«Chästeilet» in Aserbaidschan

Der Basler Fotograf Cedric Christopher Merkli exportierte die Schweiz zum zweiten Mal nach Aserbaidschan: Seine Ausstellung «Chästeilet Justistal» war im «Museum of Modern Art» in Baku zu sehen.

Die exotische Schweiz zu Gast in Aserbaidschan. zVg Cedric Christopher Merkli

Von Daniel Lüthi

Die Schweiz ist ein Exportland. Neben Schokolade, Uhren und «made in Switzerland» ist es vor allem ein Image, das Gästen entgegengebracht wird. Wer als Tourist in die Innerschweiz reist, nimmt Erinnerungen an schneebedeckte Berge, Gondelbahnen und glasklare Seen mit. Auch dies sind wichtige Exporte – schliesslich bezahlt man dafür Hotels und Tickets.

Es gibt Traditionen, deren Bekanntheitsgrad nicht unbedingt die Höhe eines Matterhorns oder Glacier Express erreicht, die aber dennoch zum Image der «klassischen» Schweiz beitragen. Die «Chästeilet» ist fester Bestandteil des Schweizer Alpsommers im Justistal. Am Ende der Saison, wenn die Kühe für den Winter zurück in die Täler getrieben werden, veranstalten die Alpbauern ein Fest. Der Käse, der den Sommer über hergestellt wurde, wird nun unter den Bauern verteilt – je nach Anzahl Tiere auf der Weide. Ein Alpabzug mit blumengeschmückten Kühen schliesst sich an das Fest an.

Berghänge, Kühe, Käse – ein klassisches Bild der Schweiz. zVg Cedric Christopher Merkli

Natürlich ist die «Chästeilet» weit über die Grenzen vom Justistal und der Gemeinde Sigriswil hinaus bekannt. Das Bild der riesigen Käselaibe, die von Hand zu Hand gereicht werden, gehört ebenso zur touristischen Schweiz wie Toblerone oder Swatch. Der Basler Fotograf Cedric Christopher Merkli hat diese Tradition nun einen Schritt weiter getragen. In einer Fotoreihe hat er das Fest und den Abzug von der Alp mehrfach festgehalten und verwandelte diese in eine Ausstellung für das «Museum for Modern Art» in Baku (Aserbaidschan) – der Export wird zum Kunstobjekt.

Die Idee, dass die Schweiz ein fernes Land mit seltsamen Bräuchen sein könnte, ist für hiesige Verhältnisse eher schwer nachvollziehbar. Aber in Aserbaidschan wurde in den letzten Wochen genau dies zur Realität: Die «Cheese distribution in Justistal» betitelte Ausstellung von Merkli zeigte die Alpentradition im Berner Oberland in einem völlig neuen Licht. Aserbaidschanern sind Gebirge auf keinen Fall fremd – der Gipfel ihres höchsten Berges Bazardüzü im Grossen Kaukasus erreicht stolze 4466 Meter Höhe.

Dennoch erhält die «Chästeilet» im Museumskontext einen Hauch von Exotik, der im Zeitalter von Verstädterung und Digitalisierung durchaus auch bei Mitteleuropäerinnen und Mitteleuropäern ankommt. Bilder von Schweizer Trachten und auf Holzböden aufgereihten Käselaiben scheinen aus der Vergangenheit zu uns zu sprechen, obwohl das Fest jedes Jahr mit frischem Elan stattfindet.

Cedric Christopher Merkli konnte die «Chästeilet» dank der Schweizer Botschaft von Aserbaidschan bereits zum zweiten Mal präsentieren. Bleibt zu hoffen, dass dieses neue – und doch alte – Bild der Schweiz noch weiter in die Welt hinausgetragen wird.

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