gesichtet #5: Die dunkle Seite des Entsorgers

Von Michel Schultheiss

Anscheinend haben Abfall-Unholde diesem öffentlichen Mülleimer mitsamt seiner Umgebung schwer zugesetzt. So wie Glas-Sammelstellen des Öfteren unter einer exponentiellen Vermehrung von wilden Mülldeponien leiden, könnten ähnliche Übel sogar einem derart unschuldigen Ort wie diesem hier, einem Garten gleich neben einer Kuhwiese, widerfahren sein. Wie bei so vielen Verbotsschildern der Fall, kennt man nie die Vorgeschichten, die zu Ermahnungen dieser Art geführt haben. Der Gartenbesitzer überlässt dies der Fantasie des Verbotslesers.

Die verdrängte Kehrseite des Drohenden droht dann auszubrechen, wenn er mit Haushaltsabfällen provoziert wird.

 

Die Wortkreation «Kehrichabfuhr» weckt jedenfalls spannende Assoziationen. Dem Helvetismus für den Hausmüll fehlt ein «t». Dies liest sich wie das Ausleben einer finsteren Seite: Die verdrängte Kehrseite des Drohenden droht dann auszubrechen, wenn er mit Haushaltsabfällen provoziert wird. Wem es vor dieser Ermahnung nicht schaudert!

Zugegeben: Bisweilen nerven die ewigen Rechtschreibe-Lehrmeister, so etwa in den Kommentarspalten von Zeitungen. Diese lassen sich lieber über ein so genanntes Deppen-Apostroph als über die Textinhalte aus. Doch wenn sich aus Fehlern neue Inhalte ergeben, ist gegen eine solche Schreibweise wenig einzuwenden. Gedankenspiele, welche durch Verbotsschilder provoziert werden, lassen sich auch an anderen Orten spinnen. In der Waschküche eines Mehrfamilienhauses war einmal Folgendes zu lesen: «Es währe schön wenn alle die Waschmaschine sauber verlassen würden. Vor allem die wo Weichspühler verwenden». Jeder hat also seine finstere Seite: Manche Leute nehmen es mit der Hygiene derart genau, dass sie sogar einen Schleudergang über sich ergehen lassen.

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