Zitat der Woche: Hans Manz, Die Welt der Wörter

Das heutige Zitat der Woche widmet sich der Linguistik: Hanz Manz‘ «Die Welt der Wörter» guckt hinter die Kulissen der Sprache.

Mensch und Sprache: Hans Manz bietet eine verspielte Perspektive auf Wörter und Worte. zVg

Mensch und Sprache: Hans Manz bietet eine verspielte Perspektive auf Wörter und Worte. zVg

Von Daniel Lüthi

Ein Buch, so Umberto Eco, könnte man als nichts weiter als eine Maschine oder einen komplexen Mechanismus bezeichnen, der bei der Leserin oder beim Leser Sinn hervorruft. Wir entschlüsseln die einzelnen Sätze und Abschnitte eines Romans zu einem sinnvollen Ganzen, in dem Figuren, Ereignisse und Raum zusammen eine Geschichte ergeben. Madame Bovary, Arthur Gordon Pym, Eugen Onegin, Don Quixote, Faust – sie alle werden plastisch vor unserem geistigen Auge und wir folgen ihren Schicksalen und Verwicklungen. Gute Bücher beziehungsweise Maschinen lassen uns mitfiebern, schlechte bleiben kaum in Erinnerung.

Wenn wir uns nun all die Maschinen angucken, welche wie Aufziehfiguren in unseren Bücherregalen stehen und darauf warten, von uns geöffnet und damit in Gang gesetzt zu werden, dann gibt es darunter verschiedenste in unterschiedlicher Couleur. Romane des Realismus beispielsweise verstecken ihre Mechanismen so gut es geht – der Leserschaft soll eine möglichst lebensnahe, unverfälschte Welt präsentiert werden, die genauso gut unsere sein könnte. Postmoderne Werke dagegen spielen genau mit dieser Illusion der Echtheit und brechen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität auf.

Einer der Autoren, der unter dem grossen Namen der «Postmoderne» eingeordnet werden könnte, ist Hans Manz. 1931 in Zürich geboren und als Lehrer, Schriftsteller und Übersetzer tätig, widmet sich Manz in zahlreichen seiner Veröffentlichungen den Mechanismen, welche Büchern zugrundeliegen. Seine Sprachspielbücher sind Klassiker der 1970er- und 1980er-Jahre und schwimmen zwar auf der Welle postmoderner Werke mit, lassen sich davon aber weder beschweren noch kategorisieren. An vorderster Front steht das Spiel: Manz‘ Bücher sind für jung und alt, für Primarschüler und Erwachsene, widmen sich auf einer Seite Schimpfwortmaschinen zum Selberdichten und auf der nächsten einer reflexiven Anekdote über Hauptwörter oder Onomatopoeia.

Als gutes Beispiel für die tiefgründige Verspieltheit von Manz bietet sich ein Dialog aus dem Sammelband «Die Welt der Wörter» an. Stellvertretend für das Gesamtwerk ergibt der Wort- oder Wörterwechsel ein Spiegelbild der Mechanismen der menschlichen Sprache, das teils an Wittgensteins philosophische Betrachtungen oder Saussures linguistische Erkenntnisse erinnert:

«Was sind Worte?»
«Nicht ganz dasselbe wie Wörter.»
«Erklärst du mir den Unterschied? Aber bitte nicht zu wortreich.»
«Gut. Sagt man: ‹Jemand braucht gewinnende Wörter›?»
«Nein, er braucht gewinnende Worte.»
«Sagt man: ‹Das sind aber verletzende Wörter!›»
«Nein, das sind verletzende Worte.»
«Also, nun kannst du den Unterschied selbst herausfinden.»
«Ja, Wörter …. nun, Wörter .. sind ohne Charakter, ohne Gefühl, ohne Zusammenhang zum Sprechenden. Worte hingegen sind immer bestimmt gemeinte, gute oder böse oder goldene oder die letzten Worte.»
«Buchstäblich!»

Quelle: Manz, Hans. «Die Welt der Wörter. Sprachbuch für Kinder und Neugierige.» Weinheim: Beltz & Gelberg, 1991.

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