Annas Vergangenheitsbewältigung – Anna Odells «The Reunion»

Für Anna Odell war die Schulzeit die Hölle. Anna war die ultimative Aussenseiterin. Ignorieren und mobben war das Motto der MitschülerInnen. Jahre später, bei der Klassenzusammenkunft, will Anna mit ihren Peinigern abrechnen. Die anderen meinen: lass doch die Vergangenheit Vergangenheit sein; wir waren ja nur Kinder. Doch Anna, unterdessen eine erfolgreiche Künstlerin, will dies nicht gelten lassen…

Anna Odell spielt Anna Odell, in Anna Odells ersten Spielfilm. (Bild: zVg)

Anna Odell spielt Anna Odell, in Anna Odells ersten Spielfilm. (Bild: zVg)

Die Künstlerin Anna Odell hat ihren ersten Spielfilm «The Reunion» kunstvoll konstruiert. Anfangs wirkt der Film wie eine Neuauflage von Thomas Vinterbergs «Festen», doch Anna Odell inszeniert hier noch auf eine viel abgründigere Art als Thomas Vinterberg in seinem Dogma-Film – oder zumindest auf eine andere, mehrschichtige Art. Im Dogma-Film ist das Spiel mit der Authentizität klar; es ist aber auch klar, dass es sich in keiner Weise um eine Dokumentation handelt. Dies scheint auch hier der Fall zu sein, doch irritiert, dass sich in «The Reunion» zumindest einige der Beteiligten sich selber zu spielen scheinen, allen voran natürlich Anna Odell. Man wird also neugierig: wie sehr spielt sich Anna selber? Ist der erste Teil inszeniert, die anderen Teile (in der «Anna» mit ihren ehemaligen MitschülerInnen den ersten Teil anschaut) aber «real»? Auch wenn «The Reunion» zweifellos kein Dokumentarfilm ist – der Film wirft Fragen auf, die durchaus an neuere Dokumentarfilme wie «Exit Through the Gift Shop» erinnern. Ist am Schluss doch alles inszeniert? Gibt es das überhaupt, den Dokumentarfilm? Ein Film also, der bloss dokumentiert und nicht manipuliert? Ganz abgesehen von diesen spannenden und wichtigen Fragen ist Anna Odells Film aber eine sehr ehrliche, tiefgründige Reise in eine gekränkte Seele. Nicht alle Jugendlichen leiden unter Mobbing, doch die Kränkungen, die ein jugendlicher Mensch in dieser Zeit erlebt, prägen zweifellos für das ganze Leben. Und nicht alle können wie Anna Odell daraus später einen Film machen…

 

«Återträffen». Schweden 2013. Regie: Anna Odell. Mit Anna Odell, Kamila Benhamza, Sandra Andreis, Anders Berg,  Jimmy Carlberg u.a. Deutschschweizer Kinostart: 17.4.2014.


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