gesichtet #73: Die Schaufenster-Pracht an der Hammerstrasse

Von Michel Schultheiss

Plastikpuppen befinden sich in bester Gesellschaft von Dekor-Schwänen, Kerzenständern, Smartphone-Etuis und einer verdorrten Zimmerpflanze: Punkto originelle Schaufensterauslagen kann dieser Quartierladen punkten:

Horburgladen-Puppen-und-Sch

Foto: smi

Der «Horburg Market» an der Hammerstrasse in Basel könnte mit dem buntgemischten Vitrinen-Inhalt gut in der gleichen Liga wie der legendäre Software-Laden an der Feldbergstrasse oder die frühere chinesische Reiseagentur spielen. Die Vielfalt macht’s aus: Bis vor ein paar Jahren waren die Schaufenster mit Dosenbier und Lesebrillen geschmückt:

Lesebrille und Bier

Foto: smi

Später wurde das Feldschlösschen durch seine Billigvariante Ankerbier, das beliebte Gebräu für illegale Partys und Claraplatz-Sitzbänke, ersetzt. Zudem wurde die angesprochene Altersgruppe gewechselt: Die Lesebrillen wichen Schachteln mit Spielpuppen:

Horburgladen-Bier-und-Puppe

Foto: smi

In manchen Strassen finden sich Geschäfte, die aus der Reihe tanzen. Die Hammerstrasse ist so eine Gegend. Geht man vom besagten Quartierladen, gleich bei der Mündung in die Horburgstrasse, ein paar Meter weiter, so kommen weitere interessante Geschäfte zum Vorschein: Ein gewisser «Ege Verein», in den man nicht hineinsieht, versteckt sich dort hinter den Vorhängen. Früher waren die Gardinen auch schon zugezogen, doch auf der Scheibe war «Günstig ins Ausland telefonieren» zu lesen.

Beim nächsten «Laden» ist nicht mal eine Aufschrift zu sehen. Ob sich hinter der Vitrine überhaupt ein Geschäft befindet, ist auch nicht klar: Plastik-Ponys und verbliebener Osterschmuck zieren die Schaufenster. Weiter geht’s zum Imbiss-Geschäft «Taste me». Gleich gegenüber wird nicht auf kulinarische, sondern sonstige Bedürfnisse eingegangen: Ein «Laden» namens «Oasis» mit Sauna, Pool, Bar und Wellness wirbt mit bunten Schaufenstern hinter einer Rabatte mit Rosen.

Plastikpferde-bearbeitet

Ist das überhaupt ein Laden? Ein weiteres Beispiel der Schaufensterpracht, welche die Hammerstrasse vorzuweisen hat (Foto: smi).

Weiter vorne treffen sich so manche Leute zum Plaudern auf dem beliebten Hammerplätzli, von dem hier schon mal die Rede war: Vor der «AC Milan Bar» herrscht immer geselliges Treiben, was dem Platz ein südländisches Ambiente verleiht. Gleich daneben ist auch der «Foto Özlem» mit den üppigen Hochzeitsfotos zu sehen. Weiter hinten kreuzt sich die Hammerstrasse schliesslich mit der Feldbergstrasse, wo der kleine Waschsalon wartet, der übrigens in der Zwischenzeit ein neues Plakat hat, das nicht mehr vor Hand beschriftet und mit Collagen versehen ist.

Natürlich gibt’s noch weitere «Hammer-Läden». Manche von ihnen wechseln oft ihre Pächter und somit auch die Schaufensterauslagen. Auch wenn die Pflanze beim Quartierladen an der Ecke Horburgstrasse weiter vor sich hin dorrt und die Tauben dem Laden ziemlich zusetzt, liegen die Puppen schon eine Weile dort. Wie bei einem Adventskalender darf man gespannt sein, was als Nächstes hinter die Glasscheiben kommt.

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An der Ecke zur Horburgstrasse fühlen sich die Tauben wohl… (Foto: smi).


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