgemäss nicht eben leichte Kost ist, verblüfft er doch immer wieder mit humoristischen Elementen, die für etwas Auflockerung sorgen – Regisseur Sarnet hat sich hier offenbar nahe an der Vorlage, dem estnischen Kultroman von Andrus Kivirähl, orientiert.

Sarnet ist zweifellos ein echter Könner, der sein handwerkliches Geschick bereits als Ko-Autor von mehreren Animationsfilmen bewiesen hat. «November» ist sein erster Spielfilm, der nun im B-Movie als Schweizer Premiere zu sehen ist.

Es ist ja schon an sich spannend, einen Film in der hier doch eher wenig bekannten estnischen Sprache zu sehen – sie ist mit dem Finnischen und dem Saami verwandt, nicht aber mit den Sprachen der baltischen Nachbarn. Der Film ist aber auch ganz abgesehen davon mehr als nur sehenswert. Enter at your own risk…! Premiere am 6. Dezember – für alle, die einen Grättimaa der etwas anderen Art sehen wollen…

«November». Estland/Niederlande/Polen 2017. Regie: Rainer Sarnet. Mit Jette Loona Hermanis, Dieter Laser, Rea Last, Jörgen Liik u.a. Premiere am 6. Dezember 2018 im B-Movie Basel.  Spielzeiten unter http://b-movie.ch

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