Held oder Schuft, das ist hier die Frage – Jaume Collet-Serras «Non-Stop»

Bill Marks (Liam Neeson) ist US Air Marshall und hat den Auftrag, einen Flug aus den USA nach London vor Unheil jeglicher Art zu bewahren. Da erreichen ihn via Smartphone dreiste Erpressungsversuche: er soll eine bestimmte Summe auf ein Schweizer Bankkonto überweisen, ansonsten stirbt ein Passagier.

LIam Neeson bestellt eine Pizza. (Bild: zVg)

LIam Neeson bestellt eine Pizza. (Bild: zVg)

Es ist schwierig, über «Non-Stop» zu schreiben, ohne alles zu verraten. Fragen wir also ganz unschuldig: ist Bill Marks schizophren? Ist er es selbst, der sich erpresst? Oder fragen wir anders: ist Edward Snowden schizophren? Schadet er nicht sich selbst, wenn er den USA schadet? Wer ist der echte Patriot? Tappt der echte Patriot im Dunklen wie Marks, während Snowden und Konsorten die USA blossstellen wollen? Ist der wahre Feind nicht der freundliche muslimische Arzt und Forscher, sondern etwa ein harmloser weisser Durchschnittsamerikaner à la Snowden?

Jaume Collet-Serra arbeitet mit «Non-Stop» bereits zum zweiten Mal mit Liam Neeson zusammen. «Unknown Identity» aus dem Jahre 2011 war zudem auch eine Joel-Silver-Produktion. Der katalanische Regisseur Collet-Serra ist ein Spezialist für Genrefilme, ebenso der US-Produzent Joel Silver. Nun ist «Non-Stop» sicher nicht ein sonderlich spannender Actionfilm bzw. Thriller, aber durch die Ungewissheit, wer denn nun hinter den Kulissen das Schicksal des Flugs bestimmt, bleibt der Film doch bis zum Schluss interessant. Zudem ist der Film mit Liam Neeson und Julianne Moore sowie vielen anderen Talenten gut besetzt. Wer von einem Film wie «Non-Stop» Subversion erwartet, sitzt dabei natürlich im falschen Film. Nicht die Schizophrenie der US-Politik an sich, sondern vielmehr die Subversion von innen (von Menschen wie Snowden) wird hier ziemlich deutlich angeprangert.

Man mag ja von Ron-Paul-Wähler Snowden halten was man will – aber es ist doch unklar, ob er den USA nicht eher schadet, da seine Umtriebe ja nicht zu mehr Transparenz führen. Vielleicht ist der Schreibende hier aber bereits auf die propagandistische Botschaft des Films hereingefallen … andererseits sieht man in jedem Film ja gerade das, was man sehen will. In einem Thriller wie «Non-Stop» vielleicht noch mehr als etwa in einem Arthaus-Streifen. Bezeichnenderweise handelt es sich sich um eine amerikanisch-französische Koproduktion handelt: unter François Hollande ist es, wie die NZZ berichtet, zu einer deutlichen Annäherung zwischen den zwei Staaten gekommen. Dazu kommen noch die starken historischen Bande zwischen den Ländern – es ist ja kein Zufall, dass die Freiheitsstatue aus Frankreich stammt.

Doch zurück zum Film: natürlich ist das alles völlig unglaubwürdig. Das Drehbuch von John W. Richardson, Christopher Roach und Ryan Engle könnte zweifellos besser sein. Muss es aber auch nicht: seinen Zweck tut der Film nämlich auch so – vielleicht muss er auch so sein, wie er ist: schliesslich ist es eben nur ein Film… die Realität ist eben doch etwas komplexer, egal, ob es um Snowden geht oder um vermeintliche Terroristen. In einer Nebenrolle ist übrigens die soeben mit einem Oscar ausgezeichnete mexikanisch-kenyanische Schauspielerin Lupita Nyong’o zu sehen.

«Non-Stop».  USA/Frankreich 2014. Regie: Jaume Collet-Serra. Mit Liam Neeson, Julianne Moore, Michelle Dockery, Lupita Nyong’o, Omar Metwally, Tom Bowen u.a. Deutschschweizer Kinostart: 13.3.2014.

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