Maschas Weg – Anna Melikians «Star»

Die armenisch-russische Regisseurin Anna Melikian legt mit «Zvezda» (so der Originaltitel) ein oft anrührendes und komisches Werk vor, in dem zwei junge Menschen im heutigen Russland Orientierung suchen und sich dabei (nicht) finden.

Mascha will ein ganz grosser Star werden. Dafür braucht sie unter anderem aber auch ganz grosse Brüste – sehr grosse Brüste. Aber leichter gesagt als getan – sie braucht Geld. Sie freundet sich mit Kostja, dem Sohn eines Oligarchen, an. Oder besser: Kostja verguckt sich in die sehr schlanke Mascha. Obwohl zu Hause tonnenweise Kohle rumliegt, beginnt er eine Karriere als Kleinkrimineller, um Maschas kosmetische Wünsche zu erfüllen. Rita, Kostjas Stiefmutter, hat unterdessen ganz andere Sorgen. Bald schon trifft sie aber Kostja bei Mascha…

Mascha will nur eins: sie will unters Messer und Star werden ... (Bild: zVg)

Mascha will nur eins: sie will unters Messer und Star werden … (Bild: zVg)

Anna Melikians neuer Film ist eine Komödie, zugleich aber auch eine Art modernes Märchen. Gewichtige Themen wie Klasse, Starkult und Schönheitsideale kommen zur Sprache, und nicht zuletzt erzählt der Film auch eine tragische Liebesgeschichte. Trotzdem bleibt der Film leicht in seinem Duktus, selbst dann, wenn Mascha sich ihre neuen Lippen gekauft hat und wie ein echter Freak aussieht. Anders als die ältere und erfahrenere Rita weiss Mascha nicht, wann aufhören mit den Schönheits-OPs. Auch Kostja weiss nicht, wo er die Grenze ziehen muss: er versucht immer wieder, Maschas Herz zu gewinnen, und er bezahlt dafür immer wieder. Echte Geldsorgen kommen in «Zvezda» nicht wirklich vor. Dies muss aber auch so sein, denn nur so kann Melikian den märchenhaft-komödiantischen Duktus bis ans Ende durchhalten. Nicht von ungefähr war Melikians zweiter Spielfilm («Rusalka») von H. C. Andersens Meerjungfrau inspiriert. Und auch Mascha beginnt ihre Karriere als «Star» – als Meerjungfrau…

«Zvezda». Russland 2014. Regie: Anna Melikian. Mit Tina Dalakischwili, Pawel Tabakow, Severija Janushauskaité, Andrej Smoliakow, Juozas Budraitis u.a. Deutschschweizer Kinostart am 9. Juli 2015.

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