Avatar Atavismus
Drew Goddard legt mit seinem Regiedebut einen der besten Horrorfilme der vergangenen Jahre vor – eine Reise direkt ins Herz der Finsternis.
Junge Menschen fahren in den Wald, sie wollen Spass, Abwechslung vom drögen Studienalltag … und dann wird einer nach dem anderen, eine nach dem anderen von dunklen Mächten – direkt aus dem Tagebuch von Tochter Buckner, Spross einer diabolischen Hillbilly-Familie – umgenietet. Das ist der nicht sonderlich originelle Plot von «The Cabin in the Woods». Nur: das ist nur die halbe Geschichte. Drew Goddards Film ist nicht in erster Linie ein Horrorfilm, sondern vor allem ein Meta-Horrorfilm, ein Film über den Horrorfilm. Doch viel mehr sei hier nicht verraten. Denn es ist gerade die überraschende Meta-Ebene, die den Charme des Films ausmacht.
Bezeichnenderweise ist der Schrecken dabei ganz real, inszeniert, sicherlich, aber doch schrecklich real. Regisseur und Ko-Drehbuchautor Drew Goddard entwirft hier eine gnadenlose Welt, in der die Menschen – wie die alten Phönizier – die Götter mit Menschenopfern beschwichtigen wollen. Und ist es nicht so, dass die Leute heute wieder Urin trinken und meinen, durch Handauflegen werde alles besser? Unsere Säkularisierung führt zu einem gnadenlosen Neopaganismus; dabei spielt es keine Rolle, ob der Götze Schönheitskult oder Ökologie heisst.
Zwar glauben wir nicht mehr an die grossen religiösen Erzählungen, wie wir auch den Glauben an die Geschichte verloren haben. Im Horrorfilm war es schon immer so, dass entweder alles als Jux entlarvt werden soll – oder dass der Grauen als schrecklich real gezeigt werden soll. Im Regiedebut von Drew Goddard (bekannt als Autor von «Cloverfield» und «Lost») trifft nun wie gesagt beides zu – die ProtagonistInnen sind wie Gladiatoren im alten Rom, nur ist ihnen das nicht bewusst. Sie sterben, damit die anderen weiterleben dürfen – die Menschen, oder ein Teil der Menschheit, glaubt zwar nicht mehr an die alten Götter – gerade dieses Unwissen macht aber erst alles möglich.

Endlich einmal vielschichtige Rezensionen, die über das übliche Blablabla der industrieabhängigen Medien hinausgehen!
Sehr interessantes Kulturmagazin!