Rückkehr in die Fremde – Paula Hernández‘ «Herencia»

Der junge Deutsche Peter (Adrián Witzke) ist in Argentinien gestrandet, wo er seine Freundin, eine Argentinierin, sucht. Bei der Wirtin Olinda (Rita Cortese), auch genannt Oli, findet er Unterschlupf – auch wenn diese anfangs nicht sehr angetan ist vom ahnunglosen Gringo, der sie trotz fortgeschrittenem Alter Señorita Linda nennt. Peter freundet sich unterdessen mit der Einheimischen Luz (Julieta Díaz) an; diese zeigt ihm Buenos Aires. Olinda hingegen hat langsam genug vom Alltag und träumt von einer Rückkehr in ihr Geburtsland Italien… auch wenn sie dort nicht zuletzt ihren Stammgast und Vertrauten Federico (Martín Adjemián) vermissen wird.

Olinda und Peter, almas migrantes. (Bild: zVg)

Im Online-Kino von «Trigon» zu sehen: Olinda und Peter, almas migrantes. (Bild: zVg)

Die Argentinier seien Italiener, die spanisch sprechen und sich für Engländer hielten. So das Klischee, an dem vielleicht auch etwas Wahres ist – auch wenn (oder gerade weil) der Intimfeind England heisst. Olinda und die Menschen in «Herencia» halten sich aber zweifellos nicht für Engländer, sondern stehen mit beiden Füssen auf dem Boden – anders als der naive Peter, der das kastilische Idiom regelrecht massakriert. Seine Identität ist zweifellos gefestigt – Menschen, die keine andere Sprache lernen wollen, wollen ihre eigene Identität nicht kontaminieren – vielleicht ist er aber auch einfach nicht sonderlich begabt, dieser Peter. Der spanische Vorname des Schauspielers (Adrián Witzke) deutet aber darauf hin, dass es sich um ein anderes Problem (nämlich Overacting) handeln könnte. Wie dem auch sei: Peter lebt sich in Buenos Aires ein, auch wenn er wohl seine Freundin nie wiedersehen wird. Aber vielleicht ist Luz ja so oder so die bessere Wahl.

Bei der argentinischen Regisseurin Paula Hernández stehen die Menschen im Zentrum . Bei «Herencia» handelt es sich dabei um ihren Erstling, der durchaus leichter zugänglich (oder zumindest Leichter) ist als ihre späteren Werke «Lluvia» (2008) und «Un amor» (2008). Es ist die Geschichte von Menschen auf der Suche nach ihren Wurzeln: der junge Peter sucht sie noch (wie er auch seinen Zugang zum kastilischen Idiom noch sucht); Olinda will zumindest temporär in ihre alte Heimat zurückkehren. Eine leichte Komödie, die aber auch viel aussagt über das Leben.

«Herencia». Argentinien 2001. Regie: Paula Hernández. Mit Rita Cortese, Adrián Witzke, Martín Adjemián, Julieta Díaz u.a. Online erhältlich bei https://www.trigon-film.org/de/vod/catalog/Herencia


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