Suche nach Identität – Judith Lichtneckerts «Reset – Restart»

Judith Lichtneckert Dokumentarfilm handelt von einem Basler, der seine Heimat verlässt – auf der Suche nach seinen koreanischen Wurzeln.

Mischa Steiner wurde als kleines Kind von einem Schweizer Ehepaar adoptiert. Doch wirklich zugehörig hat er sich nie gefühlt. Lange hat er die Suche nach seinen Wurzeln einfach ignoriert. Doch nun will er seine Familie in Korea besuchen, seine Wurzeln finden und mit einem schwierigen Kapitel abschliessen…

Mischa Steiner mit seiner Basler Mutter. (Bild: zVg)

Mischa Steiner mit seiner Basler Mutter. (Bild: zVg)

Bezeichnend ist eine Aussage seines Adoptivvaters: aufgrund seiner asiatischen Gesichtszüge war es für ihn nie möglich, Mischas Gesicht korrekt zu lesen. Der Vater hat also nie den Zugang zu seinem fremden Sohn gefunden. Kein Wunder also, dass der 1976 geborene Steiner im Erwachsenenalter – zwar spät, aber bestimmt – einen Schlussstrich ziehen will. Und dies, obwohl der IT-Experte beruflich keine Sorgen hat. Judith Lichtneckert begleitet Steiner einfühlsam in einem vielleicht etwas langen, aber doch – und vielleicht gerade deshalb – aussagekräftigen Film. Steiner erinnert streckenweise an Afroamerikaner, die in Afrika eine ganz neue Erfahrung machen, wenn sie in der Menge ganz untergehen können. Das Gefühl der Isolation war für Steiner aber sicherlich noch viel ausgeprägter als für Menschen mit afroamerikanischen Wurzeln, die ja doch eine eigenen Gemeinschaft bzw. eigene Gemeinschaften in den USA haben. Steiner war zudem wohl immer eine Einzelmaske in seinem Umfeld. Kulturell hat ihn zwar nichts von seiner Umwelt unterschieden, aber dass die Menschen (zumindest, aber sicher nicht ausschliesslich im Westen) der phänotypischen Erscheinung sehr viel Bedeutung beimessen, ist klar und kann die Menschen auch sehr stark prägen.

Lichtneckerts Film bezieht seine Spannung natürlich massgeblich aus Steiners Figur, auch wenn seine Halbschwester bezeichnenderweise ebenfalls asiatische Wurzeln hat. Mischa Steiners Schweizer Vater hat also wohl wieder geheiratet, und zwar eine Frau mit ostasiatischen Wurzeln – dies, obwohl er es immer schwierig fand, den Zugang zu seinem koreanischen Sohn zu finden! Die Suche nach Identität ist nie einfach, und ein Bruch wie dieser im Leben Mischa Steiners macht die Suche vielleicht letztlich – bei allen Schwierigkeiten – doch wieder einfacher. Der erneute Bruch ist für ihn vielleicht doch leichter – auch wenn er sicher stark gelitten hat namentlich unter dem langen (eigenen) Schweigen und der Verständnislosigkeit seiner Umwelt. Lichtneckers Film ist ein starker Einblick in das Leben Mischa Steiners; gerade auch im Kontext des Kriegs, dem eigentlichen Motor der Adoptionen, der aber nur am Rande zur Sprache kommt.

 «Reset – Restart». Schweiz 2016. Regie: Judith Lichtneckert. Dokumentarfilm. Deutschschweizer Kinostart am 8. Dezember 2016.

Kommentar verfassen


%d Bloggern gefällt das: