Krude Ideologie eines überschätzten Meisters – Terrence Malicks «Song to Song»

Terrence Malick schreibt sein theologisches Werk fort – und beweist mit seinem aktuellen Film, dass er der Mel Gibson des Arthaus-Circus ist: ein grosser (wenn auch überschätzter) Stilist, gefangen in einer kruden Ideologie.

Zwei Freunde haben sich gefunden: der Produzent Cook (Michael Fassbender) und der Musiker BV (Ryan Gosling). Die zwei sind unzertrennlich. Doch nachdem Cook BV seine Songs gestohlen hat (indem er sich selber als einziger Autor angemeldet hat und so abkassiert, während BV leer ausgeht), kommt ihre Freundschaft zum Erliegen. So oder so interessiert sich Cook unterdessen wohl mehr für BVs Freundin Rhonda (Natalie Portman) – und bietet ihr einen Plattendeal an…

Nicht von dieser Welt: Ryan Gosling und Michael Fassbender begutachten eine Urne mit einem Malick-Drehbuch. (Bild: zVg)

Nicht von dieser Welt: Ryan Gosling und Michael Fassbender begutachten eine Urne mit einem Malick-Drehbuch. (Bild: zVg)

Terrence Malick ist zweifellos ein grosser Stilist. Ein Filmemacher mit einem unverwechselbaren Stil. Doch der Stil ist bei Malick vor allem da, um eine krude theologische Ideologie zu verbreiten. Malick ist insofern die Mutter Teresa des Films; ein Mann, der die Menschen heilen will, der aber nicht daran interessiert ist, die Welt an sich zu verändern. Gott ist schliesslich allmächtig, wer will schon dem Schöpfer in sein Werk pfuschen? Malick spendet Trost, aber weil Gott allmächtig ist, gehört das Böse zur Welt – in seinem letzten Film («Knight of Cups») kritisierte Malick zumindest implizit das hirnlose Hollywood, diesmal ist das ebenso verkommene Musik-Business dran.

Verblüffend eigentlich, das so viele Stars – von Iggy Pop über Lykke Li bis zu Patti Smith in der vielleicht einzigen berührenden Performance im Film – mit von der Partie sind. Verblüffend vor allem, wenn man bedenkt, dass der Schluss des Films stark an Mel Gibsons «Apocalypto» erinnert, in dem sich die Protagonisten am Ende auch von der verkommenen Welt abwenden. Vielleicht sind Malick und Mel Gibson wirklich Brüder im Geiste – auch wenn natürlich der Heidegger-Übersetzer Malick sich nie zu antisemitischen Statements hinreissen lassen würde (Alkohol hin oder her) wie sein australischer Kollege. Und sicher ist Malicks Ideologie verglichen mit Gibsons brutalem Katholizismus zumindest oberflächlich gesehen durchaus feinsinnig. Auch wenn «Song to Song» durch das stetige Ausblenden der Musik doch einen Hinweis darauf gibt, dass Malicks Reich nicht von dieser Welt ist. Malick kommt als feinsinniger, kryptischer Autorenfilmer daher, aber in Wirklichkeit ist seine Ideologie glasklar und reaktionär wie die von Meister Gibson, von dem ja auch niemand behaupten würde, er sei ein schlechter Filmemacher.

«Song to Song». USA 2017. Regie: Terrence Malick. Mit Michael Fassbender, Natalie Portman, Ryan Gosling, Cate Blanchett, Rooney Mara u.a. Deutschschweizer Kinostart am 25. Mai 2017.

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