Paranormale Abgründe – «In the Dark» im Englischen Seminar

Von Daniel Lüthi

Zum ersten Mal seit Jahren inszenieren die «Gay Beggars» eine Horror-Aufführung: «Zeitnah» war an einer der Hauptproben zur neuen Produktion «In the Dark».

Dreimal «haunted house»: «In the Dark»

Dreimal «haunted house»: «In the Dark» ist seit Langem die erste Horrorproduktion der Beggars.

Der Name ist kurzzeitig Programm. Etwa zwei Minuten lang sitzen wir in fast kompletter Dunkelheit und hören eine Geschichte über das tragische Ende einer Schauspielerin. Dass solche Finsternis ungefähr in der Mitte der neuen Beggars-Produktion «In the Dark» angesiedelt wurde, ist wohl Zufall, macht an diesem Abend jedoch Sinn. Nach zahlreichen Komödien und Tragödien wird die Bühne im Keller des Englischen Seminars Schauplatz von drei Theaterstücken, die aus der Feder des Horrorautors David Skeele stammen und unter der Regie von Josh Malik aufgeführt werden.

Das erste Stück, «The Margins», thematisiert die Erschaffung eines künstlichen Gespensts. Fünf Experten fürs Übernatürliche kommen in einem verlassenen alten Anwesen zusammen, um unter der Leitung des Parapsychologen Jonathan Turino (Samuel Ammann) gemeinsam eine Entität zu kreieren. Das Experiment glückt schneller als gedacht, doch bald entwickelt es eine unangenehme Eigendynamik. Nach der Pause beschwört «Starla» den Geist des Theaters und erfüllt eine junge Frau (Helena Müller) mit mehr als bloss schauspielerischem Talent, während «Hungry Jane» – der wohl unheimlichste und konziseste Teil des Abends – nach und nach die paranormalen Abgründe einer gescheiterten Beziehung offenbart.

Die drei Stücke sind Variationen des klassischen «haunted house»-Topos. Hiermit ergibt sich ein Rahmen für «In the Dark», was sowohl Vor- als auch Nachteile hat: Zwar eignet sich der Theaterkeller ideal als Kulisse für klaustrophobisches Kammerspiel, und allzu grosse Szenenwechsel lassen sich auf der kleinen Bühne nur schlecht umsetzen. Dass sich die Handlung jeweils auf einen einzelnen Raum beschränkt, ist folglich sinnvoll. Andererseits wünscht man sich manchmal etwas mehr Abwechslung in der Ausgangslage – die Szenerie des leerstehenden Theaters in «Starla» entpuppt sich rasch als neue Beschwörungsfläche für ein weiteres Gespenst, ebenso wie das zugenagelte Kinderzimmer in «Hungry Jane».

Dennoch funktioniert der Horror im Grossen und Ganzen. Mehr denn je setzen die Beggars dabei auf Ton- und Lichteffekte, um beispielsweise den Eindruck von berstenden Glühbirnen oder tappenden Schritten im Hintergrund zu produzieren. Zurzeit dieser Vorkritik fehlten noch einzelne Tonelemente oder waren nicht optimiert, doch glücklicherweise werden sie – wie der Einsatz einer Minileinwand, um die einzelnen Stücke filmisch anzukünden – nicht exzessiv oder für blosse Schockmomente verwendet.

Nach dem etwas gedehnten Beginn von «The Margins» baut sich so allmählich eine unbehagliche Atmosphäre auf, die insbesondere in den beiden kürzeren, späteren Stücken zur Geltung kommt. Der anfänglich aufblitzende Humor weicht intensiven Dialogen, welche teils leider zu intensiv zwischen Animosität, Lüsternheit oder Geschrei hin- und herwechseln. Was jedoch einige der jüngeren Beggars-Produktionen an Dringlichkeit vermissen liessen, bricht hier die Statik teilweise auf und hallt je nach Gemütsverfassung durchaus auch noch Zuhause nach. Manche Schatten wirken dann tatsächlich dunkler.

«In the Dark» im Englischen Seminar, Schönes Haus, Nadelberg 6.
 Aufführungen am 18., 19., 22., 23., 25., 26. und 27. April sowie am 2. und 3. Mai 2014.
Die Theaterkasse öffnet um 19 Uhr, Beginn der Stücke um 20 Uhr. Ausnahme: Die Aufführung am Samstag, dem 26. April, beginnt um 23 Uhr, die Aufführung vom Sonntag, dem 27. April, beginnt bereits um 17 Uhr, Theaterkasse offen ab 22 bzw. ab 16 Uhr. Tickets am besten vorreservieren unter reservations@gaybeggars.ch
Preise: CHF 20.- regulär, 15.- für StudentInnen, Auszubildende, AHV, IV

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