Lars Damoiseaux‘ «Yummy» – Zombieland ist überall

Eigentlich wollte Alison doch nur ihre Brüste verkleinern lassen. Doch schon bald befindet sie sich – zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Freund – auf einem Horrortrip irgendwo in Osteuropa…

Alison (Maaike Neuville) und ihr Freund Michael (Bart Hollanders) und ihre Mutter (Annick Christiaens) befinden sich irgendwo in Osteuropa, wo billige Schönheitsoperationen locken. Die Mutter will sich denn auch verschönern lassen, während Alison sehnlich auf eine Brustreduktion wartet. Doch bald schon merken die drei, die aus dem fernen Belgien angereist sind, dass diese Klinik nicht ganz das ist, was die Online-Werbung suggeriert…

Alison hat sich ihre OP doch etwas anders vorgestellt… (Bild: zVg)

Alison, Michael und Alisons Mutter kommen aus Flandern, der Film spielt in Osteuropa. Die massgeblich vom (britischen) Gothic Novel geprägte Horror-Tradition hat den Schrecken schon immer gern auf den Kontinent verlegt; nach Deutschland, in die Schweiz, nach Österreich, dann aber immer weiter östlich, bis schliesslich Bram Stoker seinen Meistervampir aus der Steiermark nach Transsylvanien versetzte.

Logisch also, dass die drei Flamen nicht im doch zu nahen Deutschland oder Österreich vom Schrecken heimgesucht werden (oder gar im eigenen Land). Wobei: mindestens einen nicht wirklich versteckten Hinweis auf Konflikte zuhause – genauer: den Konflikt zwischen Flamen und Wallonen – findet sich in Damoiseaux‘ Film.

Daniel (Benjamin Ramon), eine doch eher zwielichtige Gestalt, der es auf Alison abgesehen hat, redet nämlich mindestens an einer Stelle französisch – und wird wohl tatsächlich von einem wallonischen Schauspieler dargestellt. Er stammt wie der frankophone Rapper Pee González (De Puta Madre) und Jacques Brel aus Schaerbeek, einem Vorort von Brüssel.

So stellt sich die Frage, ob der Film nicht eher vom heimischen Schrecken handelt – die Menschen reden zwar teilweise ein pseudoslavisches Idiom, bei dem (nicht nur) die Slavistin doch das eine oder andere authentische Wort erkennen kann. Aber eigentlich spiegelt sich natürlich in jeden Horrorfilm das Un-Heimliche wie das Heimliche: das Un-Heimliche findet sich eben immer im Heimlichen.

Und nicht erst seit Marc Dutroux lebt der Schrecken in Belgien: man denke etwa an die lange Unterdrückung der Flamen durch die Wallonen und an die Unterdrückung der Afrikaner in den Kolonien. (Daniel nennt die Sprache der Osteuropäer denn auch tatsächlich eine «Affensprache» bzw. «monkey language».)

Der Kolonialismus in der Ferne spiegelt eben immer den heimischen wider. Genau so, wie sich die Situation in Belgien hier im fiktiven Osteuropa reflektiert… Lars Damoiseaux hat das Drehbuch zusammen mit Eveline Hagenbeek geschrieben; entstanden ist ein immer wieder witziger, aber natürlich sehr blutiger Film – FSK 18! Nichts für zartbesaitete Gemüter halt – der Film war denn auch in Basel im vor allem auf Horrorfilme spezialisierten B-Movie zu sehen.

«Yummy». Belgien 2019. Regie: Lars Damoiseaux. Mit Maaike Neuville, Bart Hollanders, Benjamin Ramon, Annick Christiaens, Eric Godon u.a. DVD/Blu-ray-Disc erscheint am 23. Oktober 2020.


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