gesichtet #64: Unter der Dreirosenbrücke

Von Michel Schultheiss

Bestimmte Winkel Basels werden selten aufgesucht. Es sind quasi die Ritzen der Stadt, die sich nicht in ein Schema zwängen lassen und oft ein wenig verlassen und schmuddelig bleiben. Schon mehrere solche Orte, etwa die trostlose Schlachthof-Gegend oder die finstere Fussgängerpassage des Theatergässleins, wurden hier schon präsentiert. Während beispielsweise das verruchte Steinenbachgässlein einiges geschniegelter als früher daherkommt und vermehrt von Kunstliebhabern entdeckt wird, wie das aus dem einen oder anderen in letzter Zeit veröffentlichten Beitrag hervorgeht, werden andere Ecken nicht so leicht salonfähig. Im St. Johann gibt es mehrere solche Flecken wie beispielsweise das hier bereits vorgestellte Mülhauserweglein.

Dreirosenbrücke-Graffiti

Eine versteckte Graffiti- und Street-Art-Meile (Foto: smi).

Eine weitere «malerische» Ecke befindet sich nicht weit davon entfernt: Der Uferabschnitt unter der Dreirosenbrücke auf der Grossbasler Rheinseite. Gleich am Fusse des mächtigen Rhypark-Wohnblocks führt eine steile Treppe zu diesem unbelebten Ort. Einladend ist er gar nicht – schon der Gestank dürfte einen manchen Ankömmling in die Flucht schlagen. Trotzdem müssen es hin und wieder ein paar Leute dort unten ausgehalten haben: Glasscherben von Bierflaschen zeugen von Trinkgelagen unter der Brücke. Aus unerfindlichen Gründen hat es auch ein verlorenes Bügeleisen an diesen Ort geschafft. Zudem zeugen zahlreiche Graffiti und Stencils und menschlicher Präsenz.

Dreirosenbrücke-Bügeleisen

Nur ein Bügeleisen bewohnt zurzeit diesen Ort (Foto: smi).

Einst knüpfte diese verborgene «Strassengalerie» an ein Hafengelände an. Nun aber ist von dort aus eine grosse Baustelle zu sehen: Für das Projekt «Campus plus» sind die Arbeiten voll im Gange. Beim ehemaligen Hafen St. Johann wird das Areal der Novartis erweitert. Somit bildet dieser Winkel quasi die Grenze vom «alten» zum neuen St. Johann: Auf der einen Seite der Brücke das Wohnquartier, auf der anderen die abgeriegelte Zone des Grossunternehmens. Nebst dem Campus soll auch eine Rheinuferpromenade, welche am Campus entlang vom St. Johanns-Park bis nach Huningue führen wird, entstehen. Dieser neue Weg dürfte dann auch diese versteckte Graffiti-Meile durchqueren. Wie wird wohl dieser Ort aussehen, wenn dereinst unter der Brücke diese beiden Welten aufeinanderprallen werden?

Dreirosenbrücke-und-Campus

Blick auf die Baustelle des «Campus plus» (Foto: smi).

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