Invasion of the Dead Ringers – James Ward Byrkits «Coherence»
Der Ko-Autor des Animationsfilms «Rango» legt mit «Coherence» einen grossartigen Science-Fiction-Film vor, in dem es in Tat und Wahrheit nicht um Kohärenz, sondern um deren Zerfall geht. Ein Film ganz ohne Raumschiffe, aber dafür ein starker Trip in die Tiefen der menschlichen Seele.
Acht Freundinnen und Freunde treffen sich – während ein Komet nahe bei der Erde vorbeifliegt – zur Dinner Party. Bei einem Stromausfall merken sie, dass ein Haus verschont geblieben ist. Sie machen sich auf und sehen, dass es sich um ein Haus handelt, in dem sie sich selber sehen – vier Paare, die sich zur Dinner Party getroffen haben…
James Ward Byrkit verfilmt nach «Rango» (Regie: Gore Verbinski) ein eigenes Drehbuch – und überzeugt mit einer starken Mischung aus feinsinnigem Arthaus-Low-Budget-Streifen und Science-Fiction-Film. Es klingen u.a. an «Sliding Doors» (der auch namentlich erwähnt wird), «Another Earth» (Mike Cahill, 2011), «Melancholia» (Lars von Trier, 2011), aber auch die Body-Snatchers-Filme und (indirekt) Cronenbergs «Dead Ringers». Schliesslich geht es hier um Doppelgänger – und diese heissen auf Englisch eben auch dead ringers. Der Begriff verweist auf den Glauben, dass der eigene Doppelgänger zugleich den eigenen Tod ankündigt – ein Schicksal, dem Corto Maltese in «La casa dorata di Samarcanda» (Hugo Pratt, 1980/1986) nur knapp entgeht. Doch dann begegnet er seinem Doppelgänger, dem türkischen General Chevket, doch nicht…
Anders in Byrkits Film: hier bleibt den Protagonist_innen nichts erspart. Der Komet erschüttert die Kohärenz unserer Welt in unseren Grundfesten, ähnlich wie in «Another Earth». Und wie in den Body Snatchers gefährden die Doppelgänger die Integrität der anfangs noch nichts ahnenden Menschen. Einer der Protagonisten, so der Film, soll in der TV-Serie «Roswell» als Schauspieler zu sehen sein – die Ausserirdischen werden immer wieder als Gefahr dargestellt, aber natürlich sind wir selbst unsere grössten Feinde. «Denn beunruhigend ist nicht das schlechthin Andere, sondern dasjenige, was im Habit des Fremden heimlich-unheimliche Resonanzen auslöst», so der Germanist Alexander Honold. Genau um diese heimlich-unheimlichen Resonanzen geht es in Byrkits erstem Langspielfilm, der auf der ganzen Linie zu überzeugen vermag.
«Coherence». USA/UK 2013. Regie: James Ward Byrkit. Mit Emily Baldoni, Alex Manugian, Lauren Maher, Maury Sterling, Nicholas Brendon, Lorene Scafaria, Elizabeth Gracen, Hugo Armstrong u.a. Schweizer Premiere am 20.2.2015 im Filmclub B-Movie, Basel. http://b-movie.ch/index.php/coherence
Bibliographie
Honold, Alexander. 2006. „Das Fremde. Anmerkungen zu seinem Auftritt in Kultur und Wissenschaft“ In: Göckede/Karentzos (Hg.) Der Orient, die Fremde. Positionen zeitgenössischer Kunst und Literatur. Bielefeld: Transcript. S. 21-38.
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