Feuerwerk – Kurzgeschichte von Stefan Buttliger

Von Stefan Buttliger

Zum heutigen Texttag erscheint bei «Zeitnah» eine Geschichte von Stefan Buttliger. Das «Feuerwerk» einer Silvesternacht taucht nur kurz auf, geht fast unter neben Zugfahrt und Clubbesuchen. Und doch ist es ständig präsent im Knistern zwischen zwei Liebenden oder Geliebten, im Multikulti und Rassismus, die diese nacherzählte Schweiz begleitet.

« Zeitnah » ist stolz, Ihnen an diesem Texttag eine Kurzgeschichte von Stefan Buttliger präsentieren zu dürfen. zVg

« Zeitnah » ist stolz, Ihnen an diesem Texttag eine Kurzgeschichte von Stefan Buttliger präsentieren zu dürfen. zVg

Draussen auf den Bahnschwellen hat sich der Raureif zu bilden begonnen. Die Perrons sind fast menschenleer. Er liegt auf seinem Mantel. Das Zugsinnere sieht er um neunzig Grad gewendet, als ob das Dach und der Boden die Seitenwände wären, die eine Sitzreihe der Boden und die andere das Dach.

«Geschätzte Fahrgäste, wir machen Sie darauf aufmerksam, dass es im hinteren Zugsteil in den Sektoren B und C viele freie Plätze gibt.»

«Halt den Mund», sagt er.

«Hm», macht sie. Sie liegt ihm gegenüber und reibt sich die Augen.

«Wir waren so schön alleine. Jetzt kommen sie alle zu uns.»

«Hörst du, wie schon der Boden bebt?», fragt sie. «Die Horde.»

«Die Horde.»

Die Tür am Ende des Wagens geht auf, ein Mann kommt hinein. Da er auf der Wand steht und waagrecht in den Raum hineinragt, sieht er aus, als würde er schwimmen. Mit jedem Schritt wird er grösser. Er verschwindet in einem Abteil vor ihnen.

«Nur einer», sagt er.

«Doch keine Horde», sagt sie.

«Willkommen im Interregio nach Aarau, Sissach, Liestal, Basel, Abfahrt fünf Uhr null acht. Nächster Halt Lenzburg.»

«Jetzt fahren wir», sagt er.

«Hm», macht sie und schliesst die Augen.

 

rot rot rot bumm golden viele kleine explosionen der himmel leuchtet du denkst an den nachtslalom an den du deinen exfreund begleitet hast drei jahre warst du mit ihm zusammen bis er dich verlassen hat weil er mehr trainieren wollte jetzt ist er so viel du weisst unternehmensberater denkst du unternehmensberater er ist zehn Jahre älter du schaust den mann an den du an dich gedrückt hältst sein kinn und sein wangen im flackernden licht des feuerwerks und im fahlen schein der strassenlaternen sollen die anderen in den club gehen du willst ihn und du hast ihn heute nacht vielleicht das letzte mal du bist nicht die einzige so viel ist klar aber vielleicht wärst du es gerne und im augenblick bist du es

 

du hältst dein iPhone und filmst. Ist das der Schluss? Sie werweissen auf Schweizerdeutsch. Zwei sprechen eine Sprache, die du nie gehört hast, die du für osteuropäisch hältst, und du fragst dich, was deinen Vorfahren, die zwischen den Kriegen Italien verliessen, diese Sprache bedeutet hätte. Zum Beispiel könnten sie die Sprache als Kroatisch erkannt und gesagt haben: Ah, das sind Freunde, denn auch sie sind katholisch. Oder: Ah, das sind Feinde, denn sie haben uns Istrien gestohlen. Hier in Europa ist alles durchtränkt mit Politik und Geschichte.

Woher das Geld für dieses Feuerwerk kommt? Von den Banken, denkst du, und du lächelst und sagst dir: Es gehört uns. Wir zu Hause in São Paulo sollten dieses Feuerwerk sehen. Zugleich verstehst du: Hier schauen sich hunderttausend Menschen ein Feuerwerk an, und sie wissen alle: Das Geld dafür haben wir gestohlen, aber das Feuerwerk gefällt uns, und wenn es irgendwie möglich ist, machen wir so weiter.

 

Alic Broquet fror, und er wusste nicht, wo er war. Sie hatten die Wohnung vor einer Stunde verlassen oder vielleicht vor zwei, er war zu betrunken, als dass er es hätte sagen können. In Neuchâtel, wo sich seine Studentenwohnung befand, hätte er mit Christophe und mit Kevin ausgehen können, zu Hause in Delémont mit seinen Primarschulfreunden in einer Waldhütte feiern. Spätestens, als Melanie ihn an der Schulter gefasst und ihm gesagt hatte: «You have to stay in Zurich», war ihm klargeworden, dass er es vorzog, die Silvesternacht hier zu verbringen, mit Melanie, die schöne schwarze Augen und wohlgeformte Brüste hatte, und bei Gion und seien Studienfreunden, die alle fünfundzwanzig waren. Alic war neunzehn. Er studierte im dritten Semester Wirtschaft. Er war schon einmal im Pascha auf Ibiza gewesen, das war einer der berühmtesten Clubs der Welt. Ausserdem hatte er den Sommer dieses Jahres in London an einer Sprachschule verbracht, dort hatte er Gion und Melanie kennengelernt. In London war er in allen berühmten Clubs gewesen. Er hatte aber nie viel getrunken, denn sein Heimweg hatte in einer Odyssee über eine U-Bahn-Linie und einen Nachtbus bestanden, und in betrunkenem Zustand, hatte er gefürchtet, wäre er irgendwo gelandet.

Sie standen jetzt vor irgendeinem Club, und Alic war der einzige ohne Ticket. Die anderen hatten ihm versichert, das sei kein Problem. Einer von Gions Freunden hatte ihm zunächst gesagt, er solle behaupten, er verstehe kein Deutsch, was der Wahrheit nahe kam, und er sei einundzwanzig und habe sein Portemonnaie bei Gion vergessen, was gelogen war. Sie seien eine Gruppe von sieben Leuten, und sechs davon hätten ein Ticket, das heisse, der Club habe durch sie dreihundert Franken eingenommen. Ein gewisses Mass an Entgegenkommen, sprich, der Verkauf eines Tickets aus der sonst wahrscheinlich schon geschlossenen Abendkasse an einen unverhofften Gast ohne Ausweis, könnten sie also durchaus erwarten. Kurz vor dem Club hatten sie die Strategie gewechselt, auf Gions Initiative. Sie wollten jetzt ehrlich sein und alles auf die Karte sechs gekaufte Tickets und dreihundert Franken setzen sowie auf das Mitleid der Türsteher hoffen (ein Romand in einer kalten Nacht in Zürich ganz alleine?). Als sie den Club erreichten, zeigte sich, etwa fünfzig Leute standen davor, in einer Schlange, die sich offenbar sehr langsam bewegte, und die meisten von ihnen schienen Tickets zu haben. Die anderen hatten begonnen, miteinander Schweizerdeutsch zu sprechen, ausser Melanie, die ebenso wenig verstand wie Alic. Sie warteten jetzt seit zehn Minuten. Melanie wurde von einem Deutschschweizer angemacht, sie wollte ihn loswerden, schaffte es nicht, einer von Gions Freunden sprach mit ihm, fröhlich, aber auf eine Weise, die ihm verständlich machte, dass es besser war, sie in Ruhe zu lassen. Gion und seine anderen Freunde senkten das Kinn in ihre Krägen und Schals, drängten sich eng aneinander, bewegten sich kaum noch und sprachen nur das Nötigste. Hin und wieder sahen sie ihn an und sagten dann etwas zueinander. Alic hatte den Eindruck, sie sprachen über ihn. Er fühlte, sie wollten in diesen Club, sie wollten an die Wärme, auf die Toilette, ein Bier trinken, schöne Frauen tanzen sehen, und mit jeder Minute verringerte sich die Zuversicht, ihn hineinzubringen, und die Lust, für einen, den sie kaum kannten, irgendwelche Mühen auf sich zu nehmen. Bald würde er in einem Taxi sitzen, dachte er, sie würden wahrscheinlich zusammenlegen und ihm den Fahrtpreis zahlen, dann hätten sie auch kein schlechtes Gewissen.

 

der Türsteher schaut dir in die Augen er ist Albaner er sagt kein Wort und du weisst er würde Deutsch sprechen mit dir obwohl er gemerkt hat dass auch du Albaner bist du fragst dich manchmal warum deine Eltern dich ausgerechnet Lirifitaj getauft haben und nicht wenigstens Betim was ja auch albanisch klingt aber nicht so abgespaced wie Lirifitaj natürlich könntest du weniger albanisch aussehen wenn du möchtest den Kinnbart abrasieren kein Gel in die Haare andere Kleider du könntest wahrscheinlich deinen Namen ändern lassen die würden Augen machen ich möchte nicht mehr Lirifitaj heissen ich werde bei der Stellensuche benachteiligt aber immerhin bist du Albaner und du hast es dir auch nicht selbst ausgewählt hier geboren zu werden also Scheiss drauf du kleidest dich wie ein Albaner und trägst einen Kinnbart wie einen Albaner und Lirifitaj heisst du auch übrigens geht es dir besser als deinen Cousins besser hier als im Kosovo tausendmal lieber hier als im Kosovo eigentlich musst du dankbar sein und jetzt kommst du in den Club rein und der Türsteher schaut dich zwar schief an aber du hast das Ticket aus dem Vorverkauf und so weit sind wir noch nicht dass du im Vorverkauf deinen Namen angeben musst und wenn du Albaner bist heisst es ausverkauft

 

du wartest an der Garderobe. Vor dir streitet sich ein Schwarzer mit zwei weissen Mädchen. Er spricht Englisch mit afrikanischem Akzent, sie Zürichdeutsch. Er sagt etwas, das du nicht hören kannst, und dasjenige der Mädchen, das näher bei ihm steht, antwortet: «La ois in Rue Mann» und fügt hinzu: «Du stinksch.» Du schnupperst. Ein Hauch von Schweiss geht von ihm aus, aber es ist für deine Nase zu wenig, um Stinken genannt zu werden. Der Afrikaner wird erst recht wütend. «I stink, huh?», sagt er. « I stink? This country is fucking shit. Switzerland is the most racist country in Europe.» Er merkt, dass du ihm zuhörst, wendet sich zu dir und sagt: «I am European. I have been everywhere in Europe. I am a resident. Switzerland is the most racist country.» Du siehst die verwundbare Stelle in seiner Argumentation. Es hätte für ihn genügt, zu sagen, die Schweiz sei rassistisch. Das wäre schlimm genug gewesen, und es hätte wahrscheinlich gestimmt, denn wahrscheinlich ist dieses Land rassistisch, und antisemitisch wahrscheinlich auch. Du bist erzogen worden, Menschen mit dunkler Hautfarbe für bestenfalls halbhuman zu halten und Juden für verwöhnt und unausstehlich, und wahrscheinlich viele andere deines Alters auch, und die meisten von euch haben es nicht einmal gemerkt. Du hättest ihm also zugestimmt. Aber zu sagen, die Schweiz sei das rassistischste Land in Europa, das ist eine wilde Behauptung, das ist unmöglich zu verteidigen, und überdies wäre damit wenig gewonnen, denn wenn die Schweiz rassistisch ist, was spielt es noch für eine Rolle, ob andere Länder, die auch rassistisch sind, es ein bisschen mehr sind oder ein bisschen weniger. Du hast also die verwundbare Stelle gesehen. Du greifst sie an. «I think Italy and Greece are more racist», sagst du. Aber er geht nicht darauf ein. «This is the most racist contry in Europe», sagt er. «I am a writer. I have been everywhere in Europe.» Er kriegt jetzt seine Jacke, sagt laut etwas von «pussies», alle um ihn zucken zusammen, als er das P ausspricht wie einen Peitschenknall. Er geht. Du wirst später denken: Warum habe ich ihm nicht gesagt: «If you don’t like it, you can leave

 

«Das isch mini Lounge», sagte Francesco Quirici, und Yannick Hunziker entgegnete: «Okay. Gratuliere», und trat von der Bühne, auf der sich die Lounge befand, zurück auf die Tanzfläche. Er hatte die Bühne, wohlgemerkt den Rand der Bühne, nur betreten, um kurz nach seinen Freunden Ausschau zu halten, und fand, der Besitzer der Lounge hätte das merken und ihn gewähren lassen können, aber er war nun einmal der Besitzer, und wollte er jemanden wegweisen aus seiner Lounge, so hatte er das Recht dazu. Eigentlich, dachte Yannick, hätte ich souveräner reagieren können. Zum Beispiel Alex hätte gelächelt und gesagt: «Oh, Tschuldigung», und er wäre seiner Wege gegangen. Yannicks Vater hatte ihm einmal eine Anekdote erzählt, bei der es um etwas Ähnliches ging, und diese Anekdote gipfelte in einem arabischen Sprichwort: «Der Hund bellt, die Karawane zieht weiter.» Alex zog weiter, wenn der Hunde bellte. Eigentlich, dachte Yannick, ist er ja eine arme Sau, jetzt hat er für teures Geld eine Lounge gemietet, ich stelle mir vor, er arbeitet zum Beispiel in einem Swisscomshop oder auch in einer Fabrik, eine Lounge mit Grey-Goose-Vodka und Dom-Pérignon-Champagner, und nun steht er da und muss den ganzen Abend Leute verscheuchen. Die Lounge! Der Höhepunkt seines Monats! Und dabei stresst sie ihn nur, seine Lounge. Eben. Alex hätte das vielleicht auch gedacht, oder vielleicht nicht mal das, er hätte sich jedenfalls nicht angegriffen gefühlt, nicht erniedrigt. Er hätte nicht gedacht: Der hat eine Lounge, ich hab keine. Heute Abend sind zwei Single-Frauen in unserer Gruppe, sie kannten Alex beide vorher nicht, und beide haben sich erkundigt, ob er noch zu haben sei. Er ist einer der weniger Männer, die ich kenne, die auf so gut wie alle Frauen anziehend wirken. Ich kann mich ja glücklich schätzen, dass es nur so wenige sind, da falle ich nicht so sehr ab. Andererseits absorbieren diese paar wenigen die Hälfte aller Frauen. Wird es immer so sein? Wird es für mich immer Arbeit bedeuten, eine Frau zu kriegen, wird es mich immer das Vielfache dessen kosten an Energie, was Alex dafür aufbringt? Gut, andere sitzen im Rollstuhl, sind blind, sind kastenlose Latrinenreiniger in Indien. Ich könnte es schlechter getroffen haben. Und irgendeinmal sterben wir sowieso alle. Aber Alex wird dann mit einem Lächeln auf sein Leben zurückblicken, und ich bestenfalls mit einem Seufzen.

 

du hast nur gegen die Flasche getreten. Es ist alles in Ordnung, es war nur Spass. Worüber diskutieren die Security-Leute mit dem Typen? Du hast gegen die Flasche getreten, sie hat ihn irgendwo irgendwie getroffen, aber es war nur Spass. Du lächelst. Du tanzt. Sie sollten alle mehr trinken. Sie sind alle viel zu wenig betrunken. Sie verlieren die Nerven. Sie hätten es alle so machen sollen wie du. Ruhig bleiben. Das Leben ist ganz einfach. Du drehst dich einmal um die eigene Achse und streckst die Arme in die Luft und hoppla da hat dich eine ein bisschen gestützt, die ist jetzt grade richtig gekommen, du legst ihr die Hand auf die Schulter, um dich zu bedanken, sie macht sich los und dreht dir den Rücken zu, wahrscheinlich hat sie nicht verstanden. Ob du zu ihr hingehst und dich bedankst? Aber es ist grad so schön hier, wo du am Tanzen bist, du bist grad so im Fluss. Da kommt einer der Security-Typen. Er fasst dich am Arm und sagt dir was und du verstehst überhaupt nicht was, aber es ist alles in Ordnung, gleich werden sie verstehen, es ist die beste Nacht deines Lebens, sie wird ewig weitergehen, demnächst bist du wahrscheinlich wieder fit für einen Whisky Cola, bis dahin ein bisschen weitertanzen

 

Sechsunddreissig Franken fünfundvierzig Rappen. Das rechnete sich folgendermassen: Siebenundzwanzig Franken mal einskommafünf, weil Nachtarbeit, mal nullkommaneun, weil Sozialabgaben. Sechs Stunden Schicht, zweihundertzwanzig Franken. Emina Haydaragic roch an ihren Gummihandschuhen. Mädchenstimmen drangen an ihr Ohr, sie verstand nicht gut, immer noch nicht, wahrscheinlich nie, aber was machte das schon. Sie war jetzt fünfzehn Jahre in diesem Land, und es würde auch noch fünfzehn weitere Jahre klappen, und dann wäre sie pensioniert. «Sie isch so peinlich.» Peinlich. Was hiess nochmal peinlich? Wer war peinlich und warum? Was diese Mädchen übereinander zu reden hatten. Was man überhaupt alles übereinander zu reden hatte mit zwanzig. Emina fragte sich, was die jungen Frauen von ihr dachten, ob sie sich bewusst waren, dass sie selbst auch einmal zwanzig Jahre alt gewesen war. Heute tanzten bestimmt auch Bosnierinnen hier. Aber die waren in der Schweiz aufgewachsen und hatten wahrscheinlich überhaupt keine Vorstellung davon, wie das Leben in Bosnien in den Achtzigerjahren ausgesehen hatte, sie kannten Bosnien sowieso nur von den Ferien. Bosnien war für sie ein Dorf im Niemandsland, zerstört vom Krieg und nie wieder aufgebaut, wo die Menschen einander aus unverständlichen Gründen auf den Tod hassten und wo man nur etwas werden konnte, wenn man Eltern, Grosseltern oder einen Onkel hatte, die etwas waren.

Emina fragte sich auch, ob die jungen Frauen wirklich so oft, gut und gern im Bett waren, wie sie aussahen. Wenn sie ihre nackten Schenkel und Schultern betrachtete, ihre Haare, ertränkt im Parfum, die Schminke um ihre Augen und den Lippenstift, konnte sie sich des Gedankens nicht erwehren, dass sie Huren glichen, denn ihr Äusseres versprach etwas, das sich niemals erfüllte. Zlatan, der erste Mann, mit dem Emina geschlafen hatte, hatte ihr gesagt, etwas vom Wichtigsten, vielleicht das Wichtigste überhaupt an einer Frau sei ihr Geruch. Aber diese Frauen wollten nicht riechen. Sie besprühen sich mit Nuttenparfum, um nicht zu riechen. Sie rochen nach goldenem Dolce-Gabbana-Zeug, nach Kaugummi und nach billigen H&M-Stoffen, und sie verpassten es, nach Frau zu riechen. Emina wusste, dass sie sich die Schamhaare rasierten. Sie stellte sich vor, dass eine Frau ohne Schamhaare wie eine Barbypuppe aussah. Zlatan hätte sich keine Sekunde für die Mädchen im Club interessiert.

 

Der Zug kommt zum Stehen. Sie drückt auf den Knopf, die Tür öffnet sich, die Kälte der Nacht schlägt ihnen entgegen.

Sie sagt: «Als ich auf diesem Sofa sass, habe ich plötzlich gemerkt, dass ich doch Kinder möchte.»

«Auf welchem Sofa?»

«Im Club. Weisst du, warum?»

«Warum?»

«Kinder können dir als einzige bedingungslose Liebe schenken.»

«Hm.»

«Das hat mir meine Mutter mal gesagt, und ich glaube, jetzt habe ich es endlich verstanden.»

Sie gehen dem Ende des Perrons entgegen.

«Ich habe Angst, zu vereinsamen», sagt sie. «Aber wenn ich Kinder habe, wird das nie passieren. Es müssen nicht meine eigenen Kinder sein. Ich kann auch welche adoptieren.»

Sie steigen die Treppe hoch zu den Fahrrädern.

«Oder wie René», sagt sie. «Ich könnte auch Stiefkinder haben. Es ist egal wie. Einfach Kinder. Kinder geben dir bedingungslose Liebe, und Liebe ist das Wichtigste überhaupt.»

«Setz dich auf den Gepäckträger», sagt er. Sie nimmt Platz, hält sich an seinem Mantel fest, sie fahren los in die Nacht.

 

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