Ich und Ich – Bill Olivers «Jonathan»

In der Zukunft gibt es Menschen, die denselben Körper bewohnen. So die Brüder Jonathan und John. Der seriöse Jonathan arbeitet u.a. in einem Architekturbüro, während John in der anderen Hälfte des Tages das Leben geniesst. Ein Film über die zwei Seelen, die wohl in jeder Brust leben.

Jonathan (Ansel Elgort) und John (Ansel Elgort) leben im selben Körper. Der «time splitter» macht es möglich – am Morgen arbeitet Jonathan in einem Architekturbüro, später kann der weniger talentierte John über den gemeinsamen Körper verfügen.

Wobei beide keine wirklichen emotionalen Beziehungen eingehen dürfen, da dies zu vielen Komplikationen führen würde. Jonathan behauptet, sich am Nachmittag um einen kranken Verwandten zu kümmern. Doch trotz allem Talent legt ihm sein Bruder Steine in den Weg: sein Vorgesetzter will eben den vollen Einsatz…

Skeptische Blicke in die Zukunft… Ansel Elgort brilliert in Bill Olivers erstem Langspielfilm. (Bild: zVg)

Bill Olivers Debüt ist ein ruhiger, aber doch fesselnder Film. Ein Film über uns alle, die heute mehrere Jobs haben, die zerrissen sind zwischen verschiedenen Lebensentwürfen, alle, die einen Bruder haben… «Jonathan» lässt bis an den Schluss verschiedene Interpretationen zu; und es ist vielleicht bezeichnend, dass der Titel nur den einen Bruder gelten lässt. Oder doch nicht?

Rein phonetisch gesehen ist «John» natürlich auch in «Jonathan» zu hören; und John und Jonathan sind auch etymologisch miteinander verwandt – die Bedeutung von Jonathan, «Gott hat gegeben», verbindet den Namen zudem mit Matthew (Matthias, Matthäus = Geschenk Gottes); Johannes und Matthäus sind beide Evangelisten.

In einer Nebenrolle ist Patricia Clarkson als Ärztin zu sehen, sie behandelt Jonathan und wohl auch seinen Bruder. Wir sehen John (sein Name kann auf englisch auch «Freier» bedeuten…) aber nur in den Videobotschaften, die er Jonathan hinterlässt, auch insofern ist Jonathan die wirkliche Hauptfigur. Er ist es eben auch, der im Schatten des weniger talentierten John lebt und darunter leidet.

Ansel Elgot («Baby Driver») verkörpert beide glaubwürdig und gibt so dem fantastischen Stoff eine Alltäglichkeit, die den grossen Science-Fiction-Kisten unserer Zeit (etwa «Avengers: Endgame») völlig abgeht.

Regisseur Bill Oliver hat den Stoff (den er zusammen mit dem Ko-Autoren Peter Nickowitz und Gregory Davis geschrieben hat) ansprechend umgesetzt. Ein sehr interessanter Beitrag zur Diskussion gerade heute, wo die Grenzen zwischen Innen und Aussen (also auch: zwischen mir und dir) immer mehr verschwimmen.

«Jonathan». USA 2018. Regie: Bill Oliver. Mit Ansel Elgort, Patricia Clarkson, Suki Waterhouse, Douglas Hodge, Matt Bomer u.a. Premiere im B-Movie Basel am 24. Mai 2019, www.b-movie.ch


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