Alan Turing Reloaded – Morten Tyldums «The Imitation Game»

Morten Tyldum legt mit «The Imitation Game» ein gut gemachtes Biopic über den berühmten Enigma-Dekodierer Alan Turing vor. Auch wenn hier Turing im Zentrum steht: es handelt sich eher um ein von historischen Ereignissen inspiriertes Werk, bei dem nicht die Nähe zur Geschichte im Zentrum steht.

Alan Turing ist ein genialer Mathematiker – und Aussenseiter. Deshalb findet er sich auch unter den Kollegen in Bletchley Park nicht zurecht. Zusammen sollen sie die kodierten Botschaften des deutschen Gegners entschlüsseln. Doch Alan verfolgt seine eigenen Pläne… Auch seine Sexualität entspricht nicht der Norm. Deshalb heiratet er – weil er seine Homosexualität nicht leben darf – die einzige weibliche Kollegin. Zumindest in beruflicher Hinsicht geht sein Plan auf – durch einen Hinweis über wiederkehrende Elemente in den kodierten Botschaften kommt Alan dem Mysterium Enigma (so der Name der deutschen Verschlüsselungsmaschine) auf die Spur. Jahre später lebt Alan allein. Eine heterosexuelle Ehe war für ihn nie eine wirkliche Option – und nun wurde bei ihm eingebrochen. Alan behauptet aber, es sei gar nichts geschehen. Die Polizei wittert hier eine heisse Spur…

Teamwork - oder ein Genie gegen alle? (Bild: zVg)

Teamwork – oder ein Genie gegen alle? (Bild: zVg)

Alan Turings Leben war tragisch: ein brillanter Wissenschaftler, dessen Homosexualität aber nicht in die Zeit passte und der sich am Schluss gar chemisch kastrieren lassen musste, um so einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Im Film «Enigma» (2001) war Alan Turing deshalb überhaupt nicht dabei – der beste Beweis, dass nichts so wenig mit der Geschichte zu tun hat wie Mainstreamfilme, die auf historischen Ereignissen basieren. Auch Morten Tyldums Film «The Imitation Game», in dem ein fiktionalisierter und von Benedict Cumberbatch dargestellter Alan Turing ganz im, Zentrum steht, hat eigentlich nur wenig mit den wirklichen Ereignissen zu tun – obwohl er viele Themen anspricht, die für Turings Leben prägend waren. Als Kind wird er gar von anderen Kindern antisemitisch angepöbelt – ein Hinweis vielleicht darauf, dass es Antisemitismus nicht nur in Deutschland gab.

«The Imitation Game» ist also zwar ein Mainstreamfilm, der aber durchaus engagiert sein will – was aber natürlich nicht heisst, dass er Turing und seine Geschichte historisch korrekt darstellt (siehe Link unten). Interessant ist in diesem Zusammenhang, das Turing im Film erst durch eine  zufälligen Hinweis die Lösung des Problems findet – das Auftauchen von bestimmten bekannten Sequenzen. Das erinnert sehr an Ventris‘ Entzifferung von Linear B – und dies, obwohl Turing die Linguisten im Team feuern wollte! Aber das ist vielleicht alles nur Legende. Morten Tyldum hat ja vor seinem aktuellen Film mit «Headhunters» Jo Nesboe verfilmt – und in seinem Erstling «Buddy» hat er (u.a.) ebenfalls einen Sonderling dargestellt. An der Geschichte an sich ist der norwegische Regisseur aber wohl eher nicht interessiert. Und auch die Turing Machine (auch bekannt als «Eastern Goddess») selbst – immerhin Vorläuferin auch des Computers, auf dem dieser Artikel geschrieben und gelesen wird – spielt nur eine Nebenrolle. Hier liegt möglicherweise noch viel Stoff für weitere Filme brach…

«The Imitation Game».  UK/USA 2014. Regie: Morten Tyldum.  Mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Rory Kinnear, Allen Leech u.a. Deutschschweizer Kinostart: 22.1.2015.

Externer Link: http://www.dyversemusic.com/2014/11/the-deification-game-stretchers-and.html


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