Catch the Thrown

Unterstützt von SellaBand, einem Portal, bei dem Fans in die Musik ihrer Favoriten investieren,  haben Public Enemy gleich zwei neue CDs veröffentlicht. Wir werfen einen Blick zurück auf ihre Karriere, die Geschichte des HipHop und hoffen auf die Aufnahme der nicht mehr ganz jungen Herren in die Rock & Roll Hall of Fame.

 

Anfangs war HipHop vor allem eins: Party. Bald schon aber kam Brother D mit seinem Polit-Rap «How We Gonna Make the Black Nation Rise», es folgten Grandmaster Flash & the Furious Five mit «The Message», einem Track, auf den eine Unzahl von sozialkritischen Message Raps folgte.

 

Trotzdem war der damalige Rap noch eher apolitisch, auch die meisten Message Raps waren nicht per se politisch. Erst Public Enemy änderten das 1987. Ihre radikalen Raps, ihr harter Sound, an dem auch ein gewisser Rick Rubin nicht ganz unschuldig war, überzeugte auch Menschen, die eigentlich mit radikaler schwarzer Politik nichts am Hut hatten. Public Enemy wurde eine der grössten Rap-Bands; auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs waren sie auch in Spike Lees Film «Do the Right Thing» zu hören. Es darf also nicht verwundern, dass Public Enemy mit der CD «Most of My Heroes Still Don’t Appear on No Stamps» auf «Fight the Power» Bezug nehmen, den Track, der bereits im Vorspann von Spike Lees Film zu hören war.

 

Public Enemy waren zwar in vielerlei Hinsicht erfolgreich, sie prägten einen neuen Sound, waren stilbildend, arbeiteten mit Anthrax, Vernon Reid und Stephen Stills zusammen, und haben zahlreiche HipHop-Gruppen beeinflusst, einerseits durch ihre radikale Politik, andererseits durch den Sound – oder auch durch beides, man denke etwa an Dälek.

 

Doch mit dem Triumph des Gangsta Rap über den Polit-Rap sowie einer ganz anderen Ästhetik des Sounds war die grosse Zeit von Public Enemy schon bald vorbei. Plötzlich war nur noch Strassenauthentizität gefragt; und zwar nicht nur bei schwarzen MCs: auch Eminem oder Everlast haben auf ihre wirklichen oder angeblichen Unterschichtswurzeln Bezug genommen. Rapper, die nicht von der Strasse kommen (egal ob real oder imaginär), haben es schwer. Wer im Mainstream Erfolg haben will, fährt besser mit 50 Cents Motto «get rich or die tryin‘» – alles andere ist nicht (mehr) mehrheitsfähig.

 

Doch Public Enemy lassen sich nicht beirren von den sich wandelnden Zeiten. Vor allem Chuck D, Frontmann und Herz und Seele der Gruppe, bleibt sich selber treu – und mit «Most of My Heroes » legen er und seine Mitstreiter eine der besten Public-Enemy-CDs seit Jahren vor. Das liegt einerseits an den grossartigen Gästen wie Brother Ali, Large Professor und DMC, aber auch an der fast durchgehend starken Produktion, u.a. von Gary G Wiz, Freddy Foxxx und Johnny Juice Rosado. Etwas weniger gelungen ist «The Evil Empire of Everything»; hörenswert ist aber auch diese CD, auf der u.a. Rampage, Sekreto, Sgt Hawkes, Ziggy Marley, Henry Rollins und Tom Morello zu Gast sind. Und die Texte sind natürlich wie immer hochinteressant – und zwar nicht nur die Texte zur Musik, sondern auch die im Booklet, die Chuck D geschrieben hat und wo er auch an leider verstorbene MusikerInnen erinnert, von MCA über MC Breed bis zu Amy Winehouse bis zu Donald Duck Dunn.

zVg

Public Enemy. «Most of My Heroes Still Don‘t Appear on No Stamp» Enemy Records 2012.

Public Enemy. «The Evil Empire of Everything» Enemy Records 2012.