Ohne Familienartikel: Kinder vermehrt an Garderobe abgegeben!

Basel (gopf.) – Das vergangene Abstimmungswochenende wirft Schatten. Wie die Nachrichtenagentur gopf. exklusiv für „Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012“ berichtet, werden Kinder berufstätiger Eltern vermehrt an der Garderobe des Arbeitgebers abgegeben.

Der von einem akuten jobmässigen bore-out arg betroffene „Zeitnah:KuMag12“-Lektor Hans Hammer („Lektorieren, korrigieren, abservieren!“) bekam von der Redaktion den Auftrag, die Nachricht der Agentur gopf., wenn schon nicht zu veri- oder falsi-, so doch wenigstens zu illustrieren. Er opferte sich auf und nahm sich drei Minuten Zeit für eine Facebook- und Twitter-Umfrage.

by Elizabeth; Wikipedia

Ein Kind in noch nicht arbeitsmarkttauglichem Alter lernt Aktienrecht und Bundesverfassung auswendig. Man beachte den tristen Hintergrund der Einzelzelle, in die es zu diesem Behufe gepfercht wurde. (Quelle: Elizabeth; Wikipedia)

An den Nagel hängen?

An der Garderobe des Opernhauses in Hübendrübenhausen findet sich regelmässig eine bunte Kinderschar. Sie hängen an Mantelhäken und auf Hutablagen herum. „Was soll ich machen? Es an den Nagel hängen?“, zitiert die Nachrichtenagentur gopf. die Sopranistin Helena Hellerkopf, die nur gegen Zusicherung umfassender Anonymität zur Aussage bereit war. Auch Hellerkopf zieht es vor, ihre Kinder an der Garderobe abzugeben. Hellerkopf stand Hans Hammer nicht für weitere Auskünfte zur Verfügung; das Vorgehen der Nachrichtenagentur gopf. brüskierte sie zu sehr. Ausserdem lernte sie zur Zeit von Hans Hammers Nachfrage gerade mit ihrem dreijährigen Kind die Bundesverfassung auswendig.

Juristisches Raffinement

Hans Hammer hielt sich an andere Informanten. „Das mit der Kindergarderobe ist juristisch so lange kein Problem“, wird der Garderobist des Opernhauses zitiert, „so lange ich nicht mehr als fünf Kinder regelmässig aufbewahre und keines davon abhandenkommt. So lange fällt dieses Angebot in den Graubereich, und es braucht keinerlei Bewilligung.“

Auch bei anderen Firmen sieht es laut der Nachrichtenagentur gopf. ähnlich aus. Laut Hans Hammer machen bereits die ersten Grossbanken kurzerhand aus der Not eine Tugend. Sie bieten neuerdings geräumige, klimatisierte Schliessfächer mit speichelfestem Inventar an, die von gestressten Eltern tageweise gemietet werden können. Wie in der Branche üblich, fällt auch dieses Angebot unter die grösstmögliche Diskretion. Selbstverständlich wird diese Dienstleistung dennoch europaweit in den einschlägigen Zeitungen grossformatig beworben; die ersten Kantone werben mit entsprechenden Angeboten um höchstqualifizierte Arbeitskräfte.

Geschlechtergetrennte Pisspotts

„So lange wir geschlechtergetrennte Pisspotts für alle über drei Wochen alten Kinder haben, Seifenspender statt Blockseife verwenden und die Schliessfächer schallisoliert sind, droht uns kein Ungemach“, zitiert die Nachrichtenagentur gopf. einen Insider.

„Ausserdem erfüllen wir hier einen vom Wirtschaftsdachverband dringend angemahnten Bildungsauftrag. Durch geschicktes Zusammenstellen der frühkindlichen Wirtschaftslehrpläne zeigen wir den Knöpfen, wie wichtig es ist, die Hand, die einen fütterte und fett und behäbig machte, rechtzeitig verachten zu lernen!“

Konkreteres oder mehr Interna wollte der Insider sich nicht entlocken lassen. Erst nach Abgabe einiger schweizweit und branchenübergreifend gültigen Einkaufsgutscheine durch Hans Hammer wurde der zugeknöpfte Informant informativer.

„Es ist wichtig, die Kinder nur als Nummern zu führen, damit keine Rückschlüsse auf etwaige Besitzverhältnisse gezogen werden können. Die Eltern bekommen eine Garderobenmarke mit einem Buchstaben-Zahlen-Code. Das klingt brutaler, als es ist. In vielen Grossfamilien ist eine solche alphanummerische Benennung des Nachwuchses heute schon Gang und Gäbe. Wir tätowieren denen die Nummer ja nicht auf die Stirn!“

Auf wenig Verständnis stiessen Hans Hammers Nachfragen bei Eltern, warum man auf dieses Angebot zurückgreife: „Wir haben es auf der Samenbank geholt, warum also nicht auch bei der Kinderbank abgeben?“, antwortete ein sichtlich fortpflanzungsscheues Spitzenverdienerpärchen.

Sie fügten hinzu:

„Wir würden ja gerne auf Krippen zurückgreifen, aber die nehmen es nicht sehr genau mit Darwin- und Karrierismus, dort gewöhnen die Kleinen sich bloss an Mittagsschläfchen und Ausdrucksmalen, bekommen aber nix mit von internationalen Märkten, Erfolgsstreben und Ellenbögelen! Hier aber lernen sie spielerisch Blackberry und Outlook und Mobbingstrategien kennen, und anstelle der wenig lohnstufenoptimierenden Globi-Geschichten pauken sie Aktienrecht und das Hohe Lied vom Grossen Markt. Super. Da bleibt kein Wunsch offen!“

Wenig Fragen blieben nach diesen Aussagen denn auch bei Hans Hammer offen. Er zog es vor, sich zu verziehen, als das sichtlich fortpflanzungsverzagte Grossverdienerpaar in den Porsche stieg und das Kind im Handschuhfach versorgte.

Kinderliebendes Kieferkauen

Die Spur führte ihn nach Witzikon. Dort, an der Garderobe des Iran-Anreicherungs-Zentrifugen-Herstellers „SchleuderMAXXX“, lässt sich die Garderobière lediglich entlocken, dass sie „das Kind schon schaukeln“ werde. Sie habe sehr wohl eine kinderliebende Ader, fügte sie kieferkauend hinzu. Anderslautende Aussagen waren der verstockten Kinderschar auch nicht mit dem Angebot von Süssigkeiten zu entlocken. Hans Hammer zog unverrichteter Dinge ab und ass die sauren Zungen selbst.

Das Kind und das Bad

Bemerkenswerte Szenen spielen sich laut Nachrichtenagentur gopf. an den Garderoben der städtischen Hallenbäder ab. Dort sollen die Kinder gleich kübelweise an der Garderobe abgegeben und zum Trocknen in den Schirmständer gestellt werden.

Hans Hammer weigerte sich unter Hinweis auf seine „Zeitnah“-Lektorats-Verantwortung, dieser heissen Spur nachzugehen. Er verschwand in der Kaffeeküche und ward nicht mehr gesehen.

8 Gedanken zu “Ohne Familienartikel: Kinder vermehrt an Garderobe abgegeben!

  1. Workaholic

    schlechtes timing, gaaanz schlechtes timing.

    und nicht lustig.

    ich schätze zeitnah als kultur-, nicht als kalauermagazin.

  2. gsz

    bestimmt würdest du gerne einen grundsatzessay drüber schreiben, wo eines aufhört und das andere anfängt?

    geh doch wieder bäume umarmen, also echt, @workaholic!

  3. Workaholic

    na, wenigstens komme ich ohne ’91‘ im pseudonym aus, Klybeck91.

    schon dumm, wenn die gewünschten pseudonyme immer schon vergeben sind, was?

  4. klybeck91

    @workaholic: deine hohe präsenz in diesen kommentarspalten lässt darauf schliessen, dass du wahrscheinlich alles andere als ein workaholic bist :)

  5. Workaholic

    touché, klybeck91!

    aber, psst, wenn das mein boss wüsste. irgendwie muss man ja schauen, dass man beschäftigt aussieht vor dem pc im grossraumbüro …

    wobei, el chefe ist ja auch meist damit beschäftigt, beschäftigt auszusehen …

    … und sich zu fragen, ob wir angestellten wohl sehen, dass er so beschäftigt aussieht …

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