Universiphil1 #2: Geschenkpapier und Wassereimer

Von Tante Étudiante

In ihrer Dezember-Kolumne zu Universiphil1 berichtet Tante Étudiante vom tückischen Semesterende und ihrer ganz persönlichen Weihnachtsstimmung.

In der Innenstadt stehen schon seit einigen Wochen Weihnachtsbäume, auf dem Petersplatz und anderen Standorten werden ebensolche auch gleich verkauft und der Weihnachtsmarkt lockt mit Glühwein und Dinnete. Wem es da schon nicht dämmert, dem wird es mit opulenten Schaufenstern und mehr oder weniger erwünschten Werbeschriften endgültig bewusst gemacht – es weihnachtet. Sehr. (sprich: Kauft was!)

Oft rücken gerade dann, wenn es langsam ein wenig festlich werden sollte, die Semesterprüfungen an. zVg

Oft rücken gerade dann, wenn es langsam ein wenig festlich werden sollte, die Semesterprüfungen an. zVg

Nun beginnt an der Uni ausgerechnet jetzt die Prüfungszeit. Diese gestaltet sich für einige mehr (BA-/MA-Prüfungen), für andere weniger stressig („harmlose“ Semesterprüfungen). Das macht es zugegebenermassen nicht immer ganz einfach, in die Festtagsstimmung zu kommen. Dieses Jahr befinde ich mich jedoch ausnahmsweise in der glücklichen Position, keine Prüfungen schreiben zu müssen (die Essays zähle ich jetzt mal – noch – nicht…). Angesichts meines geplanten Abschlusses des BA-Studiums im Sommer empfinde ich dies als Ruhe vor dem Sturm.

Trotzdem weiss ich, dass sich die „echte“ Weihnachtsstimmung bei mir weder bei der Jagd auf (respektive Kreation meiner) Weihnachtsgeschenke noch beim Anblick der zuverlässig jedes Jahr eintreffenden Bettelbriefe noch beim ausgiebigen Glühweintrinken ergibt, sondern wahrscheinlich erst, wenn ich am 24. Dezember zu Hause bei meinen Eltern eintreffe, wo das Haus nach Holz und Guetzli riecht und das Wohnzimmer vom Kachelofen wohlig warm zum Verweilen einlädt. Der Weihnachtsbaum wird von den anwesenden Familienmitgliedern geschmückt (natürlich inklusive dem alljährlichen Streit, wer denn nun die Farbe des Weihnachtsschmucks bestimmen darf), wobei der Höhepunkt des Dekorierens das Platzieren der Geschenke unter dem Baum ist. Der Baum kommt übrigens immer aus unserem Wald und wirft in unserer Familie jedes Jahr von neuem Diskussionen auf, was das denn für ein Baum sein sollte: Vater vertritt die Meinung, man könne ruhig einen Baum nehmen, der sowieso gefällt werden müsse – warum sollte da ein gesunder, schöner Baum hinhalten? Dem Rest der Familie liegt jedoch der ästhetische Aspekt eines Weihnachtsbaumes näher am Herzen… Nun ja, zurück zu den Geschenken. Wir packen alle sehr gerne solche aus. Dabei geht es tatsächlich nicht prinzipiell darum, was darin ist, sondern ums Auspacken. So verpackt Mutter Jahr für Jahr liebevoll aufs Neue Energy Drinks, Socken, Schokoriegel, Kaugummi und was weiss ich alles in verschiedenen Formen/Verpackungen (damit nicht jedes Schoggistängeli gleich zu ertasten ist!), um so quasi den Päckli-Haufen aufzustocken. Ein anderes Objekt, das traditionellerweise an Weihnachten in unserer Stube vorzufinden ist, ist ein gefüllter Wassereimer. Wir gehören doch tatsächlich noch zu denen, die echte Kerzen auf ihren Baum stecken und diese auch anzünden. Brauchen mussten wir diesen Eimer zum Glück noch nicht, trotzdem bleibt ihm der Platz in der Ecke, die sich nach und nach mit Geschenkpapier füllen wird, erhalten. Früher hatte er immerhin noch den Zweck, als Auffanggefäss für all die Wunderkerzen, die wir Kinder so liebten, zu dienen. Dass das allerdings nicht immer ganz geklappt hat, davon zeugt der erste (Brand-)Fleck auf dem damals neuen Parkettboden. Ich glaube, es sind diese kleinen Sachen und Erinnerungen, die Weihnachten für mich ausmachen. Was ist es für Sie? Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall frohe Festtage und freue mich schon, für Sie im neuen Jahr weiterzuschreiben.

Jetzt sind Sie gefragt: Was macht Weihnachten für Sie aus? Oder, vielleicht noch interessanter: Was nicht? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!


Tante Étudiante studiert Englisch und Nordistik an der Uni Basel und mag Pinguine, Elche und Eidechsen. Exklusiv für „Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012“ frönt sie einmal im Monat ihrem süssesten Laster, Universiphil1.


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