Rückkehr in eine fremde Heimat – Jihane Chouaibs «Go Home»

Golshifteh Farahani spielt in Jihane Chouaibs Film eine junge Libanesin, die in die ihr unterdessen fremd gewordene Heimat zurückkehrt.

Nada (Golshifteh Farahani) ist soeben in Libanon, ihrer alten Heimat angekommen. Kurz drauf stirbt ihre Tante, was alles nicht einfacher macht. Mit Sam (Maximilien Seweryn), einem alten Freund aus der Kindheit, fühlt sie sich wohl. Doch sie hat Probleme, sich in die Gesellschaft als Ganzes einzufügen: das von Konfessionalismus und Bürgerkrieg gezeichnete Land hat nur wenig Verständnis für die indiskreten Fragen der jungen Nada…

Nada (Golshifteht Farahani) ist auf der Suche nach ihrer Heimat. (Bild: zVg)

Nada (Golshifteht Farahani) ist auf der Suche nach ihrer Heimat. (Bild: zVg)

Jihane Chouaibs Film lebt ganz von Stimmungen, einzelnen Eindrücken, Bilder aus Jetztzeit und Vergangenheit. Nadas geradezu galoppierende Naivität lässt sich durch ihre lange Abwesenheit erklären, aber auch durch ihre eigene Geschichtsvergessenheit: erst langsam kommen die schrecklichen Eindrücke aus der Kindheit zurück. Gerne erinnert sie sich natürlich an das lustige Zusammensein mit Sam; aber dass sie selber auch ein Teil des Bürgerkriegs ist: daran denkt sie nur ungern. Wir alle sind eben Teil der Gesellschaft, und in einer ethnisch, konfessionell und politisch fragmentierten Gesellschaft ist es besonders schwierig, nach Auswegen zu suchen. Manchmal ist die Migration der einzige Weg: Nada bzw. ihre Eltern haben ihn gewählt, und Sam ist als Entwicklungshelfer so oder so überall zuhause. Jihane Chouaibs Film ist zwar ein interessanter Beitrag, aber er wirkt leider teilweise (auch dramaturgisch) manchmal so unbedarft wie Nada selbst. Dabei ist es durchaus unklar, ob das so gewollt ist, oder ob Chouaib hier nicht eher etwas überfordert war. Gut gemeint heisst eben nicht gut gemacht – aber «Go Home» ist schliesslich Jihane Chouaibs erster Film. Und anders als Kusturica werden andere Regisseure ja mit dem Alter noch besser…

«Go Home». Frankreich/CH/Belgien/Libanon 2015. Regie: Jihane Chouaib. Mit Golshifteh Farahani, Maximilien Seweryn, Wissam Fares, Julie Kassar, Mireille Maalouf, François Nour u.a. Deutschschweizer Kinostart am 28. September 2017.

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