David gegen Goliath – Jean-Marc Vallées «Dallas Buyers Club»

1980er Jahre, Texas. Der Womanizer Ron (Matthew McConaughey) wird ins Krankenhaus eingeliefert. Die ernüchternde Diagnose: er hat noch genau dreissig Tage zu leben. Doch Ron glaubt nicht daran – schliesslich erkranken nur Schwule an AIDS, so seine Meinung. Doch er bildet sich weiter, geht in die Bibliothek – und versteht. Da er im Spital keine guten Medikamente findet, holt er sich diese prompt in Mexiko – und verkauft sie zusammen mit dem Transsexuellen Rayon (Jared Leto), den er im Spital kennengelernt hat, weiter. So ist der Dallas Buyers Club entstanden, in dem er in den USA von der FDA (Food and Drug Administration) nicht genehmigte Medikamente unter die Leute bringt.

Rayon und Ron, zwei ungleiche Freunde. (Bild: zVg)

Rayon und Ron, zwei ungleiche Freunde. (Bild: zVg)

Filme, die angeblich auf wahren Geschichten basieren, sind im Grunde genommen fast immer reine Genrefilme – so auch «Dallas Buyers Club» oder  zuletzt ein anderer Oscar-Favorit, «American Hustle». Gerade die angebliche Authentizität ist es, die ein breites Publikum in die Arme dieser typischen Hollywood-Produkte treibt. Wenn nun also an andere Stelle bemängelt wurde, der Film sei in seiner Figurenzeichung zu klischiert, dann ist das im Grunde genommen nicht eine wirkliche Kritik, sondern eher eine Auszeichnung. Vielmehr muss man fragen: funktioniert der Film? Und das tut er auf jeden Fall.

In «Oh Boy» gab es eine witzige Szene, in der die Hauptfigur auf dem Set fragt, ob denn die Holocaust-Schmonzette, die gerade gedreht wird,  auf einer wahren Geschichte basiere – hoffentlich. «Na klar, Zweiter Weltkrieg und so», ist die lakonische Antwort. Das ist eben im Grunde genommen der Unterschied zwischen einem Independent-Film wie «Oh Boy» und einer Mainstream-Kiste wie «Dallas Buyers Club»: ein Film wie «Oh Boy»  kann die behauptete Authentizität reflektieren – die eigene und die  von anderen Filmen. In einem Hollywood-Streifen wie «Dallas Buyers Club» oder «American Hustle»  ist dies ausgeschlossen. Was nicht heisst, dass es sich bei Jean-Marc Vallées neuem Film um einen schlechten Film handelt. Im Gegenteil. Es herrschen hier aber nun eben andere Regeln als im Arthaus-Kino.

Sicherlich ist es gut, wenn wir diese Filme cum grano salis lesen. Ist die Geschichte von Ron und Rayon wirklich überzeugend? Wie nahe an der Realität ist das wirklich? Doch der Film vermag zu unterhalten und teilweise auch zu berühren, und deshalb weiss er letztlich eben doch zu überzeugen – natürlich auf eine ganz andere Art als «Oh Boy» oder «Frances Ha» (um wieder zu zwei auch an dieser Stelle gefeierten Favoriten zurückzukommen). Wer also eher auf Indie-Streifen steht, sollte sich eher Jean-Marc Vallées früheren Film «C.R.A.Z.Y.» ansehen – oder aktuell Alexander Paynes «Nebraska».

«Dallas Buyers Club». USA 2013. Regie: Jean-Marc Vallée.  Mit Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Jared Leto, Denis O’Hare, Steve Zahn u.a. Deutschschweizer Kinostart: 20.2.2014.


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