«The Vagina Monologues» kehren erfolgreich nach Basel zurück

Nach einer exzellenten letztjährigen Erstaufführung von Eve Enslers «The Vagina Monologues» in Basel kommt das Erfolgsstück nun wieder auf die Bühne. «Zeitnah» bietet einen erweiterten Blick auf die damit verbundene internationale Bewegung «V-Day».

Das diesjährige Motto von «V-Day» stellt sich klar gegen den erstarkenden Extremismus in der Welt. zVg

Von Daniel Lüthi

Eigentlich ist an dieser Stelle keine Rezension mehr nötig. Knapp eine halbe Woche vor der Premiere der zweiten Basler Ausgabe von «The Vagina Monologues» sind alle drei Vorstellungen ausverkauft. Eigentlich lohnt es sich auch nicht, einen weiteren Artikel über all die Themen zu schreiben, die Eve Enslers Erfolgsstück im 20. Jubiläumsjahr in Aufführungen weltweit anschneidet. Sie sind weitestgehend in den Medien präsent und haben mit #metoo, den Frauen-Protesten in den USA und zahlreichen weiteren Engagements endlich den Weg an die grössere Öffentlichkeit gefunden.

Doch es wäre ein Fehler, anzunehmen, hiermit wäre alles gesagt. Allein der Blick ins gegenwärtige Amerika zeigt, wie zwiespältig die Diskussion über Frauenrechte nach wie vor ist. Falls eine Diskussion überhaupt stattfindet, muss hinzugefügt werden – vieles wird von Gegenparteien totgeschwiegen oder, schlimmer noch, gleich totgemacht. Auch die Schweiz ist nach 1971 nicht davon ausgenommen.

Der Monolog wird zum Dialog

Eine Frau tritt auf die Bühne, mit Champagnerglas in der Hand. «We were worried», sagt sie. «We were worried about vaginas», fügt eine zweite Frau mit Nachdruck hinzu. Vagina. Ein unangenehmes Wort, wie im weiteren Verlauf des ersten Monologs des Abends klar wird. Aber warum? Wie so vieles, was momentan prominent in Hollywood, jedoch auch anderswo an die Oberfläche kommt, sind es vor allem unschöne Wahrheiten über die Ungleichheit der Geschlechter. Frau sein bedeutet häufig, trotz aller Toleranz durch Männer immer noch sekundär zu sein. Selbst vordergründig Positives wie Schwangerschaft und Geburt ist oft eine Benachteiligung, und von Themen wie Menstruation oder weiblicher Sexualität darf vor lauter Peinlichkeit oder Angst vor Lächerlichmachung meist erst gar nicht gesprochen werden.

«The Vagina Monologues» sind hier schonungslos. Schmerzhafte Tampons, Behaarung, vaginale Verstümmelung, die verschiedenen Stöhner beim Sex – es kommen zahlreiche Aspekte der Vagina und der damit verbundenen Weiblichkeit zur Sprache, welche im Fernsehen oder in Sozialen Medien häufig nur nebenbei Erwähnung finden. Die weltweite Aufführung der Monologe ist Teil von «V-Day», einer internationalen Bewegung zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die jeweils am 14. Februar stattfindet. Das diesjährige V-Day-Motto «Rise. Resist. Unite.» unterstreicht nicht nur die Gegenreaktion auf das Erstarken von Neofaschismus, sondern auch die geschlechterübergreifende Solidarität: Männer sind dazu aufgerufen, Teil der Lösung zu werden und die länderübergreifende Benachteiligung von Frauen zu beenden.

Schlussendlich laden die Monologe zum Dialog ein: Es soll offen über verschiedenste Aspekte der Weiblichkeit und die Probleme einer männerdominierten Weltgeschichte geredet werden dürfen, auch wenn dies Unverständnis oder abweisende Reaktionen hervorrufen kann. 20 Jahre nach dem ersten V-Day ist die globale Bewegung angesichts des gegenwärtigen Isolationismus wichtiger als je zuvor. Basel führt «The Vagina Monologues» nun zum zweiten Mal auf. Vor einem Jahr schrieb ich nach der Erstaufführung, dass das Stück hoffentlich bald wieder auf die Bühne kommen würde. Jetzt möchte ich dies abschliessend ergänzen: V-Day 2019 findet in einem Jahr wieder weltweit statt – bestimmt auch in Basel, und vielleicht sogar tiefer in der Schweiz.

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