Hommage an einen Aussenseiter – James Francos «The Disaster Artist»

Mit «The Disaster Artist» kann James Franco als Regisseur und Hauptdarsteller sich selbst und seinen Bruder Dave in Szene setzen.

Greg Sestero (Dave Franco) ist ein junger Mann, der gerne Schauspieler werden würde. Doch irgendwie schafft er es einfach nicht. Da lernt er den deutlich älteren Tommy Wiseau (James Franco) kennen, der nicht nur auf der Bühne hemmungslos agiert, sondern auch alle seine Träume selber verwirklichen kann, da er viel Geld hat – aus welchen Quellen: das ist unklar. Auch behauptet Wiseau, er stamme aus New Orleans, was nicht stimmen kann; doch trotz allen Ungereimtheiten vertraut ihm Greg, und so gehen sie zusammen nach Los Angeles, um ihre Karriere im Filmbusiness zu starten…

Tommy Wiseau (James Franco) auf dem Set. (Bild: zVg)

Was ist schöner als ein Film über andere Filme? Selbst wenn die Filme, um die es geht, zu den schlechtesten überhaupt gehören, wie etwa die von Ed Wood, was dabei herauskommt, ist oft grosse Filmkunst, oder zumindest sehr solides Handwerk. Nun ist James Francos Film über Tommy Wiseau zwar nicht grad so gut wie Tim Burtons «Ed Wood», aber es ist doch ein durch und durch solides und grösstenteils auch unterhaltsames Werk. James Franco wirkt überzeugend als Tommy Wiseau; auch die anderen Rollen sind sehr gut besetzt. Wiseau ist eine Aussenseiterfigur wie Ed Wood oder Bela Lugosi in Tim Burtons Film. Er ist eine Figur, die nicht zuletzt unsere eigenen oft unrealistischen Träume spiegelt. Sein Selbstbild ist dabei meilenweit entfernt von der Aussensicht – dass James Franco, der auch schon als Allen Ginsberg zu sehen war in «Howl», sich für diese Figur interessiert, verwundet nicht, zumal er hier aus dem Vollen schöpfen und seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann.

Am Schluss des Films sind denn auch noch Outtakes aus Wiseaus Originalfilm zu sehen, und Franco hat den sprachlichen Duktus des gebürtigen Polen Wiseau gut getroffen. Dass Wiseau dabei dauernd die Artikel weglässt, passt auch zu seiner wirklichen Herkunft. Allerdings bleibt Wiseau natürlich trotzdem ein Rätsel – nicht nur, weil wir bis heute nicht wissen, wie er seinen Film «The Room» finanzieren konnte. Die Essenz jedes Kunstwerks ist das Mysterium, und darauf verweist vielleicht auch Francos «Disaster Artist».

«The Disaster Artist». USA 2017. Regie: James Franco. Mit James Franco, Dvae Franco, Seth Rogen, Richard Brener, Michael Disco, Joseph Drake, Toby Emmerich u.a. Deutschschweizer Kinostart am 1. Februar 2018.

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