Zwischen Trauma und Hoffnung – Caterina Monas «Semret»

In ihrem ersten Langspielfilm begleitet Caterina Mona eine Migrantin aus Eritrea auf ihren schwierigen Weg als angehende Hebamme und Mutter. Die Wunden aus ihrer Heimat wiegen noch schwer …

Semret ist alleinerziehende Mutter. Sie hat den höchsten Schulabschluss, der in ihrer Heimat Eritrea möglich ist. Trotzdem ist es für sie nicht zuletzt auch in beruflicher Hinsicht schwierig, ihren Platz in der Schweiz zu finden. Der Militärdienst und die Flucht haben mehr als nur Spuren hinterlassen. Dies wirkt natürlich sowohl in ihren beruflichen Alltag wie auch in den privaten Bereich hinein.

Caterina Monas Film ist ein seltener Einblick ins Leben von Menschen, die vor dem Krieg geflüchtet sind und sich in der Schweiz ein neues Leben aufbauen. Im Hintergrund spielt auch die italienische Kolonialisierung eine Rolle; Semret spricht auch etwas Italienisch und hört zusammen mit einem Freund italienische Musik. Teilweise wirken die Dialoge vielleicht etwas hölzern, doch dies kann auch gewollt sein: Semret ist noch nicht in der Schweiz angekommen, nicht zuletzt sprachlich (was ja im Erwachsenenalter auch nicht ganz ohne ist – sich in einer völlig neuen Sprache zurechtzufinden). Sie kann sich zwar verständlich machen und kann sogar Fachliteratur lesen. Doch der Akzent ist eben immer noch sehr präsent und er ist es, den die Umwelt zuerst wahrnimmt. Ihre Tochter Joe (sic!) spricht zwar den Dialekt; aber andere Menschen sehen vor allem ihre Hautfarbe.

Tochter Joe und Mutter Semret. (Bild: zVg)

Vielleicht ein Grund für das nicht auszurottende «racial profiling»: das rein Phänotypische ist eben das am besten Sichtbare (wie der eigentlich ebenso oberflächliche Akzent, der oft nur sehr wenig über die Sprachkenntnisse aussagt); andere Merkmale (z. B. Kleidung) sind bereits weniger auffällig.

Wenn also die Menschen weiterhin aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, dann ist dies vielleicht einfach, weil es am Bequemsten ist – sich gegen Rassismus einzusetzen ist sicherlich anstrengender. Oder auch nur, sich weniger auf die Hautfarbe zu fokussieren …

Caterina Monas Film spricht dies zwar nur am Rande an; Semret wird denn auch wohl weniger aufgrund ihrer Hautfarbe, sondern mehr wegen der Sprache so krass unterschätzt. Ihre Tochter weiss aber, dass auch sie einen schwierigen Weg vor sich hat, obwohl sie selber auch den Dialekt beherrscht und wahrscheinlich auch Hochdeutsch mit landesüblichem Akzent redet. Trotz allem ist «Semret» aber ein hoffnungsvoller Film – am Schluss wissen wir zwar nicht, ob Semret und ihre Tochter in der Schweiz ihr Glück finden werden. Die Möglichkeit besteht aber auf jeden Fall.

«Semret». Schweiz 2022. Regie: Caterina Mona. Mit Lula Mebrahtu, Tedros Teclebrhan, Fanuel Mengstab, Mona Petri, Hermela Tekleab u. a. Deutschschweizer Kinostart am 25. August 2022.


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