Idas Weg – Pawel Pawlikowskis «Ida»
Polen 1962. Die angehende Nonne Ida trifft ihre Tante Wanda, eine Richterin. Diese lebt ein freies, ungezwungenes Leben, Härte zeigt sie aber in ihrer Funktion als Richterin. Sie will Ida das Leben mit all seinen Farben zeigen – notabene in einem Schwarzweissfilm! Ida lernt den Jazzmusiker Lis kennen, der sie mit Miles Davis bekannt macht – seinen Lebensunterhalt aber mit leichter Tanzmusik bestreitet. Ida und ihre Tante sind auf der Suche nach Idas toten Eltern – die beiden haben nämlich jüdische Wurzeln, was die Tochter zum ersten Mal erfährt…
Der britisch-polnische Regisseur hat bereits mit «My Summer of Love» (2004) einen Film vorgelegt, der restlos überzeugt. Auch «Ida» ist ein kleines Meisterwerk – diesmal ist es ein Blick auf eine vergangene Zeit, von Pawlikowski und seinem Team in Schwarzweiss eingefangen. Der stimmungsvolle Film überzeugt aber nicht nur durch seine Bilder, sondern u.a. auch durch die hervorragend eingesetzte Musik aus den Bereichen Pop, Jazz und Klassik.
Wie schon in «My Summer of Love» ist die Jugend ein wichtiges Thema. Dass sich Ida aber am Schluss des Films nicht für ein Leben mit dem Jazz-Musiker Lis entscheidet, hängt wohl auch mit der ambivalenten Rolle ihrer Tante zusammen. Als Vorbild taugt sie nicht, einerseits, da sie für das Regime die Drecksarbeit erledigt, andererseits, da sie – zumindest aus katholischer Sicht – auch im Privaten nicht wirklich bestehen kann. Inspiriert ist Wanda, die Tante, von einer Frau, die Pawlikowski selbst in den 1980er Jahren kannte – eine sympathische, lebenslustige Frau, die in den späten 1920er Jahren eine stalinistische Richterin war. Diese Widersprüche faszinieren Pawlikowski – Widersprüche, die mysteriös erscheinen und deshalb auch Eingang in sein Werk finden. Widersprüche, die er auf andere Art auch in «My Summer of Love» und zuletzt «La femme du Vème» (2011) verarbeitet hat. Mit Ida legt Pawlikowski nun wohl die Krönung seines bisherigen Schaffens vor.
«Ida». Polen/Dänemark 2013 . Regie: Pawel Pawlikowski. Mit Agata Kulesza, Agata Trzebuchowska, Dawid Ogrodnik, Jerzy Trela u.a. Deutschschweizer Kinostart: 17.4.2014.
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