gesichtet #132: Robbie Williams wohnt im Iselin-Quartier

Von Michel Schultheiss

Ob Sélestat, Rixheim, Rouffach, Sierenz oder Bartenheim – alles weist in Richtung Vogesen. Hier hat fast jeder Strassenname etwas mit dem Elsass zu tun –seien es nun die erwähnten Ortschaften oder auch Literaten wie August Stöber und Gottlieb Konrad Pfeffel und das Geschlecht der Habsburger, die verewigt werden.

Bartenheimerstrasse 45 Karyatide

Ein verbliebenes Historismus-Gebäude im Wohnquartier: An der Bartenheimerstrasse stützt eine Karyatide den Balkon (Foto: smi).

Die Rede ist von einem Basler Stadtteil, der relativ selten thematisiert wird. Statistisch gesehen gilt er als Normalo-Quartier, das zudem eine Art Flickenteppich ohne eigentliches Zentrum darstellt. Helvetiaplatz, Thomaskirche oder Felix-Platter-Spital? Der eigentliche Knotenpunkt ist schwierig auszumachen. Dies merkt man noch heute, wenn manchmal noch immer vom Hegenheimer– oder Spalenquartier statt von der offiziellen Bezeichnung Iselin die Rede ist.

Stöberstrasse

Der bunte Teil des Iselin: Beim Oekolampad fällt zum Beispiel die Stöberstrasse auf.

Im Fokus steht nun aber nicht das gesamte Iselin, sondern der Oekolampad-Bezirk, der an das Gotthelfquartier grenzt. Hier begegnet der Stadtwanderer einem wenig bekannten, doch ausgesprochen farbenfrohen Stadtteil. Man denke schon nur mal an die bunten Bernoulli-Häuser an der Sierenzerstrasse aus dem Jahr 1914.

Robbie Williams

Stars als Nachbarn an der Schlettstadterstrasse (Foto: smi).

Nicht nur hier, sondern auch weiter vorne in Richtung Wasgenring und Bachgraben sowie auch noch in Teilen des St. Johann ist noch so manches nach dem Elsass benannt. Laut André Salvisberg hat dabei die Hegenheimerstrasse den Anfang gemacht. Diese geht noch ins Mittelalter zurück: Bereits 1350 war diese Achse als «Hegner Stross» bekannt, als Weg nach Hégenheim. Auf französischem Boden führt sie heute als Rue de Bâle weiter. Interessant ist dabei auch der Fall der Hagentalstrasse. Der 1877 amtlich benannte Weg ist der Doppelgemeinde Hagenthal-le-Bas und -le-Haut gewidmet. Das Baudepartement soll damals erfolglos den wesentlich prominenteren Namen Parisstrasse vorgeschlagen haben. Schlussendlich blieb man aber im Elsass.

Julia Roberts Michael Jackson

Noch mehr Stars… (Foto: smi).

Prominent geht’s hingegen tatsächlich an der Strasse zu und her, die auf Sélestat verweist. Im roten Eckgebäude an der Schlettstadterstrasse leben nämlich gleich drei Weltstars, wobei einer von ihnen nicht mehr unter den Lebenden weilt: Robbie Williams, Julia Roberts und Michael Jackson haben dort je eine Wohnung.

Hinter der speziellen Glockenwand, die wohl schon bei manch einem Besucher, Briefträger oder Lieferanten für ein Schmunzeln gesorgt haben dürfte, steckt die dortige Galerie Gérard Détraz. Da im Gebäude mehrere Wohnungen zusammengelegt wurden, gab’s plötzlich zu viele Türglocken. Daraufhin zauberte der Künstler, Rahmenmacher und Vergolder Détraz kurzerhand die Promis ins Haus – oder zumindest an die Wand. Das rötliche fünfgeschossige Gebäude wurde übrigens in den 1930er Jahren vom Architekten Leo Menini errichtet und gilt als Vertreter des Funktionalismus. Menini war laut Angaben der Denkmalpflege an den stadtbekannten Baumgartner-Häusern geschult.

Bartenheimerstrasse Fratze

Grimmige Fratzen: Maskaronen, wie sich in der Zeit um 1900 beliebt waren, sind auch an der Bartenheimerstrasse zu sichten (Foto: smi).

Jacko, Julia und Robbie sind nicht die einzigen amüsanten Entdeckungen im Oekolampad-Bezirk. Gleich in der Nähe, an der Ecke Bartenheimer- und Rufacherstrasser, schauen weisse Fratzen, Engel und Frauenfiguren durch die Gegend. Beim imposanten Sichtbacksteinhaus mit der verschnörkelten Fassadendekoration handelt es sich laut dem Jahresbericht 2011 der Denkmalpflege um eines der verbliebenen Historismusgebäude im Quartier aus dem Jahr 1899. Es ist auf die Baumeister Camillo Broggi und Fedele Appiani zurückzuführen.

Bartenheimerstrasse 45 Dach

Roter Sichtbackstein mit weisser neobarocker Verschnörkelung: Das prächtige Eckaus wurde um 1899 erbaut (Foto: smi).

Die Fassade ist neubarocker Ausprägung mit französischem Einfluss: Karyatiden, also weibliche Lastenträgerinnen, zwei wappenhaltende Putten und Masken zieren dabei die Wände. Letztere sind – wie hier schon einmal beschrieben – an vielen Häusern aus jener Zeit zu sehen. Hier sind die Maskaronen als bärtige Gesichter vertreten.

Pferdekopf Rufacherstrasse

Auch tierische Köpfe sind an der Rufacherstrasse zu sehen (Foto: smi).

An der Rufacherstrasse sind weitere sonderbare Dinge zu sehen, deren Hintergründe hier aber nicht geklärt werden kann. Was sollen zum Beispiel die Pferdeköpfe an der einen Hauswand? Was hat es mit dem scheinbar «toten» Coiffeursalon gleich in der Nähe auf sich? Jedenfalls lohnt es sich, auch im angeblichen Normaloquartier genauer auf die Fassaden und die Glockenschilder zu schauen – wer weiss, welche Promis und skurrile Fratzen hier sonst noch hausen?

Coiffeur Rufacherstrasse

Ein düsterer Retro-Coiffeur an der gleichen Strasse. Ob es auch wirklich einer ist?

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