Vom Regen in die Traufe – Yannis Lanthimos’ «The Lobster»

Nach «Dogtooth» und «Alpen» überzeugt der griechische Regisseur Yannis Lanthimos auch mit seinem ersten englischsprachigen Film, einem dystopischen SF-Streifen, der in einer Zukunft spielt, in der erwachsene Menschen nur zu zweit existieren dürfen.

David (Colin Farrell) ist neuer Gast im Hotel. Dort muss er eine Partnerin kennenlernen und möglichst viele Singles killen – ansonsten wird er in ein Tier verwandelt. Toughe Zeiten also – schliesslich bleibt ihm nur noch die Flucht. Doch bei den Rebellen herrscht ein ebenso hartes Regime…

Colin Farrell und Rachel Weisz sind die Stars in diesem abgefahrenen SF-Streifen. (Bild: zVg)

Colin Farrell und Rachel Weisz sind die Stars in diesem abgefahrenen SF-Streifen. (Bild: zVg)

Wer «Dogtooth» und «Alpen» kennt, weiss, dass ein Lanthimos-Film kein Vergnügen für die ganze Familie ist. Und auch diesmal hat der griechische Regisseur wieder mit Ko-Autor Efthimis Filippou  zusammengearbeitet; trotz englischer Sprache und einigen Stars (Colin Farrell, Rachel Weisz…) ist Lanthimos also keine Kompromisse eingegangen. Im Gegenteil – «The Lobster» ist ein beklemmendes Werk, ein dystopischer SF-Film in der Tradition von «Fahrenheit 451». Anders als bei Truffaut tröstet hier aber kein Retro-Touch – an die Zukunft erinnert aber auch hier nichts. Vielleicht ist das ein Element des Dystopischen, das einfach dazugehört: nur eine Dystopie, die sowohl an die Vergangenheit als auch dieJetztzeit erinnert, kann wirklich erschrecken.

Anders als in anderen SF-Filmen gibt es hier natürlich keine Rebellen, die für das Gute kämpfen. Im Gegenteil, die Rebellen sind ebenso schlimm wie das System selbst. George Lucas ist hier meilenweit entfernt. Wie in «Never let me go» gibt es auch hier kein Innen und kein Aussen; vielleicht ist es dieses Element, das Lanthimos neuen Film ganz klar in der Postmoderne verortet. Dieses Faktum zeigt, dass es doch moderne Elemente sind, die Lanthimos und Filippou umtreiben: Erkenntnis ist trotz allem noch möglich. Abgesehen davon gibt es aber im Universum von «The Lobster» keinen Trost… nichts für zartbesaitete Gemüter also! Ein Lanthimos-Film ist eben kein Picknick im Grünen…

 

«The Lobster». Eire/UK/Frankreich/Niederlande/Griechenland/USA 2015. Regie: Yannis Lanthimos. Mit Colin Farrell, Rachel Weisz, Jessica Barden, Olivia Colman, John C. Reilly u.a. Premiere am 14. April 2016 im Stadtkino Basel; http://www.stadtkinobasel.ch

Kommentar verfassen


%d Bloggern gefällt das: