Zwischen Unterdrückung und Party – Maysaloun Hamouds «In Between»

Drei junge israelische Araberinnen in Tel Aviv – zerrissen zwischen überkommenen Traditionen und der Mehrheitsgesellschaft. Regisseurin Maysaloun Hamoud beschreibt präzise ein Lebensgefühl einer neuen Generation.

Salma (Sana Jammelieh),  Nour (Shaden Kanboura) und Laila (Mouna Hawa) leben in einer 3er-WG in Tel Aviv. Nours Verlobter (Henry Andrawes) hält die Mitbewohnerinnen für Huren; sich selber hält er für einen besonders frommen und wohltätigen Muslim. Laila hat eine Beziehung zu einem scheinbar liberalen Mann. Die Christin Salma (Sana Jammelieh) wiederum interessiert sich überhaupt nicht für Männer…

Wie der Film selber ist auch das Plakat zwei- bzw. dreisprachig. (Bild: zVg)

Maysaloun Hamouds Film überzeugt mit präzise beobachteten Szenen aus dem Alltag. Eindrücklich etwa, wenn Salmas Vorgesetzter ihr verbietet, in der Küche arabisch zu sprechen. Hamoud war denn auch ursprünglich inspiriert vom arabischen Frühling; sie hatte wie viele andere die Hoffnung, dass nun ein freierer Wind wehen würde in den arabischen Gesellschaften. Darüber hinaus zeigt Maysaloun Hamoud natürlich das Leben von drei Frauen aus der arabisch-palästinensischen Minderheit in Israel, die immerhin 20% der Bevölkerung umfasst. Sie gibt einen Einblick in das lebendige Musikschaffen des palästinensischen und israelischen Undergrounds, mit Musikern wie der Rap-Gruppe DAM oder Tiny Fingers. Die drei Frauen greifen dabei zur Verteidigung ihrer Freiheit zu durchaus radikalen und nicht eben legalen Mitteln; doch wie schon Pan Nalin in «Angry Indian Goddesses» ist Maysaloun Hamoud wohl der Meinung, dass es eben noch eine höhere Gerechtigkeit gibt als die des Staates oder der patriarchalischen Unterdrücker. Diese Geste der Selbstermächtigung wirkt vielleicht etwas gesucht, aber wichtig ist eben die Geste. Und Hamouds Film ist auf jeden Fall ein spannender Film, der nie langweilt: das Schicksal dieser Frauen interessiert. Ein starker Film!

«Bar bahar». Israel/Frankreich 2016. Regie: Maysaloun Hamoud. Mit Mouna Hawa, Sana Jammelieh, Shaden Kanboura, Mahmud Shalaby, Henry Andrawes u.a. Deutschschweizer Kinostart am 5. Oktober 2017 im Stadtkino Basel; Premiere am 28. September 2017 im Rahmen des Luststreifen-Festivals im Neuen Kino Basel.

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