Ivan Ostrochovskýs «Servants» – Krieg und Frieden

Der Film des slowakischen Regisseurs überzeugt mit poetischen Bildern, stimmungsvollem Schwarzweiss und einem Einblick in eine vergangene Welt, in der ideologische Abweichler hart bestraft wurden – oft mit dem Tod.

Bratislava, Tschechoslowakei, 80er-Jahre. Die Theologiestudenten Juraj und Michal müssen sich entscheiden zwischen der staatlichen, pseudokatholischen Organisation Pacem in terris (slowakisch: Združenie katolíckych duchovných Pacem in terris; deutsch: Verein der katholischen Geistlichen Pacem in terris) und ihrem Glauben, zwischen totaler Unterwerfung und Widerstand …

Dieser Film zeigt, was Leben in einer Diktatur wirklich bedeutet. (Bild: zVg)

Ivan Ostrochovskýs Film ist ein grossartiges, kurzes und knappes Werk in Schwarzweiss. Mel Brooks hat vor vielen Jahren in der Dick- Cavett-Show gesagt: schwarzweiss zu drehen kann ein kunstgewerblerischer Trick sein; wenn der Stoff dies aber wirklich verlangt, dann spricht nichts dagegen. So hat er sich einerseits lustig machen können über pseudokünstlerische Umtriebe, ohne einen der anderen Gäste in der Show (Peter Bogdanovich, «The Last Picture Show») vor den Kopf zu stossen [1, 22:55].

Andererseits sagt Mel Brooks dies natürlich auf unnachahmlich witzige Weise – später hat er dann ja selber einen eigenen und natürlich sehr komischen Schwarzweiss-Film gedreht; «Young Frankenstein». Mel Brooks ist eben ein Genie des Humors – und auch Peter Bogdanovich ist ja dem Humor nicht abgeneigt (man denke etwa an «What’s up Doc»), anders als sein Namensvetter Peter Ostrochovský. «Servants» ist nicht leichte Kost, hier gibt es keinen Humor, um die traurige und natürlich von wahren Begebenheiten – der Geschichte selbst, nicht unbedingt speziellen Einzelschicksalen – inspirierte Geschichte aufzulockern.

Nein, Ostrochovskýs Film bietet zwar poetische Bilder in Schwarzweiss, dies macht die Geschichte sicher erträglicher und gibt Raum zum Atmen. Das Schicksal dieser Studenten im totalitären, sozialistisch genannten Staat ist nicht beneidenswert, im Gegenteil. Massnahmengegner in der Schweiz, die von Diktatur reden, sollten diesen Film auch sehen. Es ist aber zu befürchten, dass die meisten von ihnen nicht empfänglich sind für diese Art Kino. Ein Kino, das zum Denken anregt. Ein Film, der zeigt, was Diktatur wirklich bedeutet.

«Služobníci». Slowakei/Rumänien/Tschechien/Irland 2021. Regie: Peter Ostrochovský. Mit Samuel Skyva, Samuel Polakovič, Vlad Ivanov, Milan Mikulčík, Vladimír Zboroň, Vladimír Obsil u.a. Deutschschweizer Kinostart am 25. November 2021.

[1] Link: https://youtu.be/7yCQ_ko28IQ

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