Tristan und Aaron, alleine in den Bergen – Jan Zabeils «Drei Zinnen»

Jan Zabeils zweiter Spielfilm ist ein berührender Einblick in das Leben einer Patchwork-Familie, die in den Dolomiten mehr schlecht als recht versucht, ein bisschen Normalität zu leben. Und die Fassade bröckelt immer stärker…

Aaron (Alexander Fehling) verbringt seine Ferien zusammen mit Freundin Lea (Bérénice Béjo) und deren Sohn (Arian Montgomery) in den Südtiroler Bergen. Doch für den kleinen Tristan ist es schwierig, diesen Ersatzpapa zu akzeptieren. Zu anders scheint der aktive Aaron für den Kleinen…

Lea und Aaron – und Tristan. (Bild: zVg)

Schon in Jan Zabeils Debutfilm war es der Mensch in der Natur, der im Zentrum stand. «Der Fluss war einst ein Mensch» war der Name dieses Films, er spielte in Botswana im südlichen Afrika. Nun kehrt Zabeil zurück in sein heimatliches Europa, genauer: nach Italien, ins Südtirol. Die Drei Zinnen, die Lieblingsberge von Ersatzpapa Aaron, erinnern den kleinen Tristan an sich und seine Eltern. Seine Eltern – oder seine Mutter und Aaron? Genau darum geht es in diesem alpinen Kammerspiel, wobei die Kammer hier die Berge sind, nicht etwa eine Hütte in den Bergen. Aaron hat vielleicht gedacht, dass er in diesen abgeschiedenen Gefilden einen besseren Zugang zu Leas Sohn findet – doch das gestaltet sich halt nicht so einfach, wie er sich das vorgestellt hat. Ganz im Gegenteil: die Einsamkeit bringt die Konflikte noch stärker zur Geltung. Zuerst sehen wir Aaron, Lea und ihr Kind in einem Gartenbad (auch im Südtirol?), doch die Konflikte sind zweifellos bereits da, auch im nassen Element, das am Schluss noch eine wichtige Rolle spielen wird.

Der Kreis schliesst sich so, und bis in die letzten Minuten wissen wir nicht, ob es zur Versöhnung kommt oder nicht. Es ist für ein Kind – und in seinem Namen, Tristan, klingt natürlich volksetymologisch frz. triste an – eben nicht einfach, wenn an der Seite eines Elternteils ein anderer Mensch ist. Interessant ist in diesem Kontext auch der Gegensatz zwischen den alttestamentarischen Namen Lea und Aaron und dem mittelalterlichen Tristan. Schliesslich haben auch erwachsene Menschen noch Mühe, ihre Eltern als ganz normale sexuelle Wesen zu akzeptieren. Ohne dieses Wissen ist es vielleicht noch schwieriger; aber egal in welchem Alter: gerade, wenn es um unsere Nächsten geht, analysieren wir alle wohl weniger scharf. Es ist aber doch zu hoffen, dass am Schluss die Gnade (oder sogar die Zuneigung) triumphiert.

«Drei Zinnen». Italien/Deutschland 2017. Regie: Jan Zabeil. Mit Alexander Fehling, Bérénice Béjo, Arian Montgomery u.a. Deutschschweizer Kinostart am 4. Januar 2018.