Eingesperrt im ägyptischen Polizeiwagen – Mohamed Diabs «Clash»

Nach der Absetzung von Mursi herrscht in Ägypten Gewalt auf den Strassen. Die Polizei verhaftet wahllos Demonstrierende, aber auch völlig Unbeteiligte.

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Nach der Absetzung von Präsident Mursi greift die Polizei hart durch gegen Demonstrierende. Doch auch völlig Unbeteiligte werden von Militär und Polizei eingesperrt. Der ägyptisch-amerikanische Journalist Adam (Hani Adel) ist einer von ihnen – doch weder im Polizeiwagen noch ausserhalb ist er in Sicherheit, da ihn hüben wie drüben Menschen für einen Spion halten und der Presse so oder so nicht trauen…

Blick von Innen nach Aussen. (Bild: zVg)

Blick von Innen nach Aussen. (Bild: zVg)

In diesen Zeiten von Trump, Le Pen und Orban beschleicht einen das Gefühl, dass die Gräben zwischen den Menschen grösser sind als je zuvor. Dies ist wahrscheinlich sachlich falsch, aber doch stehen sich überall Menschen feindlich gegenüber, und nur wenigen gelingt es – wie etwa Emmanuel Macron – Brücken zu bauen. In der arabischen Welt ist dies nach dem arabischen Frühling allerdings wohl nirgends gelungen (ausser in Tunesien). Die Menschen hatten genug von Mubaraks langer Herrschaft, sie wählten den Muslimbruder Mursi. Doch dann gingen die Menschen erneut auf die Strasse, und das Militär setzte Mursi ab und griff hart durch. Dies sehen wir in «Eshtebak» (so der Originaltitel des Films); mehr noch sehen wir aber Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen, die von der Armee in einem Fahrzeug (einem sogenannten «riot van») eingesperrt wurden und sich so irgendwie zusammenraufen müssen. Sie versuchen, Ordnung zu schaffen, indem sie die Muslimbrüder, ihre Unterstützer und alle anderen voneinander trennen.

Stilistisch erinnert Diabs Film streckenweise an den israelischen Film «Lebanon» (Regie: Samuel Maoz), in dem die Hauptfigur (fast) alles aus einem Panzer beobachtet. Hier ist es der Blick der Machtlosen, auf den Diab fokussiert – die Gefangenen sind in einem Fahrzeug drin, können es aber selbst nicht lenken und natürlich auch niemanden erschiessen. Es ist zweifellos ein Zufall, dass zwei Filme aus dem Nahen Osten und Nordafrika so ähnliche, aber doch so andere Geschichten erzählen – aber doch kommt darin die ganze Malaise dieser Region zum Ausdruck. Die Machthaber regieren mit eiserner Faust wie Asad. Die Gräben in Syrien (zwischen Machtlosen und verschiedenen Parteien, die sich bekämpfen) finden sich so oder auf andere Art in fast allen Ländern von Libyen und Ägypten bis in die Türkei – und selbst in Ländern wie Marokko brodelt es, da die Saharauis unzufrieden sind mit der marokkanischen Herrschaft. Die Menschen im Fahrzeug müssen sich finden – anders geht es nicht. Vielleicht ist es das, was Regisseur Mohamed Diab («Kairo 678»), der das Drehbuch zusammen mit Khaled Diab geschrieben hat, sagen will.

«Eshtebak». Ägypten/Frankreich 2016. Regie: Mohamed Diab. Mit Nelly Karim, Hani Adel, El Sebaii Hefny, Hosny Sheta, Ahmed Malek u.a. Deutschschweizer Kinostart am 25. Mai 2017.

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