Patriarchalischer Backlash – Mirjana Karanovics «Dobra zena – A Good Wife»

Mirjana Karanovics Regiedebüt ist das beklemmende Porträt einer serbischen Frau und ihres Umfelds.

Milena (Mirjana Karanovic) ist eine gute Ehefrau. Sie unterstützt ihren Mann Vlada wo sie nur kann, kleidet sich gut, schmeisst den Haushalt ohne jegliches Murren. Beim Aufräumen findet sie eine Videokassette, auf der sie erst alte Aufnahmen mit ihrem Mann sieht, doch dann macht sie eine verstörende Entdeckung: ebenfalls auf der VHS-Kassette zu sehen sind Kriegsverbrechen, an denen ihr Gatte beteiligt ist. Ihre Ärztin will sie zudem zur Mammografie schicken…

Hauptdarstellerin und Regisseurin Mirjana Karanovic als Milena. (Bild: zVg)

Hauptdarstellerin und Regisseurin Mirjana Karanovic als Milena. (Bild: zVg)

Trumps Wahl hat es gezeigt: das Patriarchat lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Und es führt direkt in den Krieg: Männer haben ebenfalls Perioden, sie heissen Kriege (Fine Arts Militia/Chuck D). Das serbokroatische Wort für Krieg lautet «rat», das für Krebs «rak». Wenn Milena also zur Mammografie muss, dann denkt sie wohl nicht nur an ihren eigenen Körper, sondern auch an die Körper der Unschuldigen, die ihr Mann umgebracht hat. Der Film beginnt denn auch mit einer Fernsehsendung, in der es um Kriegsverbrechen geht – das Thema des Films wird also ganz am Anfang angekündigt, auf dem Bildschirm, dort also, wo Milena auch die Kriegsverbrechen ihres Gatten entdecken wird. Bezeichnend sind die ehelichen Szenen im Bett: das «Geschäft» wird schnell erledigt, dann dreht sich der Mann um und schläft. Immer wieder sind auch homophobe «Witze» zu hören im Film: die Gesellschaft, in der Milena lebt, lässt keine Abweichler von der reinen heterosexuellen Lehre zu. Mirjana Karanovics Film – eine serbisch-kroatisch-bosnische Koproduktion – ist ein starkes, mutiges Statement gegen Krieg, gegen Patriarchalismus, gegen Chauvinismus. Ein wichtiger Film.

 «Dobra zena». Serbien/BIH/Kroatien 2016. Regie: Mirjana Karanovic. Mit Mirjana Karanovic, Jasna Djuric, Boris Isakovic, Hristina Popovic, Vlado Kerosevic u.a.

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