Tim oder Mia?

Alexandra-Therese Keinings Zweitling „Kyss mig“ ist zwar gut gemacht und vermag durchaus zu überzeugen, ist aber zu vorhersehbar. Unser Zeitnah-Kinorezesent Niklaus Schäfer findet, dass der Film ruhig ein wenig ambivalenter hätte ausfallen dürfen.

Mia (Vega Fernandez) und Tim (Nätterqvist) stehen kurz vor ihrer Hochzeit. Da lernen sich Mia und Frida (Mjönes) kennen – Frida ist Elizabeths Tochter, und auch Elizabeth (Endre) und Mias Vater Lasse (Henriksson) wollen heiraten. Mia hat für Frida aber nicht nur schwesterliche Gefühle – und ebendiese werden von Frida erwidert. Tim ahnt nichts, bis er zufällig Mia und Frida sieht – eng umschlungen …

 

Keine Probleme, ausser einem ganz grossen

 

„Kyss mig“ von Alexandra-Therese Keining ist eine Liebesgeschichte – eine Liebesgeschichte aber, die immer noch nicht vereinbar ist mit den bürgerlichen Konventionen – selbst in Skandinavien. Während Hetero-Frauen und -Männer ihre Gefühle füreinander nicht verstecken müssen, ist es auch heute noch so, dass Schwule und – vielleicht noch mehr – Lesben sich vor der Gesellschaft verstecken und in eine bürgerliche Hetero-Ehe flüchten. Genau davon erzählt Keinings Film – es gibt also keine grossen Überraschungen, keine wirklichen Probleme in „Kyss mig“ – ausser einem ganz grossen Problem: Tim und die Gesellschaft, die eine Hetero-Ehe erwartet. Dabei wird durchaus auch der merkantile Aspekt betont – schliesslich sind Tim und Mia nicht nur in der Liebe, sondern auch im Business Partner. Aber weder Liebe noch Geschäft können bestehen gegen die starken Gefühle, die Mia für Frida entwickelt. Sicher kein schlechter Film – etwas mehr Ambivalenz hätte „Kyss mig“ aber doch gut getan.

 

„Kyss mig“

Schweden 2011. Regie: Alexandra-Therese Keining. Mit Ruth Vega Fernandez, Liv Mjönes, Lena Endre, Krister Henriksson, Joakim Nätterqvist  u.a. Deutschschweizer Kinostart: 4.10.2012.

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