«Jemand» – Novellen von Gregor Szyndler

Motorsaege10469

 

Achtzehn Novellen. Achtzehnmal «Jemand». Achtzehn Personen? Achtzehn Geschichten? Oder bloss eine? – Ausschnitte aus der «Motorsägennovelle».

von Gregor Szyndler

«Le son de leurs voix ressemble au silence.»
Patrick Pelloux: «Histoire d’urgences» 

Vorwort

Ich kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Meistens nicht einmal an einem. Sehr aber wohl gibt es meinen Ort. Wie alle Welt, wie alle Welt ist er sprâche. Die Welt ist kein Scheisshaus, nicht? Lehrt loszulassen. Ich reiss mir den Boden im Lauf unter den Füssen weg, leg ihn unter meinen Rücken, und gut ist. Der Gedanke: Ich bin nicht nirgendwo. Ich bin nirgendwo nichts. Ich stelle mich den Schlägen. Ich tauch drunter weg. Ich trage Nähen wie Distanzen mit mir rum. Ich nehme alle Formen wie Nichts in mich auf. Zeit herzustellen. Kürzer kann ich dieses Reissen nicht umschreiben. 

Kapitel I 

Eine abfallende Grasnarbe, senkrecht über See. Eine Sitzkuhle. Sich hinsetzen: sich hingesetzt. Gekaut. Gegessen. Das Essen schmeckte nach Staub und Staub, nach Staub und nach Staub und nach Säure. Es knirschte zwischen den Zähnen. Würgen. Brechen. Man isst, was auf dem Tisch ist. Was auf dem Tisch ist, ist. Man isst, was man isst. Man wird, was man ass. Man verdaut, was man war.
Die See war der Tisch, fünfzehn Meter unten, brüllend, rollend, ein fern-nahes Brüllen und Rollen. Kauen, Kauen, und zwischen Kauen und Kauen Staub und Staub, und zwischen Staub und Staub Säure und Sand. Ein Knirschen bis hinab in die Zehen. Ein Schlucken hoch hinauf bis zum Mond.
Aufstehen den nächsten Morgen, die Sitzkuhle verlassen, mitternachtssonnenwärts. Drei Meter schräg unten ging es fünfzehn Meter runter. Der Abhang war rutschig. Das war der Tau.
Das war damals. Heute ist es nicht mehr. Es ist anders heute. Heute ist es anders. Zweimal und nie wieder. Ein drittes Mal nicht ohne mich. Näher bin ich diesem Gefühl nie gekommen: nicht dass noch dass überhaupt. 

Kapitel II

Sie bahnte sich den Weg durch Lautsprecherdurchsagen. Sie setzte sich in den Zug.
«Are you finish?» – Der Kellner zeigte auf den Kaffeebecher. «Finish?»
«No», antwortete sie, «I am Swiss!»
Der Kellner lachte.
«Sorry?»
«It means nothing. Nothing. It means nothing at all. I am going back home.»
«More coffee?»
«No.»
«Sure?»
«Pretty.»
«Yes. You are.»
Er schenkte ihr nach. Sie winkte ab. Er nickte. Sie wollte bezahlen. Er winkte ab. Er ging ab. Sie nahm den Schnabeldeckel vom Pappbecher ab. Da waren Böen. Sie wummsten gegen das Fenster. Da war Regen. Es regnete Bindfäden. Böen zerknäuelten Bindfadenregen. Böen schleuderten Bindfadenregenknäuel gegen Fenster. Draussen floss Regen von Fenstern, flächig und sogleich vom Fahrtwind zerkämmt. Es regnete und regnete, und in diesem Regen und Regnen sah sie noch einmal, halb gespiegelt, ein Gesicht.

Kapitel III

Jemand ging zum Stoffcontainer. Jemand las. Jemand fluchte. Jemand heulte. Jemand lachte. Jemand hämmerte. Jemand schnarchte. Jemand fotografierte. Jemand telefonierte. Jemand schaltete an. Jemand schaltete ab. Jemand sprang von einer Brücke. Jemand hasste. Jemand hastete. Jemand rastete. Jemand liebte. Jemand betete. Jemand bettete das Bett. Jemand legte sich in das gebettete Bett. Jemand starb. Jemand stand. Jemand sang. Jemand reparierte Notausgangsleuchten. Jemand vergass. Jemand erinnerte. Jemand sagte Kälteeinbruch. Jemand legte ein Kind in einen Betonmischer.

Kapitel IV

Soremäwimö, um Sommer- und Wintersonnenwende herum, kam er hierher. Das hielt sich in der Nähe von gewissen Daten, und es gab der ganzen Sache einen gestirnsmässigen Anstrich. Eines Tages hatte er nicht mehr entscheiden können, war es ein Jubeltag oder war es ein Trauertag. So regelmässig wie möglich schlug er sein Zelt im Garten auf. Im Winter brach er ein. Im Parterrefenster war ein Loch. Auch in der Wand dahinter war ein Loch. Auf dem Boden gleich beim Fenster waren Flecken. Auf dem Boden gleich beim Fenster war eine weisse Umrisslinie. Ums Haus herum war Wald. Einmal war Leben im Haus. Das waren Halbstarke. Da waren Mülltüten auf der Veranda. Da war Spaltholz. Da war ein Sägebock. Da waren Sonne oder Mond, je nach Jahreszeit.

Kapitel V

Ein Car mit einem Hochzeitspaar. Es öffnete ein Fenster. Es warf Bonbons. Die Kinder sammelten die Bonbons. Die Männer strahlten. Der eine Mann warf Kusshände.
«Hürate isch schwul», rief das eine von den Kindern.
«Hey, pssssscht!», rief das eine von den anderen Kindern. «Das isch doch dä Turnlehrer Meyer!»
«Voll krassizistisch!», murmelte eins der anderen Kinder, und dann, leiser: «Verpeilomatus Schwachmatikus! Hirnamputissimus deppikus maximus hohli Nuss hetnschuss!», und so weiter, und dann, lauter: «Adjöö, Härr Meyer! En schöne Haaniimuuuuun, Härr Meyer!»
«Müend ihr nöd irgendwo si?»
«Sie hüratet doch!»
«Ich hanen Stevau!»
«Stevau?!»
«En Schtellverträter!»
Der Car fuhr weg. Die Kinder spielten Fussball mit gelben und mit roten Stoffbeuteln. Sie verschwanden im Rosenfeldpark.
«Woher kännsch du so viil Wörter?»
«Si falled mer ii. Und dä Rescht erfindi!»
Die Kinder lachten, als sie die Strasse überquerten, an mir vorbei und die Sevogel hinunter.

Kapitel VI 

Eine Wüste, gewölbt wie ein See, ansteigend hin zu den Rändern. Aufm Grund der Senke ein Ruderboot, die Ruderblätter im Sand. Im Halbschatten zwischen Ruderbank und Kiel ein Ruderer, Ruder in Händen. Zum Ruderboot hin eine Furche, beidseits flankiert von Mulden. Sie waren vom Ruderer beim Rudern mit den Rudern in den Sand gerudert worden. Der Ruderer ruderte, und das Prasseln von Sand und Gestein war das Plätschern des Sees unter seinen Ruderschlägen. Er ruderte, bis der See sich änderte, schlaflos in traumvergessener Nacht. Ein Eisberg näherte sich. Auf der Spitze des Eisbergs ein Mann: Weil ich zu oft das Bild vom Eisberg bemühte, muss ich hier sein. Wer mich retten will, steuert mich an; jauchzend geht er zuschanden. Das Verborgene des Eisbergs zerreisst das Boot. Sie unterscheiden nicht Streichung von Unterlassung. Schaffensromantiker. Machbarkeitsfanatiker. Gelingensneurotiker. Diplomkurs-Absolventen. Werkagnostiker. Leistungsanarchisten. Selbstaussteiger. Sitzmuskelprotze. Erlebnisfetischisten. Tagebüchene Bibliothekare. Vergessliche Plagöris. Ich –. So viel Galle: Wie kommt’s, fragte der Ruderer. Ich schrieb ein Buch mit siebenundvierzig Enden. Die Beklopptokratin von der «New York Times» schrieb, mein Werk habe durch die siebenundvierzig Enden «inspired frustrated novelists ever since». Dabei sollte es heissen: «frustrated inspired novellists ever since»! Ei: warum so? Wenn harte Arbeit und Systematik, Handwerk und Mundwerk Aug in Aug mit Inspiration stehn, warum sollte es schrecken? Weil ich es sage, und weil ich sage, Kunst kommt von Selbstausbeutung. Davon, und von Verkackokratie. Der Mann im Eisberg verstummte. Der Ruderer sprang ins Wasser. Man wird sich denken, wo er erwachte.

Kapitel VII

«Lass das!», rief er.
«Ja. Ja. Ja.»
Sie entleerte die Kelle überm böllernden Steineofen. Es verschlug ihm den Atem.
«Wegen Petoskey?»
«Nein. Nein. Nein!»
Das Gesicht, die Blicke, die Haut, die Augenringe, die Schatten unschlafbaren Schlafes, das Feuer stumpf flackernder Äugelchen, ein Fieber, immun gegen alle Antibiotika.
«Wird das wieder?», hatte der Pfleger von der Babyklappe sie gefragt.
Es glitzerte silbern in ihren Augen, silbern glitzerte es, silbern perlte es, auf Brüsten, Schenkeln, Höhen, Tiefen. Sie entleerte eine Kelle überm steinernen Böllerofen. Vom Kind war nichts geblieben als Petoskey, Michigan, USA. Petoskey, Michigan, USA, das, und ein langer Blick auf die Gewebeabfalltonne.
Sie stürzten aus der Hütte. Sie wälzten sich im Schnee. Er wälzte sich im Schnee. Er meinte nach dem Wälzen im Schnee, wenn er jetzt furzen müsste, es würde ein Schneeball werden. Sie wälzte sich im Schnee. In ihren Augenwinkeln wurde es beim Wälzen im Schnee ganz warm und sofort ganz kalt. 

Kapitel VIII

Das waren Windspiele. Sie erinnerten an Gedanken. Nach und nach nahm ich sie wahr. Ehe ich sie wahrgenommen hatte, verloren sie sich. Sie gingen unter unterm Knirschen meiner Schritte aufm Kies. Dass man sie aufhängte, lag daran, es war auf dem Land. Dass man sie hörte, lag daran, es startete gerade kein Flugzeug oder landete. Gegen Flugzeuge haben Windspiele keine Chance. Meist sind sogar Gedanken zu laut für sie. Bei der Baustelle stand ein Betonmischer. Ein Fahrender schliff gerade Messer, auch krumme Messer, und auch Scheren. Er hatte einen Benzingenerator vor den Kofferraum gestellt. Er griff zum Telefon. Ich dachte nicht oft daran zurück.

Kapitel IX

Der Mann, die Frau, das Kind, das Abendessen. Hmm, sagte die Frau. Mhm, fein, sagte das Kind. Was für ein Tag, sagte der Mann. Das ist kein Beil, deine Gabel, sagte das Kind. Nun, fragte die Frau. Ich, sagte der Mann. Gemüse geriet ihm zwischen die Zähne. Er kaute. Er schaute Butterflocken beim Abschmelzen zu. Ich habe Roger Federer interviewt. Toll, sagte das Kind. Nein, sagte der Mann. Wie kam’s, fragte die Frau. Ach, sagte der Mann, ich laufe durch die Stadt und da steht er am Zigarettenautomaten, in geflochtenen Sandalen, mit Pilotenbrille, zwei Pudel an der Leine. Ich habe ihn erst gar nicht erkannt. Kunststück, sagte die Frau. Und sonst, fragte das Kind. Der Mann schaute Butterflocken beim Abschmelzen zu. Also, ich treffe Roger Federer, Herr Federer, sage ich, guten Tag, sagte der Mann. Es ist Nacht. Wir spazieren. Super, sagte das Kind, hast du Fotos, zeig mal her. Der Mann sagte mit vielen Worten wenig. Die Frau sagte mit keinen Worten nichts. Und? Was habt ihr geredet, fragte die Frau. Und? Was ist mit den Fotos, fragte das Kind. Natürlich hat der Fotograf es sofort gemerkt, sagte der Mann. Aber meint ihr, er sagt mir auch nur ein Wort. Also, ich gehe nie mehr ohne Brille aus dem Haus. Bitte nicht, sagte die Frau, bitte nicht, sagte das Kind, fragte der Mann: meint ihr wirklich, und ass weiter.

Kapitel X

Drei Tage ohne. Mehr nicht. In der Spitalkantine gibt es gutes Essen. Du bist nicht konfliktfähig. Auch der Kaffee ist gut dort. Ich geh eine rauchen. Es ist dein Neffe. Ich schaffe es nicht. Tu’s für deine Schwester. Ich werde immer für die da sein. Lass sie nicht allein. Ich kann nicht. Stirbt er, wirfst du es dir ewig vor. Wenn er stirbt, bringt sie mich um. – Er war … – Gib mal. Ich gab ihr die Zigarette. Sie zog. Es zischte. – … es ist von der Krippe … – Sie zog. Ein Funke stob. Der Mond war da. Sie war da. Ich war da. Wir schwiegen. – … aber, sterben? … – … ich weiss nicht … –.

Kapitel XI 

Wir sausten bergab in ein abgelegenes Dorf. Wir stiessen aufm Rückweg die Räder bergan. Es war anders damals, die Coolios in den Daunenjacken, am Bahnhof in Wil. Sie wollten uns Paprikapulver in Mini-Grips verkaufen. Wir wollten nicht bezahlen. Sie hatten Argumente. Es raschelte im Gebüsch. Wir dachten uns nichts. Wir schwitzten. Er kam aus dem Gebüsch. Er sah aus, als ob wir mit ihm Bier getrunken hätten. Wir hätten ihm Bohnen ausgegeben, Huhn, Kartoffeln, und wir hätten ihn gefragt, wie es sonst so geht. Es war eher wie damals, am Strand, es war Nacht und die Feuer brannten, und da kam die Dorfjugend mit ihren Kartonrohren. Seine Machete hatte keinen Griff. Er hatte ein Tuch unten drum gewickelt. Er durchwühlte unsere Geldbörse. Er nahm das Geld. Er sah unsere Passfotos. Er gab sie zurück. Ich zitterte. Sie zitterte nicht. Die Kamera nahm er nicht. Er verschwand im Gebüsch. Ich gönnte ihm das Geld. Ich schämte mich dieser Aussage nicht. Ich schämte mich dieser Aussage nicht mehr als der Fotos der Einheimischen am Ufer des Sees, aufm Rückweg vom Boot aus via Tele fotografiert. Sie hatten am Steg nach meinem Fotoapparat gegriffen: fotografía, fotografía und alma und alma und guía und peligro und dinero hatten sie gerufen.

Kapitel XII

Wie anders das Pissen bis zu der Markierung. Wie anders das Wummsen der Druckluft im Berg. Wie anders das Graulicht des Mittellandnebels. Wie anders die Softwarepanne des TGV in Olten. Wie anders die Stimmung. Wie anders der Himmel. Wie anders die Sonne. Wie anders die Überführung. Wie anders Vater. Vater kam mit der Paketpost. Mein Bruder kam. Wir setzten uns. Wie anders der Abschied. Wie anders als in Luftpolsterfolie verpackt. Wie anders als mit in Rechnung gestelltem Porto. Wie Anderss, und in wie kurzer Zeit.

Kapitel XIII

Trams und Autos zerschnitten die St. Jakob längelang, rauf und runter. Passanten zickzackten im Kreuzstich hin und her. Der Seehund nieste in OG2–links. Es kreischte. Er drehte es runter. Er füllte es nach. Er drehte es rauf. Es zerqualmte es schon wieder alles zu einer Wolke. Das Planetenrührwerk nützte einen sprâchdreck. Die Luft atmete sich kaum. Er goss Flüssiges rein, Öl, Wasser, Ei. Das Planetenrührwerk vermischte es und schleuderte es an die Schüsselwand. In längeren und kürzeren, dickeren und dünneren, klebrigeren und weniger klebrigen Batzen und Fetzen verfestigte es sich. Das Planetenrührwerk schleuderte Batzen und Fetzen. Batzen und Fetzen lösten sich von der Schüsselwand und wurden in die Mitte des Planetenrührwerks geknetet. Nach und nach entstand aus Batzen und Fetzen ein Ballen zwischen den Speichen des Planetenrührwerks. Es zog es alles in die Mitte. Er stellte es ab. Das Brot klebte zwischen den Speichen des Planetenrührwerks. Er brachte den Teig in den Ofen. Duft erfüllte die Küche. Er setzte sich. Er verging mit der Zeit. Tina lag aufm Tisch. Tiptopf lag aufm Tisch. Hand, Hand, Hände, und auf Händen Kopf lag aufm Tisch. Er stand wieder. Er holte den Laib. Er rauchte. Man sah ihm das viele Lesen an. 

Kapitel XIV

Die Hand zitterte an der Greifleiste des Blendschutzes. Sei! sei! sei! sei + Wer wenn wem wen! Wer wenn wem wen + Wann dann, wawann dadann, wawann. Es knackte + knisterte + bummste: Wes! wes! Wes + Wer! wenn! wen! wem! Wer! wenn! wen! wem! + Wer! wen! Wer! wen! Wer! wen! Wer! + Wenn! denn: Wenn! denn: Wen! Wenn! Wer! Wem! Wen! Wenn! Wer! Wem! Wem! Wer! Wenn! Wen + es flatterte ein Miststrahl innerer Zersetzung, eine Komposthaufenwolke möhlinjettete daher! Zu kurz gekochter Schinken, Glutamate, Eier. Präsenzloses Gefühl momentschwerer Augen. Wer! wen! wem! wenn + 3fach gestreiftes Kunstleder, bepriesen als wiedergeborenes Kalb, quetschte quiekend, quakte quietschend – da quakt es + quiekt es! – in Richtung sprachhûs. Finger pulten gächwalds, + sie schleiften Rotlicht hinter sich her + das mittlere Land bequemte sich vorbei, terrassierte Pendler-Plantagen (=platzsparend auf die Hänge von Flussläufen getreppelt), nett ausgeleuchtet + dioramisch massstabsgetreu hingelegt zu Träumereien vom Landleben + zu Hypothekenplänen nahe Bahnhöfen + Autobahnknoten, nett ausgeleuchtet + sichtbar weit + weit + runter mit dem Blendschutz! + runter mit dem Blendschutz + in der Zugwaschanlage aufgewacht. Es regnete in Strömen + rumpelte im Dunkeln.

Kapitel XV

Mais cet ange éclatant de béauté rompt le silence et le son de sa voix ressemble à la plus douce mélodie: so sprâch es in meinem Traum. Je sais que de temps en temps, tout va bien, druckausglich von ihr die Stimme vor mir im Ohr. Pour ça, on a le nom de la poésie: Sonnenstrahlen-Dolendeckel, Sonnenstrahlen-Dolendeckelsäule, Eigenpisse, ein Unterzieh-Drüberstülp-Häutchen zwischen moer und mir. Pour tout ce qui reste, celui de la prose. Schiffsschrauben tackerten, Distanzen schrumpften auf ein spuckglasiges Wummern, das Ohr feierte Urständ: konturverloren, augenblickslos, ohne Gewicht, dafür mit Körper, nur Körper. Nur atmen. Atem nur. Fische; Quallen; Partikel, all das und ein tief getaner Griff an die Eier, die da so ein bisschen verschrumpelt lödelten.
Gleich aufgefallen war sie mir, an der Bar, die kaum aufblickende Gartenmöbel-Hunnin hinter dem weinenden Propheten, diese badbadische Prinzessin im Barbadischen. Sie sah ungeheuer fertig aus beim Lesen. Ich stand sofort da-, worauf sie sass: where do you come from, hatte ich toute suite gefragt, car on ne jamais sait ce qu’on n’a jamais su. Ich hatte meine Eier noch nicht an der Garderobe abgegeben. Herzogenbuchsee, schmallippte sie. Herzogenbuchweh, flirtete ich, ganz auf mich allein gestellt. Sie begriff es als ein negatives Verfahren. Dukens belly ache? Sie sah mich nichtssagend an, eine frischgemüsesuchende Köchin in einem begehbaren Vorratsschrank voll Konservendosen; noch nicht einmal auf schon wieder einen Drink schlug sie an. A shrift German sport wheel, erläuchterte ich, pulsierend, wie es so zu sein pflegt, und mit einem Mal sah ich ganz beträchtlich durch. Ein Wortspiel, Schriftdeutsch, verdeutlichte ich. Sie hatte mich bei den Eiern. Ich hielt auf die Maxime des juice under pressure. Da kam Leben in ihre verlesenen Locken. Es glichen sich Durchblutungsraten und Wärmebilder an. Wir standen da, worauf sie sass, und wo sie sass, da standen wir, und was sie trug, das hielt ich ihr. Meine Eier klatschten meinem Ego Applaus.
Wir lagen bis nach Dämmerung am Strand. Ihre druckgeprüfte Grazie lödelte sich. Den Morgen legten wir uns Bleigewichte um, und wir schubsten uns, zur Tiefe entschlossen, vom Boot. Unser Tun wurde Taten. Wir wümmten Tage und pflanzten Nächte. Ich blieb im Budget, spielte mich nicht auf und war kein Hypochonder.

Kapitel XVI

«Derselbe Scheiss in einem anderen Anzug!» – Hans Bissegger braucht länger als gewohnt, um seine Krawatte unüblich eng zu binden.
«Wenigstens ist er frisch aus der Reinigung», wirft Bin Bim Bissegger-Xi ein.
Hans Bissegger zerrt an der Plastikfolie, in die seine Hose eingeschweisst wurde. Er greift in die Hosentasche. Er findet einen Lottozettel.
Sprâchlos betrachtet er die angekreuzte Nummernfolge. 

Kapitel XVII

Wir verlieren ihn im Nadelwald zwischen Alaska und Neufundland, in der Provinz Nunavut oder im Nordwestlichen Territorium, aus den Augen. Strassen, mit dem Lineal durch die Landschaft gezogen, Strassen, ins Vergessen der Bäume gefräst, Strassen in der Wüstenei des Schnees, Raststätten und Motels, ins Nirgendwo gereiht. Einer solchen Strasse gefolgt bis an ihr Ende: Wald, Wald, Wald und mittig ein See – dort steht ein Auto an einer Steigung. Türen und Kofferraum stehen offen. Auf dem Beifahrersitz steht ein leerer Hamsterkäfig. Nichts als den Duft von frisch geschlagenem Holz und Benzin und ein in Ferne und Tiefe des Waldes sich verlierendes Knacken und Röhren lässt er zurück.

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