Weiblichkeit im Dialog – «Pretty Women» von «Les Arts Scéniques» in Bern und Basel

Die neueste Produktion der Basler Theaterorganisation «Les Arts Scéniques» setzt sich ebenso kritisch wie humorvoll mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinander. «Zeitnah» berichtet von einer Voraufführung.

«Pretty Women» thematisiert das weibliche Selbstverständnis mit feiner Ironie, aber auch mit ernsthafteren Noten. zVg

Von Daniel Lüthi

Wie die Golden-Globe-Verleihung dieses neuen Jahres wenig überraschend gezeigt hat, bleibt die Debatte über Themen wie #metoo, Frauenrechte und die Schattenseiten von Hollywood auch 2018 ein zentrales Anliegen. Manche mögen die zunehmend deutliche Politisierung der Kultur als unnötig oder übertrieben empfinden, doch gute Unterhaltung darf und soll durchaus ebenfalls ein Kommentar zur Gegenwart sein.

«Pretty Women» von «Les Arts Scéniques» geht das Thema Frau von einer eher subtilen, aber nicht minder kritischen Seite an. Begleitet von Brigitte Subkov (Klavier) erleben wir die Sängerinnen und Schauspielerinnen Madeline Del Real und Martina Rick in zahlreichen Rollen, welche Frauen in der Gesellschaft einnehmen. Die Bandbreite an Situationen ist gross: Von Eva, die über Adam nachdenkt über Scheidungsgedanken einer frustrierten Ehefrau bis hin zu verblassten Erinnerungen an Verflossene werden zahlreiche Facetten der Liebe und von Beziehungen präsentiert.

Gelungener Spagat zwischen Gesang und Schauspiel

Die Aufführung im neuen Geschäft von Musik Hug in Allschwil hinterlässt einen hervorragenden Voreindruck – sowohl klanglich als auch darstellerisch. Dank einer oftmaligen Kombination von Gesang und Schauspiel bricht «Pretty Women» unter der Regie von Cary Rick die einzelnen Musikstücke sinnvoll auf: Der Hauptfokus auf Lieder des legendären Musical-Autors Stephen Sondheim macht den Abend leichtfüssig und doch tiefgründig. Allein das Titellied «Pretty Women» aus dem Musical «Sweeney Todd» nimmt hier – von zwei Frauen gesungen – eine weitaus selbstironischere Färbung an als im Original. Und mit Songs wie der gänsehauterzeugenden Darbietung von Irving Berlins «Supper Time» regt die Inszenierung nicht nur zum Schmunzeln und Nachdenken, sondern auch zum Mitfühlen an.

Man darf gespannt sein, wie «Pretty Women» die Thematik der Weiblichkeit in voller Länge gestalten wird. Neben weiteren gesanglichen Einlagen werden schauspielerische Dialoge ebenso Teil des Programms formen – etwa ein Gespräch beim Shopping oder zwischen Mutter und Tochter. Dies bildet auch den erzählerischen Rahmen: Kindheit und erster Liebe folgen im zweiten Akt Reflektionen über Ehe und Schwangerschaft.

«Pretty Women» wird in Bern und in Basel aufgeführt – und an beiden Orten sowohl auf Deutsch wie auch auf Englisch (Spielszenen auf Deutsch, die Lieder bleiben natürlich im englischen Original).

Aufführungen in Bern im Theater am Käfigturm: 11., 12. und 13. Januar 2018, Beginn jeweils um 20 Uhr.

Aufführungen in Basel im Ackermannshof: 18., 19., 20. und 21. Januar 2018, Beginn jeweils um 20 Uhr (Ausnahme: 17 Uhr am 21. Januar).

Tickets für «Pretty Women» sind erhältlich auf www.ticketfrog.ch oder an der Abendkasse. Mehr Informationen zum Stück und zu «Les Arts Scéniques» auf http://prettywomen.show

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