Der Vampir in uns allen – Stefan Schwenks «Montrak»

Stefan Schwenk versucht, den deutschen Genre-Film wiederzubeleben – und reist so aus dem späten Mittelalter in die Gegenwart, wo die Anhänger des vampirischen Grafen Montrak diesen aus der Gruft zurückholen.

Die Zeit der Hussitenkriege, im späten Mittelalter. Die katholische Welt ist in Gefahr. Ausgerechnet jetzt entdecken die Hussiten die Gruft des Grafen Montrak (Sönke Möhring). Dieser hat nämlich nach dem Tod seiner Gattin einen Pakt mit dem Bösen geschlossen. Viele Jahre später in der Jetztzeit. Die modernen Anhänger des Grafen wollen die Plage des Vampirismus in ganz Deutschland verbreiten.

Deutschland ist ja nicht gerade ein gutes Pflaster für Genre-Filme – mal abgesehen von «Fack ju Göhte» und Co. Stefan Schwenk und seine Mitstreiter (allen voran natürlich auch seine Koproduzentin Heike Fauser, die auch in Basel zu Gast war im B-Movie beim zweiten Screening von «Montrak» im Rahmen der Reihe «Bizarres deutsches Kino») haben es trotzdem gewagt via Crowdfunding einen deutschen Vampirfilm – inspiriert von Coppola und Tarantino – zu produzieren. Dieser «Montrak» ist ein echt deutscher Graf. Das Böse wird hier nicht wie bei Bram Stoker oder auch der ersten deutschen Dracula-Verfilmung «Nosferatu» von 1922 (es handelt sich auch um die erste Verfilmung des Romans überhaupt) in einen angeblich barbarischen Osten projiziert.

Insofern ist «Montrak» durchaus auch ein aufklärerisches Projekt und auch der Held kämpft zusammen mit einem schwarzen bzw. nichteuropäischen Mitstreiter gegen das Böse. Nur diesem vertraut er und gibt so seine Schwester in seine Obhut. Das Symbol der modernen Anhänger des Grafen, es handelt sich um die Mannaz-Rune, ist ein weiteres Zeichen, das uns sagen will: das Böse ist right here in Mitteleuropa. Nirgends wurden nämlich so viele südgermanische Runen gefunden wie im süddeutschen Raum. Natürlich ist die Idee des Bösen an sich eher antiaufklärerisch, aber bei «Montrak» handelt es sich schliesslich auch um einen Genrefilm. Da kann die Dekonstruktion eben nur bis zu einem gewissen Punkt gehen – und nicht weiter.

Mit zwei Stunden ist «Montrak» gerade für einen Genrefilm  eher lang; die Zeit vergeht aber wirklich schnell – auch wenn Stefan Schwenk natürlich noch kein deutscher Tarantino ist. Störend wirkt etwa das Voice-Over, mit dem jedes neue Kapitel eingeleitet wird, und die Dialoge sind natürlich doch nicht ganz so unterhaltsam wie bei «Meister Quintinus». Aber wer weiss, vielleicht kann Schwenk ja wirklich den deutschen Genrefilm wiederbeleben. Er plant laut eigener Aussage einen Neo-Noir. Und vielleicht könnte er ja auch für Constantin das angekündigte Mabuse-Remake drehen – zuzutrauen wäre es ihm! Sein Kino steht für eine neue Generation, die sich nicht mehr von Papas Kino abgrenzen muss. Artur Brauner, bitte übernehmen Sie!

«Montrak». Deutschland 2017. Regie: Stefan Schwenk. Mit Sönke Möhring, Adam Jaskolka, Dustin Semmelrogge, Ralph Stieber, Cosma Shiva Hagen, Antoine Monot Jr. u.a. Der Film war im B-Movie zu sehen im Rahmen der Reihe «Bizarres deutsches Kino»; weitere Informationen auf Facebook: https://www.facebook.com/montrak/

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