Zitat der Woche: Douglas R. Hofstadter, Gödel, Escher, Bach

Das heutige Zitat der Woche ruft einen weiteren Klassiker in Erinnerung: In Douglas R. Hofstadters «Gödel, Escher, Bach» finden wir eine endlose Varianz des Denkens.

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Wiederholung ist (nicht) gleich Wiederholung: Douglas R. Hofstadter analysiert das menschliche Denken mit Tiefgrund und Witz. zVg

Von Daniel Lüthi

Douglas R. Hofstadter ist eine vergessene Ikone des Informationszeitalters. Obwohl er selbst dementiert, mit der Computerkultur und -wissenschaft verbunden zu sein – tatsächlich ist er im Bereich Kognition und Bewusstsein tätig – hat sein Werk zahlreiche Programmiererinnen und Programmierer inspiriert. Herausragend ist sein 1979 erschienenes Buch «Gödel, Escher, Bach» – hochwissenschaftlich, komplex, aber dennoch voller verblüffender Entdeckungen und Schlüsse. Die Zugänglichkeit des Buchs ergibt sich aus der titelgebenden Kombination von Mathematik, Malerei und Musik: Die drei Zeitgenossen Kurt Gödel, Maurits Cornelis Escher und Johann Sebastian Bach beschäftigten sich laut Hofstadter alle mit demselben Thema: Wiederholung in Mustern.

Gödels Unvollständigkeitssätze, Eschers selbstspiegelnde Bilder und Bachs wiederkehrende Strophen zitieren jene Abläufe, die sich in unseren Köpfen abspielen: Menschen denken in Mustern. Wir denken an einen Freund oder eine Freundin und setzen uns ihr Bild aus Vergangenem und möglichem Zukünftigem zusammen. Wir möchten eine Reise unternehmen und stellen uns vor, wie das Hotel in der Broschüre wohl in natura aussieht. Wir improvisieren ein Kochrezept und bemühen uns, den üblichen Abläufen wie Kartoffelrüsten, Anbraten und Garnieren zu folgen.

Hofstadter zeigt uns in seinem Buch, wie diese Muster Teil unseres Denkens sind und vor allem, wie wir jedes Muster ständig wiederholen und gleichzeitig ein bisschen abändern, da die einzelnen Muster sich gegenseitig zitieren. Wir bewegen uns quasi im Kreis und kommen trotzdem vorwärts. Nicht das Ziel, aber einer der zentralen Gedanken Hofstadters ist der Begriff der Unendlichkeit – auch dies ist in den Werken von Gödel, Escher und Bach impliziert. Denken hört niemals auf; wir glauben, ein Thema erschöpft zu haben, doch stets bietet sich ein weiterer Ansatz, eine weitere Wiederholung, die das Ganze wieder aufbricht. Hofstadters Begriffe des Kanons und der Seltsamen Schleife wirken daher sowohl schockierend in ihrer Endlosigkeit als auch beruhigend in ihrer Kontinuität:

Das Grundprinzip des Kanons besteht darin, dass man ein einziges Thema gegen dieses selbst spielt. Das geschieht in der Weise, dass die verschiedenen mitwirkenden Stimmen «Kopien» des Themas spielen. Das kann man jedoch auf viele verschiedene Arten tun. Der einfachste Kanon ist der Rundgesang, wie zum Beispiel Bruder Jakob oder Wachet auf… usw.

[…]

Der Begriff der Seltsamen Schleife impliziert den der Unendlichkeit; denn was ist eine Schleife anderes als eine Methode, einen endlosen Vorgang mit Mitteln der Endlichkeit darzustellen?

 

Quelle: Hofstadter, Douglas R. Gödel, Escher, Bach. ein Endloses Geflochtenes Band. Stuttgart: Klett-Cotta, 1985, S. 8-17.

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