Backpacker auf der Suche nach der verlorenen Unschuld – Greg McLeans «Jungle»

Nach dem Militär sucht ein junger Israeli das Abenteuer: zusammen mit einem etwas zwielichtigen Deutschen und seinem Schweizer Freund Marcus und dem Amerikaner Kevin macht er sich in Bolivien auf in den Dschungel. Doch nicht alles läuft nach Plan…

Yossi (Daniel Radcliffe) ist ein junger Israeli; sein Vater hat den Holocaust überlebt. Er bereist den amerikanischen Kontinent auf der Suche nach dem Abenteuer – er war in Alaska und Las Vegas, nun befindet er sich in Bolivien. Dort lernt er den sympathischen Marcus (Alex Russell) kennen, einen Schweizer, der wie er durch Lateinamerika trampt. Kevin (Alex Russell) ist ein Freund von Marcus und eine Legende unter abenteuerlustigen Backpackern. Als ihnen der deutsche Goldsucher Karl (Thomas Kretschmann) den Vorschlag macht, in den Dschungel zu gehen auf der Suche nach Gold und wilden Indigenen, reagieren die drei Freunde verschieden: Marcus (seines Zeichens Lehrer) ist skeptisch, aber der Fotograf Kevin und vor allem Yossi sind Feuer und Flamme…

Das Leben im Dschungel ist kein Zuckerschlecken… (Bild: zVg)

Greg McLeans gut gemachter, packender Film ist eine Reise in die Wildnis, zugleich aber auch eine Reise direkt in die westliche Imagination einer unberührten Natur jenseits der westlichen Zivilisation. Karl lockt mit Geschichten von wilden Indios und einer wirklicheren Welt, die die Menschen im Westen verloren haben. McLeans Film basiert auf einem Drehbuch von Justin Monjo, dieses wiederum fusst auf Yossi Ghinsbergs Erinnerungen. Daniel Radcliffe als Yossi Ghinsberg wirkt authentisch – es ist interessant, Radcliffe mal ohne britischen Akzent zu hören.

Nicht authentisch sind dabei natürlich die Flashbacks, in denen Ghinsberg auch mit seinen Verwandten in Israel englisch redet. Müssen sie aber auch gar nicht sein – Mel Gibson versucht zwar immer wieder («Passion of the Christ», «Apocalypto»), mit exotischen Sprachen zu punkten, dies macht seine Filme aber auch nicht besser (oder jedenfalls sicherlich nicht progressiver). «Jungle» ist als Film als anspruchsvolleres Werk für ein breiteres Publikum konzipiert und dürfte gerade auch Menschen, die Filme wie «Into the Wild» mochten, ansprechen. Aber Vorsicht: einige Szenen sind nichts für zartbesaitete Gemüter. Der Australier Greg McLean ist denn auch der Regisseur des Horrorfilms «Wolf Creek» – und Yossi Ghinsberg macht im Dschungel einige Begegnungen, die den erfundenen Horror auf dem zweiten Platz verweisen…

«Jungle». Australien/Kolumbien 2017. Regie: Greg McLean. Mit Daniel Radcliffe, Thomas Kretschmann, Joel Jackson, Alex Russell u.a. Premiere am 5. Januar 2018 im Basler Filmclub B-Movie, www.b-movie.ch