Zwei Outlaws im neuseeländischen Bush – Taika Waititis «Hunt for the Wilderpeople»

Der 12-jährige Ricky wird von den Behörden bei Bella und ihrem grantigen Mann Hec platziert. Taika Waititis Film ist eine spannungsgeladene Komödie mit vielen Zitaten aus anderen Filmen – und der grossartigen Natur Neuseelands in einer nicht unwichtigen Nebenrolle.

Ricky (Julian Dennison) gilt als schwererziehbar, deshalb sind die Leute von den Behörden nur so froh, dass sie sich nicht mehr um das Kind kümmern müssen. Bella (Rima Te Wiata) und ihr Gatte Hec (Sam Neill) nehmen ihn mit offenen Armen auf – na ja, zumindest Bella. Rickys 13. Geburtstag (ab 13 sind Kinder in anglophonen Ländern Teenager) ist der erste, den er wirklich feiern kann. Doch kurz darauf stirbt Bella, und die Behörden wollen Ricky zurück…

Ricky wandelt auf den Spuren seiner Vorfahren...  (Bild: zVg)

Ricky wandelt auf den Spuren seiner Vorfahren… (Bild: zVg)

Der Regisseur von «What We Do in the Shadows», einem wirklich abgefahrenen Vampir-Mockumentary, überzeugt auch mit seinem neuen Film, in dem er einen kurzen und sehr skurrilen Gastauftritt als Pfarrer hat. Die Figuren sind alle liebenswert. Auch sind nicht etwa die Guten die Maori und die Bösen die Weissen: Waititi legt Wert darauf, beide Bevölkerungsgruppen seiner Heimat ohne Polemik abzubilden. Da es sich eben gerade um eine Komödie handelt, kann so auch die Thematik der sicher nicht immer einfachen Beziehungen zwischen Urbevölkerung und ehemaligen Kolonialherren entschärft werden. Besonders lustig ist etwa die Szene, wenn Ricky in einer Szene die Beschreibung seines Pflegevaters liest: er sei «Caucasian», also weiss. Aber Ricky liest «Cauc-Asian» und sagt, da hätten sie sich vertan, schliesslich sei er offensichtlich weiss.

Der Titel bezieht sich übrigens auf die «wildebeests», also die Gnus, und ihre Wanderungen, mit denen Ricky seine eigene Flucht zusammen mit Hec vergleicht. Stark ist im Film auch der Einsatz der Musik. So erinnert eine Szene im Schnee an Robert Altmans «McCabe and Mrs. Miller»: der Geist Leonard Cohens lebt auch hier weiter. Zu hören ist Leonard Cohens «Song of the French Partisan» ausgewählt. Kurz und gut: auch mit seinem neuen Langspielfilm erweist sich Taika Waititi als hervorragender Regisseur mit einem Herz für Aussenseiterfiguren. Und nicht zuletzt natürlich eine Hommage an den Film selbst, von Brian de Palmas «Scarface» bis zu Altmans «McCabe and Mrs. Miller». Und da der Film in Neuseeland spielt darf natürlich ein Hinweis auf Peter Jacksons «Lord of the Rings» nicht fehlen. Und natürlich ist auch «Hunt for the Wilderpeople» eine Literaturverfilmung: Der Film basiert auf einem Roman von Barry Crump (1935-1996).

«Hunt for the Wilderpeople». Neuseeland 2016. Regie: Taika Waititi. Mit Sam Neill, Julian Dennison, Rima Te Wiata, Rachel House, Oscar Kightley, Tioreore Ngatai-Melbourne, Rhys Darby u.a. Premiere am 5. Mai 2017 im Filmclub B-Movie Basel; http://www.b-movie.ch

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