Verhärtete Fronten – Daniel Schweizers «Trading Paradise»

Nach den Skinheads und dem Goldrausch widmet sich der Westschweizer Regisseur diesmal anderen Missständen: dem internationalen Rohstoffhandel und somit der Ausbeutung Afrikas und Südamerikas.

Daniel Schweizer wirft in seinem neuen Dokumentarfilm einen Blick auf den globalen Rohstoffhandel in der Schweiz, und die damit zusammenhängende Vertreibung von Einheimischen in Südamerika und Afrika. Aktivisten aus Nord und Süd kommen dabei ebenfalls zu Wort, und am Schluss besuchen Maximilian Reimann und Doris Fiala eine peruanische Rohstoffbude.

Ein Dialog findet nicht statt. (Bild: zVg)

Ein Dialog findet nicht statt. (Bild: zVg)

Daniel Schweizer legt mit «Trading Paradise» einen doch allzu konventionellen Film vor, der gerade mit einem Voice-Over (das sich auch nicht durch einen persönlichen Duktus auszeichnet) das Herz des Cinephilen nicht höher schlagen lässt. Thematisch ist der Film aber natürlich hochinteressant – auch wenn die Fronten so verhärtet sind, dass es zu keinem Dialog kommen kann zwischen Befürworterinnen des globalen Rohstoffhandels (den direkt Beteiligten sowie Politikern wie Doris Fiala und Maximilian Reimann) und den Gegnern – Einheimischen wie auch Menschen aus dem Norden wie dem kritischen Tessiner FDP-Mann Dick Marty. Aber gerade diese Unmöglichkeit eines Dialogs ist nahe am Puls der Zeit, nahe an der Realität. Schweizers Film verschweigt dabei nicht, dass es natürlich in Norden wie auch Süden Menschen gibt, die vom Status quo profitieren. Dies ist allerdings sicher nicht im Zentrum des Films: natürlich könnte man diese vorgefasste Meinung, die hier zum Ausdruck kommt, kritisieren. Aber im Grund genommen ist dies nur konsequent: wie schon bei den Nazi-Skins ist ein Dialog eben auch hier nicht möglich. Hier geht es zwar nicht um Rassismus, sondern um viel tiefere, ökonomische Konflikte. Wobei: auch rechtsradikale Kreise, gerade in Trumps USA, betonen ja immer wieder, dass sie sich ihre Jobs nicht von Juden, Schwarzen und anderen Minderheiten wegnehmen lassen wollen. Die Vorgesetzten im internationalen Rohstoffhandel (und der Rohstoffproduktion) sind zwar auch alle weiss, aber immerhin gibt es auch noch ein paar Jobs für die Einheimischen. Auch hier kommen natürlich die wirklichen Kräfteverhältnisse so klar zum Ausdruck wie nur selten. Insgesamt also ein interessanter Beitrag, der aber auf dem kleinen Bildschirm wohl besser aufgehoben ist als im Kino.

 «Trading Paradise». Schweiz 2016. Regie: Daniel Schweizer. Dokumentarfilm. Deutschschweizer Kinostart am 21. September 2017.

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