What’s Up Doc? – Paul Thomas Andersons «Inherent Vice»

Paul Thomas Anderson verfilmt Thomas Pynchon – ein Glücksfall. PTA legt also nach «There Will Be Blood» ein weiteres Mal eine Literaturverfilmung vor – und zugleich einen seiner besten Filme. Dabei handelt es sich zudem um die erste (bzw. genauer: zweite) Pynchon-Verfilmung ever.

1970. Der Privatdetektiv Larry «Doc» Sportello (Joaquin Phoenix) kriegt unerwarteten Besuch von seiner Ex Shasta (Katherine Waterston) – und ehe er sich versieht, ist sie wieder verschwunden. Und nicht nur sie, sondern auch ihr zwielichtiger Lover, ein skrupelloser Immobilienhai mit dem sprechenden Namen Wolfmann. Nun besuchen ihn sowohl der Hippiehasser Detective Christian«Bigfoot» Bjornsen (Josh Brolin) und der radikale schwarze Nationalist Tariq Khalil (Michael Kenneth Williams) – sie alle suchen beim Doc Informationen…

Peace! Larry «Doc» Sportello wirds schon richten. (Bild: zVg)

Peace! Larry «Doc» Sportello wirds schon richten. (Bild: zVg)

Joaquin Phoenix brilliert als Doc mit an Jeff Bridges‘ Lebowski erinnernden Inflektionen in dieser mehr als nur gelungenen Literaturverfilmung. Und nicht nur Phoenix ist top – der Film ist durchgehend perfekt besetzt. Zugleich ist es einer von PTAs besten Filmen überhaupt – wobei natürlich jeder seiner Filme zum Besten unserer Zeit gehört – auch wenn «Magnolia» (1999) etwa zweifellos ein krass überschätzter Film ist. Wer den Pathos von Magnolia mochte, wird wohl aber «Inherent Vice» weniger schätzen.

Anderson hält sich dabei grösstenteils an Pynchons Vorlage; auch wenn er natürlich vieles verändert hat – bezeichnenderweise ist Bigfoot Bjornsen bei Anderson nur Cop und nicht Teilzeit-Schauspieler, der für Mickey Wolfmann in Werbespots mitwirkt. Das völlig durchgeknallte Pynchonsche Universum wird so für die grosse Leinwand etwas naturalistischer – was aber nicht heisst, dass «Inherent Vice» Pynchons bis dato letztem Roman nicht gerecht wird. Im Gegenteil, der politische Impetus bei Pynchon kommt hier in filmischer Form ebenso zum Ausdruck wie der spielerische Duktus seines Werks. Aber dass ein Film eben kein Roman ist, kein Roman sein kann und soll, muss an dieser Stelle wohl nicht erläutert werden.

Der Plot des Films ist dabei ebenso kompliziert wie derjenige des Romans. Aber schliesslich liest sich «Inherent Vice» – und hier sind wir wieder bei «The Big Lebowski» – nicht zuletzt als Hommage an die série noire bzw. an den film noir. Pynchons Nähe zur Populärkultur ist bekannt – bei Paul Thomas Anderson ist diese Nähe vielleicht auf den ersten Blick weniger ersichtlich, aber «Boogie Nights» (1997), sein zweiter Langspielfilm, war in einem gewissen Sinne auch eine Hommage an das Triviale und vielleicht allzu Triviale. Zwar mag «Inherent Vice» PTAs erste Komödie sein, aber «Boogie Nights» hatte zum Teil auch komödiantische Elemente. Kurz und gut: hingehen!

«Inherent Vice».  USA 2014. Regie: Paul Thomas Anderson. Mit Joaquin Phoenix, Katherine Waterston, Benicio del Toro, Owen Wilson, Josh Brolin, Joanna Newsom, Maya Rudolph, Hong Chau, Eric Roberts, Michael Kenneth Williams u.a. Deutschschweizer Kinostart: 12.2.2014.


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