Alans Suche nach dem W-LAN in der Wüste – Tom Tykwers «A Hologram for the King»

Nach «Cloud Atlas» arbeitet Tom Hanks ein weiteres Mal mit Tom Tykwer zusammen – in der deutsch-britisch-französisch-amerikanischen Verfilmung von Dave Eggers‘ gleichnamigem Bestseller.

Alan Clay (Tom Hanks) war früher bei Schwinn ein hohes Tier, hat dort die gesamte Fahrrad-Produktion nach China ausgelagert. Heute ist der geschiedene Vater einer erwachsenen Tochter in Saudi-Arabien, wo er dem König neue Technologie schmackhaft machen soll. Doch das Warten auf den König und seine Leute nimmt immer dadaistischere Züge an – und sein Team wartet immer noch auf das versprochene W-LAN…

Alan (Tom Hanks) sucht sein Glück in der Wüste. (Bild: zVg)

Alan (Tom Hanks) sucht sein Glück in der Wüste. (Bild: zVg)

Dave Eggers ist unter anderem Ko-Autor von «Where the Wild Things Are», Spike Jonze‘ gelungener Verfilmung von Maurice Sendaks Buch. Nun ist Eggers, seines Zeichens Bestsellerautor, selber verfilmt worden, und zwar von Tom Tykwer, dessen Erstling «Der Krieger und die Kaiserin» hierzulande erst nach seinem Grosserfolg «Lola rennt» zu sehen war. Tykwer hat sich in den folgenden Jahren als durchaus wandlungsfähiger Regisseur erwiesen; nicht ganz klar ist dabei aber, ob er bloss ein solider Routinier ist oder doch mehr. Für Quentin Tarantinos «Inglourious Basterds» hat er übrigens einen Teil der Dialoge ins Deutsche übersetzt – und zwar gratis und franko.

Tykwer ist zweifellos ein Cinephiler, die Freude am Film zeichnet denn auch seine eigenen Filme aus – auch wenn nicht auf die metafilmische, unkonventionellere Art eines Quentin Tarantinos. Dieser hat bezeichnenderweise auch nur einen Roman verfilmt. Tykwer ist da eben mehr als nur eine Spur konventioneller (man denke auch an seine Süskind-Verfilmung «Das Parfüm»!), was allerdings bei einer Verfilmung eines erfolgreichen Romans ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Tykwers Kino ist wohl so oder so ein Gegenentwurf zum skurrilen deutschen Kino der letzten Jahre, aber natürlich auch zur deutschen Komödie à la «Fack ju Göhte»: Tykwer macht Qualitätskino für ein breiteres Publikum, internationale Produktionen, die nicht nur in deutschsprachigen Regionen Zuspruch finden. «A Hologram for the King» ist denn auch eine britisch-französisch-deutsche-US-amerikanische Koproduktion. Und wie das Buch selbst darüber hinaus eine intelligente Reflexion über Globalisierung  und Familie.

 

«A Hologram for the King». UK/F/D/USA 2016. Regie: Tom Tykwer. Mit Tom Hanks, Ben Whishaw, Sarita Choudhury, Sidse Babett Knudsen, Dhafer L’Abidine u.a. Deutschschweizer Kinostart am 28. April 2016.

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