Der Demiurg lebt in Brüssel – Jaco Van Dormaels «Le Tout Nouveau Testament»

Der Regisseur von «Le huitième jour» und «Toto le héros» überzeugt mit einem spielerischen theologisch-blasphemischen Traktat, in dem Gott in Brüssel lebt und seine Tochter sechs neue Jünger sucht, um die Mission ihres Bruders JC zu vervollständigen.

Gott (Benoît Poelvoorde) gibt es wirklich. Er lebt in Brüssel und ist ein versoffener Typ, der seine Tochter Éa (Pili Groyne) schlägt und seine Frau (Yolande Moreau) ausbeutet. Die Situation ist für Éa unhaltbar geworden: sie bricht aus, auf der Suche nach weiteren Jüngern. So will sie das Werk ihres Bruders JC vollenden. Nun muss Gott ebenfalls raus aus dem Haus, um seine Tochter wieder ins Elternhaus zu bringen. Aber leichter gesagt als getan – denn Éa hat bereits die Todesdaten der Menschen verschickt…

Gptt (Benoît Poelvoorde) bei der Arbeit. (Bild: zVg)

Gptt (Benoît Poelvoorde) bei der Arbeit. (Bild: zVg)

Jaco Van Dormael legt mit seinem «brandneuen Testament» ein verblüffendes Werk vor, in dem theologische Fragen auf eine spielerische Art verhandelt werden. Gott ist dabei eine Art Demiurg, ein unvollkommener Gott, der nur eine unvollkommene Welt kreieren kann. Es ist dabei sicherlich bezeichnend, dass in einem anderen belgischen Film – «The Broken Circle Breakdown» – Gott ebenfalls als Sadist dargestellt wird. Während es aber im flämischen Film nur die männliche Hauptfigur ist, die Gott als Sadisten sieht, so ist hier Gott selbst wirklich eine nur allzu menschliche Figur. Vielleicht lässt sich dies auch als Hinweis darauf lesen, dass es eben eigentlich wir Menschen sind, die unser Leben zur Hölle machen. Wahrscheinlich ist aber Jaco Van Dormaels neues Werk zu spielerisch, um auf solche Lesungen festgelegt zu werden. Dafür spricht auch, dass Gott als Eishockeyfan Jesus nur 12 Jünger zugestehen wollte, während Éas Mutter Baseballfan ist und Éa deshalb die 12 zu 18 vervollständigen will – mit Jüngern, die ganz normale Menschen sind und deren Leben in «Le tout nouveau testament» erzählt wird. Jaco Van Dormaels neuer Film ist denn auch vor allem ein Film über Menschen, auch wenn einige der Figuren natürlich doch spezielle, d.h. übersinnliche Fähigkeiten besitzen. Ein Film, der bis ans Ende fesselt und immer wieder überrascht!

 «Le tout nouveau testament».  Belgien/Frankreich/Luxemburg 2015. Regie: Jaco Van Dormael.  Mit Benoît Poelvoorde, Yolande Moreau, Pili Groyne, Catherine Deneuve, François Damiens, Laura Verlinden, Romain Gelin, Serge Larivière u.a. Deutschschweizer Kinostart am 3. Dezember 2015.

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